Frankfurt - Ob er der erfolgreichste Trainer in der Geschichte von Eintracht Frankfurt war, ist Ansichtssache. Einer der erfolgreichsten aber war Dietrich Weise auf jeden Fall. Immerhin hat er zwei Titel mit der Eintracht gewonnen.

Am Freitag feiert der Fußballlehrer, der 1974 und 1975 mit der Eintracht zweimal hintereinander den DFB-Pokal gewann (3:1 n.V. gegen den Hamburger SV, 1:0 gegen den MSV Duisburg), seinen 80. Geburtstag. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gibt an diesem Tag im Neu-Isenburger Hotel "Wessinger" einen kleinen Empfang für den Jubilar.

Hölzenbein: "Habe Weise viel zu verdanken"

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Dietrich Weise steht für die große Zeit der Frankfurter mit großen Fußballern. In seinen Frankfurter Teams standen mit Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein und Karl-Heinz Körbel prägende Figuren einer sportlich erfolgreichen Ära. "Ihm habe ich viel zu verdanken", sagt etwa Weltmeister Bernd Hölzenbein, der noch heute als Chefscout für die Frankfurter arbeitet, "unter Dietrich Weise hatte ich meine beste Zeit als Fußballer."

Hölzenbein beschreibt den Trainer Weise vor allem als den Menschen Weise. "Er ist immer ruhig geblieben, egal wie schwierig eine Situation auch war", erinnert sich Hölzenbein, "er hat die Spieler stark geredet, er hat uns allen Selbstvertrauen vermittelt." Gerade für ihn selbst sei dies prägend gewesen, "denn ich war ja nicht der wirklich selbstbewusste Typ." Hölzenbein und die anderen Eintracht-Stars aus diesen goldenen Zeiten hatten viele gute und prominente Trainer, unter anderen damals auch den Ungarn Gyula Lorant, später Dettmar Cramer, früher Erich Ribbeck. Weise aber ist ihm unvergessen. "Mit jedem Trainer hatte man mal irgendwann Knatsch", erinnert sich Hölzenbein, "mit Dietrich Weise gab’s das nie." Auch wenn der Kontakt in diesen Zeiten nicht regelmäßig sei, bezeichnet der Weltmeister Hölzenbein seinen ehemaligen Trainer als "guten Freund."

Körbel: "Weise war seiner Zeit weit voraus"

Karl-Heinz Körbel hebt eine ganz andere Facette seines ehemaligen Trainers heraus. "Dietrich Weise war seiner Zeit weit voraus", sagt der Bundesliga-Rekordspieler, "er war Trainer und Manager in einer Person, hat nicht nur die Mannschaft, sondern auch alles drum herum gemanagt." Weise habe etwa schon 1975 zur Verwunderung der Stars ein "Lauftrainingslager" eingeführt. "Wir hatten keine Fußbälle dabei, nur Medizinbälle, wir haben unter Obstbäumen in Oberursel gymnastische Übungen gemacht", erinnert sich Körbel, "der Trainer hat damals schon auf die Fitness großen Wert gelegt." Heute seien solche Lauftrainingslager normal, in den Siebzigern war es fast revolutionär.

Unter Weises Führung habe die Eintracht bedingungslosen Offensivfußball gespielt. "Das war unsere Strategie", sagt Körbel. Weise sei zu seiner Zeit ein Vorreiter gewesen, "er war damals was Per Guardiola heute ist." Sein Verhältnis zum Trainer sei ein ganz persönliches gewesen. "Es war wie Vater und Sohn und das hat sich bis heute nicht geändert", sagt der bald 60 Jahre alte Charly Körbel.

Welt- und Europameister mit Nachwuchsteams

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Dietrich Weise werden genau diese Worte freuen. Die Menschlichkeit im Profigeschäft war immer Inhalt seiner Arbeit, die er in der Bundesliga für drei Clubs verrichtete. Beim 1. FC Kaiserslautern hat er zweimal gearbeitet (1967 bis 1973 und noch einmal 1983), genauso bei der Eintracht (1973 bis 1976 und 1983 bis 1986), dazu zwei Jahre für Fortuna Düsseldorf, von 1976 bis 1978. Der Blick für Talente und die Förderung von Spielern, deren Talent er einmal erkannt hatte, gehört zu den großen Qualitäten des im ostdeutsche Gröben am 21. November 1934 geborenen "Fußball-Weisen" wie ihn einst die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) bezeichnet hat.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) machte sich Weises Weisheit für fünf Jahre zunutze. Von 1978 bis 1983 war er verantwortlich  für die U18- und U20- Nationalmannschaften. Und feierte Riesenerfolge. Mit der U18 wurde er Europameister, mit der U20 gar Weltmeister.

Erfolgreich auch im Ausland

Weise war immer Freund der Spieler, er war immer auch loyal gegenüber seinen Arbeitgebern. Aber er konnte auch konsequent sein. So bei seiner Trennung von der Eintracht 1986. Der Club hatte geplant, den damals noch aktiven Spieler Wolfgang Kraus am Ende der Saison zum Manager zu befördern. Weise erfuhr von diesen Plänen aus der Zeitung, war wenig amüsiert, sprach von "schlechtem Stil". Kraus teilte er daraufhin mit, dass er ihn in der Rückrunde nicht mehr benötige. Diese Maßnahme führte zum Bruch mit dem Präsidium, schließlich zur Entlassung des Trainers, seiner ersten in der Bundesliga.  

Noch erfolgreicher als in Frankfurt, Düsseldorf (Erreichen des Pokalfinales) oder Kaiserslautern (ebenfalls Pokalfinalist) aber war Weise im Herbst seiner Karriere, als es ihn ins Ausland zog. Von 1987 bis 1989 trainierte er die ägyptische Spitzenmannschaft Al Ahly Kairo, wurde 1989 Meister und Pokalsieger und gewann den Asien-Cup. Noch heute genießt er in Ägypten großes Ansehen. 1990 wurde er dann erster Nationaltrainer Liechtensteins. Sechs Jahre betreute er nicht nur die Nationalmannschaft des Fürstentums, sondern versuchte auch mit viel Akribie und Einsatz Strukturen im Verband und im Jugendfußball aufzubauen.

Dietrich Weise lebt heute in Heilbronn, hat sich von einem vor eineinhalb Jahren erlittenen Herzinfarkt gut erholt.    

Josef Schmitt