Zusammenfassung

  • Dominik Kohr ist im Sommer zu Bayer 04 zurückgekehrt

  • Zuvor spielte Kohr drei Jahre erfolgreich beim FC Augsburg

  • Am Wochenende gibt es nun das Wiedersehen mit den alten Kollegen

Leverkusen - Dominik Kohr hat sich in drei Jahren beim FC Augsburg einen Namen als unermüdlicher Kämpfer für sein Team gemacht. Im Sommer ist der 23-jährige nun zu Bayer 04 Leverkusen zurückgekehrt, der Verein, bei dem er in der Jugend ausgebildet wurde. Vor der Rückkehr mit Bayer 04 nach Augsburg spricht Kohr im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de über seine ersten Monate in Leverkusen, über die Stabilisierung der Werkself und über seinen Ruf als harter Zweikämpfer.

bundesliga.de: Herr Kohr, drei Jahre sind im Fußball eine lange Zeit. Was hat sich bei Bayer 04 – außer dem Personal – verändert?

Dominik Kohr: Der Verein hat sich noch einmal weiterentwickelt. Nicht zuletzt, weil man regelmäßig international gespielt hat. Das hat natürlich Auswirkungen auf das Renommee und die Anerkennung, die der Verein in Deutschland genießt.

bundesliga.de: Hat Ihre Rückkehr etwas von nach Hause kommen, oder ist für solche Sentimentalitäten kein Platz im Profi-Fußball?

Kohr: Auf jeden Fall hat das etwas von einer Rückkehr nach Hause. Bayer 04 ist der Verein, bei dem ich den mit Abstand größten Teil meiner Zeit im Jugendbereich verbracht habe. Damals habe ich bei zwei Gastfamilien gelebt und habe so ein zweites Zuhause dazugewonnen. Dieser Kontakt ist zwar nie ganz abgerissen, aber es macht doch einen Unterschied, dass man jetzt wieder viel näher beieinander ist.

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bundesliga.de: Im Spiel sind Sie für Sentimentalität eher nicht bekannt. Ihr Spitzname lautet „Hardkohr“, und Sie haben den Ruf, dahin zu gehen, wo man dreckig wird und wo es auch mal weh tun kann, Ihnen selbst, aber auch dem Gegenspieler. Ist das auch Ihr eigenes Selbstverständnis?

Kohr: Ich bin durchaus der Typ Spieler, der sich in jeden Zweikampf reinhaut und auch schon mal dahingeht, wo es buchstäblich weh tut. Aber ich habe niemals die Absicht, meinen Gegenspieler zu verletzen. Mir geht es nur darum, für mein Team den Ball zu erobern. Diese Einstellung hat mich in den vergangenen Jahren beim FCA stark gemacht, und vielleicht hat das in Leverkusen in der vergangenen Saison ein wenig gefehlt. Jetzt versuche ich diese Lücke mit meinem Spielstil zu füllen.

Dominik Kohr feiert einen Leverkusener Treffer - im Vordergrund jubelt Jonathan Tah © gettyimages / Alex Grimm

bundesliga.de: Sie spielen hart, aber offensichtlich nie so unfair, dass man Sie in fünf Profi-Jahren mit einer roten Karte hätte bestrafen müssen...

Kohr: Stimmt. Ich habe in all den Jahren einmal eine gelbrote, aber nie eine glatt rote Karte gesehen. Dafür waren in der Vergangenheit eher andere Spieler bekannt. (lacht) Wie gesagt, ich will dem Gegenspieler niemals schaden. Aber ich möchte Präsenz zeigen und ihm signalisieren, dass ich keinem Zweikampf aus dem Weg gehe.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass ein Gegenspieler schon mal ein mulmiges Gefühl hat, wenn er weiß, dass er auf Sie trifft?

Kohr: Ich kann mir zumindest vorstellen, dass der eine oder andere sich darüber vielleicht Gedanken macht und die Sorge hat, dass es auch mal weh tun könnte. Für mich selbst spielt es überhaupt keine Rolle, wer mein Gegenspieler ist. Mein Ziel ist einzig und allein der Mannschaft zu helfen, damit wir gemeinsam erfolgreich sind.

bundesliga.de: Stimmt es, dass Sie lieber bei Regen spielen als bei Sonnenschein, weil es sich dann besser grätscht?

Kohr: Das stimmt. Zumindest teilweise. Denn es geht mir weniger ums Grätschen als darum, dass bei Regen der Ball viel schneller läuft. Das macht natürlich auch das Spiel per se schneller und attraktiver. Zudem spielt es sich bei elf, zwölf Grad, wie aktuell, einfach angenehmer als bei dreißig Grad im Schatten.

