Köln - Zum 56. Mal kommt es in der Bundesliga zum rheinischen Derby zwischen dem 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen (ab 15:00 Uhr im Liveticker). Für beide Vereine spielte der gebürtige Kölner Dirk Lottner, der nach einer Saison bei der Werkself (1997/98) über den Rhein zum FC wechselte, wo er als Mannschaftskapitän fünf Jahre lang zu den absoluten Publikumslieblingen gehörte.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der heute 43-Jährige über das Nachbarschaftsduell, das bisherige Abschneiden seiner Ex-Vereine und die herausragenden Spieler.

bundesliga.de: Herr Lottner, Sie haben sowohl für Bayer 04 Leverkusen als auch für den 1. FC Köln das Derby gespielt. Wie gehen die Vereine das Derby an?

Dirk Lottner: Grundsätzlich ist es ein schon kein normales Bundesliga-Spiel, es hat aber auch nicht den Stellenwert der Derbys zwischen Köln und Borussia Mönchengladbach oder Köln und Fortuna Düsseldorf. Das liegt an der Rivalität der Fans untereinander. Diese Derbys werden im Vorfeld auch anders gepusht.

"Höheres Potenzial auf Leverkusener Seite"

bundesliga.de: Was erwarten Sie vom Spiel am Samstag?

Lottner: Ich hoffe für den FC, dass er eine gute Tagesform erwischt und er, wie in fast allen Spielen in dieser Saison, eine Chance hat. Grundsätzlich liegt das deutlich höhere Potenzial auf Leverkusener Seite. Diese Mannschaft hat auch im Moment einen sehr guten Lauf. Und wenn diese Truppe ins Rollen kommt und ihr Spiel aufziehen kann, wird es sehr schwer für den FC zu punkten.

bundesliga.de: Der 1. FC Köln hat immerhin seit sieben Heimspielen nicht mehr verloren und fleißig gepunktet. Hat sich die Mannschaft nun die nötige Sicherheit auch in den Heimspielen geholt?

Lottner: Es gab am Anfang der Saison gerade in den Heimspielen mit Sicherheit eine Zeit, in der es sehr zäh lief und langatmig war. Der FC hatte Probleme, das Spiel weiter nach vorne zu verlagern. Andererseits haben die vielen Unentschieden in diesen Spielen der Mannschaft auch Stabilität gegeben. Auch diese Spiele haben dazu beigetragen, dass der FC sich relativ gesichert im Mittelfeld der Tabelle befindet.

bundesliga.de: Wie ist die Saison von beiden Vereinen bislang zu bewerten?

Lottner: Sehr positiv. Bayer 04 Leverkusen hatte zwischendurch einmal einen kleinen Hänger, aber das ist lange vorbei. Der FC hat es immer verstanden, dann zu punkten, wenn aufgrund der Tabellensituation etwas Druck aufkam. Beide Mannschaften können mit dem, was sie bis jetzt erreicht haben, zufrieden sein. Aber beide Teams sind auch noch nicht am Ziel angekommen.

"Das Kollektiv sticht hervor"

bundesliga.de:Aus Kölner Sicht gestaltet sich die Tabelle derzeit so kurios, dass die Mannschaft nur vier Punkte von Platz 7 und der möglichen Europa League trennen, sie aber bereits sieben Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz hat (Tabelle). Guckt da ein Spieler auch einmal genauer hin und schaut, was in Sachen Europa noch möglich sein könnte?

Lottner:
Nein, das glaube ich definitiv nicht. Zum einen weiß die Mannschaft ganz genau, was sie noch für schwere Spiele gegen Leverkusen, Schalke oder Wolfsburg vor der Brust hat. Zum anderen sind sich Trainer und Vereinsführung der Situation bewusst, dass sie das Umfeld ruhig halten müssen und das entsprechend nach außen darstellen. Das sollte kein Thema sein.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die Chancen der Werkself im Fernduell mit Mönchengladbach um Platz 3 ein?

Lottner: Es wird ein ganz enger Kampf. Fakt ist, dass es wohl ein Zweikampf wird, weil die Schalker weit weg sind. Ich kann aber nicht vorhersagen, wer sich den 3. Platz schnappt.

bundesliga.de: Wenn Sie bei Köln und Leverkusen in dieser Saison einen Spieler besonders hervorheben sollen, wer fällt Ihnen spontan ein?

Lottner: Bei Köln muss man klar sagen, dass das Kollektiv hervorsticht. Es gibt auch vereinzelt Spieler, die noch ein bisschen herausragen. Aber da möchte ich niemanden hervorheben, weil die große Stärke des 1. FC Köln in dieser Saison die Mannschaft ist. Bayer Leverkusen hat herausragende Einzelspieler mit sehr viel individueller Qualität. Karim Bellarabi fällt mir jetzt mit seinem riesigen Laufpensum ein. Er ist jederzeit in der Lage, eine gegnerische Abwehrreihe durcheinanderzuwirbeln. Aber auch Leverkusen stünde nicht da oben, wenn das funktionierende Kollektiv nicht vorhanden wäre. Dadurch werden dann auch die Stärken einzelner Spieler noch einmal besonders deutlich.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski