Nach dem Schlusspfiff geriet das Spiel zur Nebensache. Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen hatten sich 1:1 getrennt, doch die Aufmerksamkeit des ganzen Stadions gehörte einem einzigen Spieler: Oliver Neuville.

Der 69-fache deutsche Nationalspieler ging auf seine ganz persönliche Ehrenrunde und wurde von den Fans beider Teams, für die er zusammen elf Jahre lang auf Torejagd gegangen war, frenetisch gefeiert. Nach 334 Bundesliga-Spielen und 91 Toren muss aber noch nicht Schluss sein. Vielleicht hängt der 37-jährige Publikumsliebling bei einem Club der 2. Bundesliga oder 3. Liga noch ein Jahr dran.

"Immer für ein oder zwei Highlights im Spiel gut"

"Olli hat die Saison über dazu beigetragen, dass das Team funktioniert hat", lobte Borussia-Trainer Michael Frontzeck seinen Stürmer: "Er hat sich vorbildlich verhalten, gerade in schwierigen Situationen. So war es für mich nie eine Frage, dass ich ihm seinen verdienten Abschied gebe. Im Übrigen war das kein Gnadenbrot von mir und ich musste ihn auch nicht mit dem Rollstuhl aufs Feld fahren. Olli ist immer für ein oder zwei Highlights im Spiel gut, das hat er wieder bewiesen."

Nach dem Spiel gewährte Oliver Neuville einen Einblick in seine Gefühlswelt.

Frage: Herr Neuville, sind ein paar Tränen geflossen?

Oliver Neuville: Ja, das ist normal. Ein besseres Abschiedsspiel hätte ich mir nicht vorstellen können. Ich habe fünf Jahre in Leverkusen gespielt, sechs Jahre in Gladbach. Das war sensationell. Diesen Moment werde ich sicher niemals vergessen.

Frage: Welche Fans haben Sie mehr gefeiert, die von Borussia oder von Bayer?

Neuville: Das konnte ich nicht unterscheiden. Es war sehr emotional und ist schwer in Worte zu fassen. Es war sehr schön, auch von den Leverkusener Fans gefeiert zu werden. Die fünf Jahre waren ja auch eine sehr erfolgreiche Zeit, z.B. mit dem Erreichen des Champions-League-Finales. Fast wären wir Meister geworden. Das haben sie nicht vergessen.

Frage: Wie ordnen Sie dieses Spiel von den Emotionen her ein? Kann man das mit einem WM-Finale vergleichen?

Neuville: Das kann man nicht vergleichen. Mein letztes Spiel heute war etwas Besonderes. Es ist aber natürlich auch toll, wenn man das Finale bei einer Weltmeisterschaft oder in der Champions League erreicht.

Frage: Fast wäre Ihnen sogar noch ein Tor gelungen.

Neuville: Ja, aber der Ball war leider etwas schneller als ich. Man kann nicht alles haben. Aber der Punkt gegen Leverkusen war okay. Einmal habe ich noch dem Marco Reus einen Ball aufgelegt. Leider hat er ihn nicht so gut getroffen, aber das kann passieren.

Frage: Ist noch ein "richtiges" Abschiedsspiel geplant?

Neuville: Das weiß ich noch nicht. Aber besser als heute kann es eigentlich nicht mehr werden.

Frage: Was war nach dem Spiel in der Kabine los?

Neuville: Ich habe ein Geschenk gekriegt, ein Paar Schuhe, ein Trikot. Nicht nur ich, sondern auch Roberto Colautti, Thomas Kleine und Moses Lamidi wurden verabschiedet.

Frage: War das jetzt Ihr letztes Spiel als Fußballprofi?

Neuville: Für Mönchengladbach leider ja. Ich weiß noch nicht genau, ob ich weitermache. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann kann ich mir das im Moment eigentlich nicht vorstellen, dass das mein letztes Spiel war.

Frage: Was ist, wenn der 1. FC Köln anfragt?

Neuville: Dann höre ich lieber auf.

Frage: Falls Sie Ihre Karriere beenden: Was kommt danach?

Neuville: Darüber habe ich mir noch keine genauen Gedanken gemacht. Aber rund um den Fußball würde ich schon gerne weiter etwas machen.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski