München - Guido Buchwald, Weltmeister von 1990, spielte während seiner Karriere für die Stuttgarter Kickers, den VfB Stuttgart und den Karlsruher SC. Außerdem war er Spieler und später auch Trainer bei Urawa Red Diamonds in der japanischen J. League.

Im exklusiven Interview mit bundesliga.de erklärt er, was man von den asiatischen Neuzugängen erwarten kann, wo der VfB am Saisonende landen wird und verrät, ob er dem FC Bayern München nach dem Saisonauftakt einen Durchmarsch zutraut.

bundesliga.de: Herr Buchwald, gleich vier Vereine haben zur neuen Saison mit Shinji Kagawa (Borussia Dortmund), Atsuto Uchida (FC Schalke 04), Chong Tese (VfL Bochum) und Takahito Soma (FC Energie Cottbus) asiatische Profis verpflichtet, die sogar gute Chancen auf einen Stammplatz haben. Sie kennen ja besonders die J. League, was kann man von diesen Spielern erwarten?

Guido Buchwald: Ich bin überzeugt davon, dass diese Spieler der Bundesliga gut tun werden. Sie sind technisch stark, schnell und spielen einen etwas anderen Fußball. Die Spieler kommen vor allem in die Bundesliga, um zu lernen, verfügen aber schon jetzt über eine unheimlich hohe Qualität. Das werden sie auch schnell unter Beweis stellen beziehungsweise haben es teilweise ja auch schon gezeigt.

bundesliga.de: Was genau meinen Sie damit, dass sie einen "anderen Fußball" spielen?

Buchwald: Asiatische Mannschaften spielen einfach ein bisschen anders, auch im taktischen Bereich. Sie versuchen, das Tempo immer hoch zu halten. Es gibt also keine großen Tempowechsel, sondern sie versuchen, von der ersten bis zur letzten Minute immer ein Tor zu erzielen. Deshalb ist solch ein Spieler unheimlich positiv für eine Mannschaft. Sie sind sehr "willig", wollen unheimlich viel leisten und das macht es auch für einen Trainer angenehm, mit diesen Spielern zu arbeiten. Asiatische Profis lernen also nicht nur von der Bundesliga, sondern man kann auch von ihnen Einiges lernen.

bundesliga.de: Woran liegt es wohl, dass die asiatischen Spieler gerade jetzt in den Fokus gerückt sind?

Buchwald: Man hat ja auch zur WM gesehen, dass die asiatischen Vereine zu sehr guten Leistungen fähig sind und sehr gute Einzelspieler haben. Durch solche großen Turniere kommt man automatisch in den Fokus. Und diese Spieler sind auch noch relativ günstig. Da kann es schon vorkommen, dass Vereine sich dort umschauen und das Scouting auch bis Asien ausweiten.

bundesliga.de: Ihr ehemaliger Verein VfB Stuttgart ist ja mit der 0:2-Niederlage beim 1. FSV Mainz und der 1:3-Heimpleite gegen Dortmund eher schwach in die Saison gestartet. Auch die vergangene Spielzeit begann mäßig, am Ende standen sie allerdings auf dem 6. Platz. Was ist also in dieser Saison noch drin?

Buchwald: Das ist in der Frühphase einer Saison schwer zu sagen. Natürlich waren die Niederlagen und die Art und Weise, wie der VfB verloren hat, sehr ärgerlich und die Mannschaft hat noch nicht ihre Form gefunden. Aber ich bin davon überzeugt, dass der VfB sehr schnell wieder besser spielen wird. Der VfB Stuttgart wird unter die ersten fünf der Tabelle kommen.

bundesliga.de: Der FC Bayern ist der große Favorit auf den Meistertitel. Gelingt den Münchenern jetzt, wo alle Spieler das "System Louis van Gaal" verinnerlicht haben, der Durchmarsch?

Buchwald: Das wird kein Selbstläufer für die Bayern. Sie haben sicherlich die höchste Qualität, die besten Spieler und sind jetzt auch gut eingespielt, aber die Belastung durch Nationalmannschafts- und Champions-League-Spiele wird sich schon bemerkbar machen. Vielleicht kann die tolle WM die Spieler leistungsmäßig noch eine Weile tragen. Ich bin gespannt, ob die Spieler noch einmal so eine Saison durchspielen können wie die vergangene. Ich glaube schon, dass es Spiele gibt, in denen einige Spieler körperlich nicht gut drauf sein werden und dass diese Spiel dann auch verloren werden können.

Das Gespräch führte Isabell Groß