Zusammenfassung

  • Dominique Heintz und Köln nehmen den Kampf um den Klassenerhalt an.

  • Der Defensivmann glaubt an den Verbleib in der Bundesliga.

  • "Diese Mannschaft gehört dorthin, wo sie in der Rückrundentabelle steht."

Köln - Dass der 1. FC Köln nach dem 27. Spieltag noch eine realistische Chance auf den Klassenerhalt hat, haben in der Winterpause wohl nur die größten Optimisten vorhergesehen. Dominique Heintz war schon damals davon überzeugt, dass sein Team es noch schafft. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der Innenverteidiger über die Gefühlsachterbahn der letzten Wochen und den Charakter seiner Mannschaft.

bundesliga.de: Herr Heintz, während der Länderspielpause hatten Sie Zeit, um durchzuatmen. Oder kam die Pause nach dem Sieg gegen Leverkusen eher ungelegen?

Dominique Heintz: Hat man zuvor verloren, tut eine solche Pause ganz gut. Hat man gewonnen - noch dazu ein Derby - sind Selbstvertrauen und Euphorie so groß, dass man sehr gerne sofort weitermachen würde. Letztlich müssen wir den Spielplan aber so akzeptieren wie er ist. Vielleicht war es auch gar nicht so schlecht, dass jeder ein paar Tage hatte, um sich mit anderen Dingen zu beschäftigen als ausschließlich mit Fußball. Man konnte in Ruhe seine Akkus aufladen.

bundesliga.de: Was waren bei Ihnen die anderen Dinge?

Heintz: Ich bin mit meiner Frau ein paar Tage zur Familie in meine Heimat gefahren. Wir waren viel mit unseren beiden Hunden spazieren und haben uns abends mit Freunden zum Essen getroffen. Ein bisschen etwas gab es auch zu tun: Im Sommer findet wieder mein Benefizspiel für ein Kinderhospiz statt. Dafür laufen die Vorbereitungen.

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"Vielleicht können wir das, was wir uns eingebrockt haben, noch reparieren"

bundesliga.de: Sie sind ein Achterbahnfan. Wie halten Sie im Kampf um den Klassenerhalt die Gefühlsachterbahnfahrt aus, bei der sich zuletzt bittere Niederlagen und überraschende Siege abwechselten?

Heintz: Das ist sicher nicht schön, gehört aber nun mal zum Fußball. In den vergangenen Jahren ist uns dieses Auf und Ab zum Glück weitestgehend erspart geblieben, weil wir sehr konstant waren und uns Schritt für Schritt weiterentwickelt haben. Die erste Hälfte dieser Saison mit nur sechs Punkten war aber sehr bitter, sodass wir die Europa-League-Teilnahme, die wir uns erkämpft hatten, kaum genießen konnten. Dass das eine große Belastung und Enttäuschung bedeutet, lässt sich nicht leugnen. Man hadert oft und denkt nach einer Niederlage wie gegen Stuttgart: "Hätten wir dieses Spiel gewonnen, wäre der Anschluss endlich hergestellt. Aber gerade jetzt - wo die anderen Teams, die unten drin stehen, Punkte liegen lassen - verlieren wir." Trotzdem werden wir nicht aufgeben. Immerhin haben wir den Abstand auf Platz 15 mittlerweile auf fünf Punkte verringert. Ich denke, dass die beiden kommenden Spiele, in Hoffenheim und gegen Mainz, wegweisend sein können.

bundesliga.de: Wie gut Köln Rückschläge wegsteckt, zeigt Platz neun in der Rückrundentabelle. Wie ist es Trainer Stefan Ruthenbeck gelungen, einer zuvor völlig verunsicherten Mannschaft neues Selbstvertrauen zu geben?

Heintz: Ich denke, dass unsere Mannschaft immer wieder gezeigt hat, dass sie mit schwierigen Situationen und Rückschlägen umgehen kann. Der Trainer hat neue Impulse gesetzt und die richtigen Ansätze gefunden. Und wir haben uns bereits im Winter geschworen, dass wir nicht mit sechs Punkten absteigen und einen Negativrekord für die Ewigkeit aufstellen. Was möglich ist, sieht man jetzt Woche für Woche. Wir spielen deutlich besser Fußball und machen vor allem die notwendigen Tore. So zielstrebig müssen wir die nächsten sieben oder – sollte es in die Relegation gehen – acht Wochen weiterarbeiten. Dann können wir das, was wir uns in der ersten Saisonhälfte eingebrockt haben, vielleicht noch reparieren.

"Platz 17 reicht nicht"

Dominique Heintz setzt auf Qualität und Teamgeist seiner Mannschaft © gettyimages / Christof Koepsel / Bongarts

bundesliga.de: Der FC hat sich in den vergangenen Jahren durch ein ungewöhnlich starkes Zusammengehörigkeitsgefühl ausgezeichnet. Hat dieses Gefühl im Misserfolg gelitten?

