In Manchester Respekt erarbeitet, in Bochum das Spiel dominiert - eigentlich könnte man beim VfL Wolfsburg zufrieden sein. Aber der Meister hadert mit dem, was bislang in dieser Saison unter dem Strich steht.

Man sah es den Gesichtern an nach dem Spiel beim VfL Bochum. Das 1:1-Remis verbuchten weder Trainer noch Profis in der Kategorie Punktgewinn.

Wolfsburg bestimmt das Spiel

"Wir hatten genug Chancen. Wir hätten den Sack zumachen müssen", schüttelte Zvjezdan Misimovic den Kopf. Und auch Armin Veh ärgerte sich über "fünf bis sechs 100-prozentige Torchancen, die wir nicht genutzt haben."

Mit dem Ergebnis war der Trainer nicht zufrieden, wohl aber mit der Leistung. Über 64 Prozent Ballbesitz verbuchten die "Wölfe", spielten stolze 499 (!) Pässe. Am Ende standen 22 Torschüsse und sieben Ecken zu Buche - deutlich mehr als auf Seiten der Bochumer. Wolfsburg dominierte die Begegnung und erinnerte mit seinem Offensivspiel phasenweise wieder an die Vorsaison.

Das war in den letzten Partien nicht immer so. Diesmal aber präsentierte sich der Meister topfit, lauf- und spielstark - trotz des kräftezehrenden Auftritts in der Champions League bei Manchester United.

Der Druck des Gejagten

Das registrierte auch Veh mit Erleichterung: "Wir spielen wieder ordentlichen Fußball und sind auf einem gutem Weg." Nach sieben Punkten aus den letzten drei Bundesliga-Spielen wähnt sich der VfL wieder in der Spur. Die Pleitenserie von drei Niederlagen zu Beginn der Saison soll eine einmalige "schlechte Phase" bleiben, wie Spielmacher Misimovic meint.

Auch, weil sich der VfL Wolfsburg langsam mit der Tatsache zu arrangieren scheint, als Meister der Gejagte in der Bundesliga zu sein. "Der Druck ist größer. Damit haben wir uns am Anfang schwer getan", glaubt Misimovic.

Dass die Veh-Elf trotzdem in der Tabelle mit 13 Zählern bislang nur auf Rang 7 und damit auch hinter den eigenen Ansprüchen liegt, war nicht nur zuletzt in Bochum vor allem eine Frage der Chancenverwertung. Schon beim Pokal-Aus in Köln hatte es vor dem Tor gehakt, erinnert sich Sascha Riether: "Da haben wir auch ordentlich gespielt und hatten durchaus gute Chancen, die wir aber alle nicht genutzt haben."

Grafite sucht den Torinstinkt

Die Treffsicherheit der Abteilung Attacke, in der Vorsaison noch das Prunkstück des Deutschen Meisters, ist noch ausbaufähig. Zwar hat Edin Dzeko bereits wieder fünf Tore erzielt und war in Manchester ebenso wie in Bochum zur Stelle.

Sein Sturmpartner Grafite allerdings konnte bislang nicht an die Erfolgsquote anknüpfen, die ihn an die Spitze der Torjägerliste befördert hatte. 28 Treffer hatte der Brasilianer in der vergangenen Spielzeit in nur 25 Partien erzielt. Bis jetzt sind es gerade einmal zwei Tore und Grafite sucht noch seine Topform.

Mit seinem "Dreierpack" in der Champions League gegen Moskau hatte er kurz an alte Zeiten erinnert. Doch in der Liga wartet der Stürmer seit über 570 Minuten auf ein Tor aus dem Spiel heraus. Gerade deswegen fehle ihm die nötige Leichtigkeit, vermutet Coach Veh: "Grafite muss ein bisschen lockerer werden. Er macht sich zu viel Druck."

Martins belebt die Offensive

Solange der Angreifer im persönlichen Formtief steckt, hofft der VfL auf Tore von Obafemi Martins. Der Neuzugang aus Nigeria bewies nach seiner Einwechslung auch gegen Bochum Torinstinkt und verdiente sich ein Sonderlob seines Trainers: "Er hat unser Spiel belebt."

Martins könnte damit auch als erster der Neuzugänge das VfL-Spiel nachhaltiger prägen. Denn auch bei den Transfers hat der Club noch Potenzial. Während neben Martins auch Ziani noch auf seinen Durchbruch wartet, hatte der VfL im Fall von Thomas Kahlenberg allerdings Pech. Der Däne plagt sich immer noch mit Hüftproblemen und kann wohl erst im Januar wieder ins Geschehen eingreifen.

Dietmar Nolte