Ich gebe im Training einfach weiter Gas und werde meine Chance erneut bekommen. Dann werde ich zur Stelle sein!

bundesliga.de: Sie haben in Leverkusen gerade in den ersten Partien die Experten widerlegt, die bezweifelt haben, ob Bayer 04 einen weiteren Spieler fürs defensive Mittelfeld benötigt. Das zeugt von gesundem Selbstbewusstsein...

Kohr: Warum auch nicht?! Ich bin davon überzeugt, was ich zu leisten im Stande bin. Aber ich weiß auch, dass ich meine Entwicklung noch nicht zu Ende ist. Mit 23 hat niemand ausgelernt. Leverkusen stellt für mich eine neue Herausforderung dar, die ich unbedingt annehmen möchte. Deshalb ist für mich von Anfang an klar gewesen, dass ich mich nicht verstecken, sondern mich immer zeigen werde. Und bis dato ist es ja sehr gut für mich gelaufen.

bundesliga.de: Ausgerechnet jetzt aber, wo Bayer 04 nach holprigem Saisonstart seit sechs Pflichtspielen ungeschlagen ist, sind Sie nicht mehr gesetzt...

Kohr: Aber ich bin dem Trainer überhaupt nicht böse, dass er etwas verändert hat. Der Teamerfolg steht für mich im Vordergrund, und so lange wir die Punkte holen wie zuletzt, ist für mich alles gut. Ich gebe im Training einfach weiter Gas und werde meine Chance erneut bekommen. Dann werde ich zur Stelle sein!

Immer mit voller Leidenschaft auf dem Platz: Dominik Kohr © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Alexander Scheuber

bundesliga.de: Was hat sich geändert außer den Ergebnissen?

Kohr: Der Verein musste in der vergangenen Saison eine schwierige Phase durchstehen, als man zeitweise im Abstiegskampf steckte. Mag sein, dass das zu Saisonbeginn noch ein bisschen in den Köpfen war. Dabei haben wir eigentlich schon damals recht gut gespielt. Bloß haben wir die Tore nicht gemacht und deshalb die Punkte nicht eingefahren. Jetzt ist das anders. Mit den Siegen ist nun das Selbstbewusstsein zurück. Wir sind jetzt wieder in der Lage nach einem Rückstand zurückzukommen und das Spiel noch zu gewinnen, wie in Mönchengladbach, oder lassen uns durch einen Ausgleich, wie im Pokal gegen Union Berlin, nicht mehr nervös machen, sondern geben einfach weiter Gas und entscheiden ein solches Spiel noch für uns.

Es überrascht mich nicht, dass der FCA aktuell mit 15 Punkten beinahe genauso dasteht wie wir.

bundesliga.de: Am Wochenende muss Bayer 04 zu dem Verein, bei dem Sie sich zum gestandenen Bundesliga-Spieler entwickelt haben. Mit welchen Gefühlen werden Sie nach Augsburg zurückkehren?

Kohr: Ich freue mich sehr auf diese Partie. Es wird schön, die alten Bekannten wiederzusehen. Und natürlich werde ich nach dem Spiel auch etwas länger mit dem einen oder anderen sprechen. Vor allem aber hoffe ich, dass ich zum Einsatz kommen werde und zeigen kann, was ich in den vergangenen Jahren beim FCA gelernt und wie ich mich in Leverkusen bereits weiterentwickelt habe.

>>> Baum: "Leverkusen wird ein harter Brocken" (via fcaugsburg.de)

bundesliga.de: Aktuell trennen den FCA nur zwei Tore von Bayer 04. Hätten Sie Ihrem Ex-Team eine so starke bisherige Saison zugetraut?

Kohr: Ich weiß aus eigener, sehr guter Erfahrung, dass in diesem Verein nicht nur sehr hart gearbeitet, sondern auch realistisch an die Dinge herangegangen wird. Deshalb überrascht es mich nicht, dass der FCA aktuell mit 15 Punkten beinahe genauso dasteht wie wir. Und ich bin sicher, dass Augsburg weiterhin eine sehr gute Saison spielen wird, weil man einen guten und breiten Kader hat.

bundesliga.de: Was aber wird beide Klubs nach Abpfiff trennen?

Kohr: Hoffentlich drei Punkte und ein paar Tore mehr als die bisherigen zwei. (lacht) Aber das wird schwierig genug für uns.

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