Heintz: Nein. Ich finde, dass wir noch enger zusammengerückt sind. Keiner sucht die Schuld beim anderen, jeder schaut zuerst darauf, was er selbst falsch oder nicht so gut gemacht hat. Wir zerfleischen uns nicht, sondern wollen gemeinsam da rauskommen. Dass die Stimmung durch die Erfolgserlebnisse der vergangenen zwei, drei Monate besser geworden ist und im Training des Öfteren mal gelacht wird, ist klar. Dass das in der Hinrunde ganz anders war, ebenso. Aber selbst das hat nicht bedeutet, dass der Teamgeist nicht gestimmt hat. Wenn man so oft verliert wie wir in der Hinrunde, gibt es im Training keinen Grund zu lachen. In einer solchen Situation kannst du nicht herumalbern als würdest du auf dem zweiten Tabellenplatz stehen.

bundesliga.de: Seit dem Derbysieg ist Köln nicht mehr Tabellenletzter. Hat das für Sie eine Bedeutung oder ist Ihnen der Tabellenplatz noch egal? Schließlich ist auch der vorletzte Platz ein Abstiegsrang.

Heintz: Es tut gut, dass wir nicht mehr 18. sind. Umso mehr, weil wir sehr lange ganz unten gestanden haben. Aber auch Platz 17 reicht nicht für die Rettung. Zumindest sehen wir jetzt, dass wir – wenn auch langsam – vorankommen und sich die harte Arbeit bezahlt macht. Überhaupt ist es ein tolles Gefühl, sich nach einer so katastrophalen Halbserie die Chance erarbeitet zu haben, zu den anderen Mannschaften aufschließen und den Karren vielleicht doch noch aus dem Deck ziehen zu können.

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"Ich haue für den FC alles raus"

bundesliga.de: Sie haben bereits in der Winterpause an die Rettung geglaubt, obwohl kaum etwas dafür sprach. Was hat Sie optimistisch gestimmt?

Heintz: Meine Mannschaft! Ich bin zwar erst im dritten Jahr Kölner, aber in dieser Zeit haben wir viel gemeinsam erlebt und einiges bewegt. Ich weiß, welche Qualitäten die Jungs haben, und dass es schwer ist, gegen uns zu gewinnen, wenn wir an uns glauben. Die letzten Spiele haben das mehr und mehr gezeigt, etwa die zweite Halbzeit in Leipzig oder die kompletten 90 Minuten gegen Leverkusen. Wir spielen nicht wie ein Tabellensiebzehnter oder Tabellenachtzehnter. Diese Mannschaft gehört für mich dorthin, wo sie in der Rückrundentabelle steht, irgendwo zwischen Platz neun und zwölf. Da hätte ich uns vor der Saison auch erwartet.

bundesliga.de: Sie selbst sind einer der notenbesten FC-Feldspieler und spielen eine fast ebenso gute Serie wie in der vergangenen Saison...

Heintz: Ich freue mich natürlich, dass ich so viele Spiele gemacht habe und der Mannschaft fast immer helfen konnte. Hätte ich mich nicht verletzt, wären es vielleicht sogar alle 27 Spiele geworden. Wer mich kennt weiß, dass ich immer versuche, mein Bestes zu geben und für den FC alles raushaue.

bundesliga.de: Diese Einstellung haben Sie schon in Kaiserslautern gezeigt. Wie sehr schmerzt die Situation, in der sich Ihr Ex-Verein befindet?

Heintz: Aktuell sind es acht Punkte bis zum 15. Platz. Acht Punkte bei noch sieben Spielen – das ist eine Menge Holz. Trotzdem wünsche ich dem FCK, dass er es noch schafft. Dieser Verein gehört nicht in die 3. Liga. Allein schon wegen der Fans und der tollen Atmosphäre im Stadion ist Lautern für mich vielmehr immer ein gefühlter Bundesliga-Club.

"Köln ist längst meine zweite Heimat geworden"

Dominique Heintz schaut gerne auf den Kölner Dom © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Lukas Schulze

bundesliga.de: Sie stammen aus Kirrweiler, einem Dorf mit etwa 2000 Einwohnern, das nur 45 Autominuten entfernt vom Betzenberg liegt. Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich in der Millionenstadt Köln zu Hause fühlten?

Heintz: Ich habe mich in Köln vom ersten Tag an sehr wohl gefühlt. Diese Stadt lebt und hat viel Herz und die Menschen sind ähnlich offen und bodenständig wie bei mir zu Hause in der Pfalz. Egal, ob in der Bäckerei, im Restaurant oder im Supermarkt, die Leute begegnen einem stets mit großer Herzlichkeit. Köln ist deshalb längst meine zweite Heimat geworden.

bundesliga.de: Sie sind katholisch. Ist es etwas Besonderes in der Stadt zu leben, in der eine der bedeutendsten Kirchen der Welt steht?

Heintz: Es stimmt, dass ich sehr gläubig bin. Deshalb habe ich in meinem Heimatort in der katholischen Kirche geheiratet, ganz traditionell. Und selbstverständlich habe ich den Kölner Dom schon einige Male besucht. Wenn man die Möglichkeit hat, von einem der Hochhäuser auf den Dom zu blicken, ist das ein geiles Gefühl.

bundesliga.de: Beten Sie vor einem Spiel?

Heintz: Nein, zumindest nicht im traditionellen Sinn, und schon gar nicht für einen Sieg. Ich spüre auch so, dass der liebe Gott an meiner Seite ist. Das war schon immer so. Selbst wenn etwas danebengegangen ist, habe ich immer darauf vertraut, dass sich die Dinge doch noch zum Guten wenden. Ich bin überzeugt, dass das auch für den FC noch der Fall sein wird. Es liegt einzig und allein in unserer Hand, meine Mannschaft und ich müssen das auf dem Rasen selbst regeln. Vielleicht schaut der liebe Gott dennoch auf uns und leistet ein wenig Beistand.

Das Gespräch führte Andreas Kötter