Zusammenfassung

  • Origi ist vom FC Liverpool an Wolfsburg ausgeliehen und startet beim VfL durch.

  • Der Belgier sieht innerhalb des Teams eine positive Entwicklung.

  • Der Stürmer tritt in die Fußstapfen seines Landsmanns Kevin de Bruyne.

Köln - Divock Origi brauchte trotz seines späten Wechsels kurz vor Ende der Transferperiode keine große Eingewöhnungszeit bei seinem neuen Verein VfL Wolfsburg. Ganz im Gegenteil, der 22-jährige belgische Nationalspieler ist Toptorjäger der Wölfe mit bereits vier Treffern. Im Exklusiv-Interview spricht Origi über die lange Remis-Serie des VfL, über sein Verhältnis zu Mario Gomez und warum er beim VfL in großen Fußstapfen getreten ist.

bundesliga.de: Herr Origi, der VfL Wolfsburg hätte fast einen Bundesliga-Rekord mit acht Remis in Folge aufgestellt, doch dann gewann der VfL das Heimspiel gegen Freiburg. Haben Sie in Ihrer Karriere schon einmal sieben Mal in Folge unentschieden gespielt?

Divock Origi: Nein, solch eine Remis-Serie habe ich noch nie erlebt. Es waren gemischte Gefühle. Einen Punkt zu holen ist meistens kein schlechtes Ergebnis, aber wir wollten diese Spiele natürlich gewinnen. Es war insgesamt zu wenig, aber ich denke, dass das Team jetzt einen weiteren Entwicklungsschritt genommen hat. Zum Glück haben wir dann gegen Freiburg endlich gewonnen.

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bundesliga.de: Wie wichtig war in dieser Phase Ihr Trainer? Martin Schmidt redete die Mannschaft nach außen immer stark und sprach von einer Ungeschlagenen-Serie, nicht von einer Sieglos-Serie. Er sagte, das Team sei einfach schwer zu schlagen.

Divock Origi: Genau, das war der Punkt. Es war eine schwierige Situation für uns. Außerdem hatten wir einige sehr schwere Auswärtsspiele in München (2:2, Anm. d. Red.), auf Schalke (1:1, Anm. d. Red.) und in Leverkusen (2:2, Anm. d. Red). In diesen Spielen haben wir Charakter gezeigt. In einigen Partien fehlte uns dann auch mal das Quäntchen Glück. Die Mannschaft hat aus der Serie aber das Positive gezogen und wir befinden uns nun auf dem richtigen Weg.

Video: Origi trifft spät zum Ausgleich auf Schalke

bundesliga.de: Nach dem Brustlöser gegen Freiburg wollte der VfL eine Siegesserie starten. Die Partie in Augsburg ging aber etwas unglücklich mit 1:2 verloren, auch weil Maximilian Arnold schnell die Rote Karte sah. Wie sehr hat diese Niederlage wehgetan?

Origi: Natürlich waren am Samstag alle enttäuscht – vor allem, weil wir unter der Woche so hart gearbeitet haben. Im Fußball kann eben immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Wir haben in Augsburg versucht uns mit dem frühen Platzverweis zu arrangieren. Ich denke, wir können aus dem Spiel trotzdem eine Menge lernen.

bundesliga.de: Was konnten sie denn zum Beispiel aus der Niederlage lernen?

Origi: Unter diesen Umständen gegen ein Team wie Augsburg zu spielen, das sehr aggressiv agiert, war eine sehr große Herausforderung. Denn ich denke, wir werden in den nächsten Spielen gegen Mannschaften mit einer ähnlichen Einstellung agieren müssen. Die Partie in Augsburg war für unsere Entwicklung sehr hilfreich.

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bundesliga.de: Sie kamen erst am letzten Tag der Transferperiode zum VfL und benötigten keine große Anpassungszeit. Wie haben Sie sich so schnell ins Team integriert?

Origi: Es ist ja nicht zum ersten Mal, dass ich in ein anderes Land gegangen bin. Ich habe schon Erfahrung damit. Mit 15 bin ich aus meiner Heimat Belgien nach Frankreich zum OSC Lille gewechselt und musste dort eine neue Sprache lernen. Dann bin ich nach England gegangen. In Liverpool hat es mir auch sehr geholfen, dass ich mit Jürgen Klopp einen deutschen Trainer hatte, der mir ein wenig die deutsche Kultur näher gebracht hat. Ich bin auch ein sehr offener Typ und versuche immer hart zu arbeiten. Diese Einstellung mögen die Leute hier in Deutschland sehr.

"Die Partie in Augsburg war für unsere Entwicklung sehr hilfreich."

bundesliga.de: Zusammen mit Daniel Didavi führen Sie die vereinsinterne Torjägerliste an. Vier Tore haben Sie schon erzielt. Ihr Trainer glaubt, dass Sie mindestens zehn, zwölf Tore schießen können. Welche Ziel haben Sie?

Origi: Ich habe ein persönliches Ziel, wie viele Tore ich erzielen möchte, aber das behalte ich für mich (lacht).

bundesliga.de: Sind Sie mit ihren aktuellen Bilanz und ihrer Leistung in den ersten elf Spielen zufrieden?

Origi: Ich versuche mir immer sehr hohe Ziele zu stecken und die Messlatte sehr hoch zu legen. Nach einem Spiel bin ich nie 100 Prozent mit mir zufrieden. Ich möchte mich immer verbessern.

bundesliga.de: Nach ihrem Bundesliga-Debüt haben Sie verraten, dass Sie in der Offensive alles spielen können. In den ersten Spielen haben Sie als einzige Sturmspitze. Jetzt nach der Rückkehr von Mario Gomez spielen Sie Rechtsaußen. Welche Position gefällt Ihnen besser?

Origi: Genauso wie ich es schon zu Beginn der Saison gesagt habe, ich kann in der Offensive alle Positionen spielen. In der Zukunft sehe mich aber schon als echte Nummer 9. Auf der offensiven Außenbahn zu spielen, ist sicherlich gut für meine Entwicklung. Es ist immer wichtig, auf verschiedenen Positionen spielen zu können. Mein erstes Spiel als Rechtsaußen war sehr erfolgreich. Beim 3:3 gegen Hertha habe ich ein Tor geschossen und eines aufgelegt.

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bundesliga.de: Wie ist Ihr Verhältnis zu Mario Gomez auf und neben dem Platz?

Origi: Mario Gomez hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein toller Stürmer ist und viele Tore schießen kann. Man sieht im täglichen Training, dass er eine große Erfahrung hat und schon viele Dinge im Fußball erlebt hat. Ich bin froh, dass er beim VfL spielt. Er weiß natürlich, wo das Tor steht und das ganze Team profitiert von seinen Fähigkeiten, ich auch.

Mit vier Treffern führt Divock Origi die Torjägerliste mit Daniel Didavi beim VfL Wolfsburg an
Mit vier Treffern führt Divock Origi die Torjägerliste mit Daniel Didavi beim VfL Wolfsburg an © imago

bundesliga.de: Vor der Winterpause stehen noch vier Spieltage an. Am Sonntag empfängt der VfL Mönchengladbach. Danach geht es noch gegen den HSV, Leipzig und Köln. Wie viele Punkte sollten denn unter dem Christbaum liegen?

Origi: Wir müssen einfach ambitioniert bleiben. Ich denke, dass wir gute Resultate holen können. Wir spielen gegen Teams mit hoher Qualität, aber die haben wir auch. Ich kann natürlich nicht sagen, wie viele Punkte wir am Ende bis Weihnachten holen werden, aber wir wollen das Maximum und werden alles dafür geben.

bundesliga.de: Welche Ziele haben Sie persönlich mit dem VfL bis zum Ende der Saison. Abstiegskampf ist sicherlich nicht, oder?

Origi: Persönlich möchte ich mich natürlich weiterentwickeln. Immer einen Schritt weitergehen. Ich merke, dass ich immer besser werde. Für mich ist es positiv, dass ich meine bisherigen vier Tore aus unterschiedlichen Positionen erzielt habe. Des Weiteren möchte ich einfach ein wichtiger Teil des Teams sein. Ich merke, dass der Teamspirit immer besser wird und wir als auch Mannschaft immer mehr an uns glauben.

"Mir gefällt die Seele der Liga, der Fußball wird hier gelebt, es gibt fantastische Fans und tolle Stadien."

bundesliga.de: Sie sind erst 22 Jahre alt und haben schon in drei europäischen Topligen gespielt (Frankreich, England, Deutschland). Können Sie die Ligen mal charakterisieren? Wo steht die Bundesliga?

Origi: In Frankreich steht das Technische etwas mehr im Vordergrund als in der Bundesliga. Hier in Deutschland wird mehr attackiert, es geht etwas physischer zu und es gibt jede Menge Stars in der Liga. In England ist es noch etwas physischer als in Deutschland und auch in England gibt es natürlich eine Menge hochkarätiger Spieler. Es sind drei Topligen und ich bin froh, im Moment in Deutschland zu spielen. Von der Bundesliga bin ich positiv überrascht.

bundesliga.de: In wie fern sind Sie positiv überrascht von der Bundesliga?

Origi: Ich will es mal so ausdrücken: Mir gefällt die Seele der Liga, der Fußball wird hier gelebt, es gibt fantastische Fans und tolle Stadien. Die Atmosphäre ist einzigartig. Die Liga ist total gut organisiert. Das hat mich schon alles sehr beeindruckt.

bundesliga.de: Sie tragen beim VfL die Rückennummer 14, die hat auch ihr Landsmann Kevin de Bruyne hier getragen. War es Absicht seine Nummer zu nehmen?

Origi: Eigentlich ist meine Lieblingsnummer die 27, aber die war beim VfL schon besetzt (Anm. d. Red.: Maximilian Arnold trägt die 27), genauso wie die 17 (Uduokhai) und die 7 (Ntep). Dann hat der Verein mir die 14 angeboten. Sie haben mir aber erst später gesagt, dass es die Nummer von Kevin de Bruyne war. Kevin ist natürlich ein völlig anderer Spieler als ich, aber es ist gutes Gefühle, „seine“ Nummer tragen zu dürfen.

bundesliga.de: Der VfL hat Sie für eine Saison vom FC Liverpool ausgeliehen, würde Sie aber eventuell auch noch länger halten wollen. Können Sie sich vorstellen auch in der kommenden Saison in Wolfsburg zu spielen?

Origi: Ja, klar. Im Fußball kann alles passieren. Es ist unter den Vereinen vereinbart, dass die Leihe am Ende der Saison ausläuft. Dann werde ich nach Liverpool zurückkehren, denn ich habe zu dem Verein und auch mit dem Fans ein gutes Verhältnis. Aber wie gesagt, man weiß nie, was passiert. Momentan bin ich sehr glücklich in Wolfsburg und ich entwickle mich gut. Es passt gerade.

Das Interview führte Alexander Barklage