Im fernen Tokio fiebern die Mitglieder des "FC Bayern Tokyo Fanclub" regelmäßig mit dem deutschen Rekordmeister
Im fernen Tokio fiebern die Mitglieder des "FC Bayern Tokyo Fanclub" regelmäßig mit dem deutschen Rekordmeister
Bundesliga

"Dieses Leiden ist zu ertragen"

Müncheen - Der FC Bayern München ist auch für japanische Fans "der" Begriff des deutschen Fußballs, zumindest seit die Bundesliga in den Siebziger und Achtziger Jahren im Free-TV im Raum Tokio zu sehen war. Im Jahre 2013 freuen sich auch viele Fußballfans im Land des Asienmeisters über den beeindruckenden Meisterschaftsgewinn der Münchner und auf das mögliche "Triple".

70 Mitglieder kämpfen mit der Zeitverschiebung

Kanako Mori ist einer davon. Vor Jahren schrieb die freiberufliche Desktop-Publishing-Designerin aus Tokio zuerst auf ihrem privaten Blog über ihre Liebe zum FCB und zur deutschen Nationalmannschaft. Immer mehr Fans meldeten sich im Internet und schrieben leidenschaftlich zurück, was die heute 41-Jährige zur Gründung eines Fanclubs motivierte. "Diese Japaner haben bis dahin individuell und heimlich den Bayern die Daumen gedrückt. Ich fand's viel zu schade", sagt Mori. 2008 wurde dann der "FC Bayern Tokyo Fanclub" gegründet, ein Jahr später folgte die offizielle Anerkennung durch den Münchner Verein.



Mittlerweile hat der Fanclub etwa siebzig Mitglieder. Der Älteste ist über sechzig Jahre alt, und immer noch sehr stolz darauf, damals in den Siebziger Jahren Franz Beckenbauer als aktiven Bayern-Spieler in einem Freundschaftsspiel in Japan erlebt zu haben. Der Jüngste ist Jahrgang 1992. "Wie David Alaba", lächelt die Vorsitzende Mori.

Das größte Problem des Fanclubs ist die Zeitverschiebung. Ein Umstand, den nicht nur die Fans in Japan, sondern auf allen anderen Kontinenten außer Europa und Afrika teilen. In Japan ist die Zeit im Winter acht Stunden voraus, das heißt, ein 15:30 Uhr-Bundesligaspiel beginnt um 23:30 Uhr, das samstägliche Topspiel um 18:30 Uhr wird um 2:30 Uhr in der Nacht auf Sonntag angepfiffen.

Zu dieser Uhrzeit sind auch in Tokio sind die meisten Sportsbars nicht mehr geöffnet, da die U-Bahnen nicht mehr fahren. Mori: "Auch wenn wir so gerne würden, können wir deshalb nicht jedes Wochenende gemeinsam die Spiele erleben. Aber wir versuchen, uns mindestens einmal im Monat zu treffen, um eine aufgenommene Sendung zu schauen."

Durch dick und dünn



Trotz der BVB-Triumphe der letzten zwei Jahre, zu denen zwar ihr Landsmann und absoluter Fußballstar Shinji Kagawa zu nicht unwesentlichem Teil beigetragen hatte, ist die Liebe der FCB-Fans aus Tokio beim FC Bayern geblieben. Die Freude über den Meisterschaftsgewinn ist sogar größer, genauso wie bei den Fans in Deutschland.

"Die Saison 2010/11 und 2011/12 sind einfach aus meinem Gedächtnis gestrichen", "das Leiden der letzten zwei Jahre war wohl ein Leiden vor der Geburt einer goldenen Ära - die nun hoffentlich länger dauert", "Mia san mia! Alle Spieler sind Fußballgötter! Diese Bayern sind das stärkste Fußballteam aller Zeiten! Aaaaa ich will auf dem Marienplatz zusammen feiern…", "Jetzt gewinnen wir auch CL! Auch Pokal! Also Triple", schreiben die Mitglieder an Mori, die fleißig auch die Facebook-Seite des Fanclubs pflegt.

Leiden fürs Finale



"Bisher kenne ich aber leider nur ein Mitglied, das zum CL-Finale in Wembley fährt", erzählt die Vorsitzende mit großem Verständnis. Nicht nur die Tickets, die von Reisegesellschaften angeboten werden, sondern die Flüge sind teuer. Außerdem ist es für japanische Arbeitnehmer traditionell sehr schwierig, Urlaub zu nehmen.

Aber ein Mitglied schrieb typisch japanisch: "Ich habe weder Ticket noch Reise gebucht, will aber das Finale unbedingt live in Wembley erleben. Dafür arbeite ich im Moment fieberhaft - sowohl organisatorisch am Arbeitsplatz als auch finanziell. Es tut richtig weh, aber dieses Leiden sind zu ertragen, denn das ist für unseren FCB!"

Yuko Kimura