München - Senkrechtstarter Peniel Mlapa sollte eigentlich ein bis zwei Jahre reifen und dann Stammspieler werden. Nach dem Ausfall von Chinedu Obasi und Demba Ba könnte es jetzt aber rasch gehen - der Deutsch-Togolese gilt plötzlich als Hoffenheims Sturmhoffnung.

Was Peniel Kokou Mlapa an seinem zweiten Arbeitsplatz zu tun hat, kann er noch nicht recht benennen. "Ich habe auf alle Fälle einen weißen Kittel an", erzählte er Ende Juli der "Heilbronner Stimme". Was er an seinem eigentlichen Arbeitsplatz zu tun hat, weiß Mlapa dagegen genau: Tore schießen. Weil die Vorbereitung mit 1899 Hoffenheim so intensiv war, verbrachte der Stürmer mehr Zeit auf dem Fußballfeld als im Krankenhaus, seiner Dienststelle als Zivildienstleistender.

Er weiß, wo das Tor steht

Das wird ihm dort aber niemand übel nehmen. Mlapa, der vor der Saison vom TSV 1860 München in den Kraichgau wechselte, gilt als 19 Jahre altes Riesentalent und plötzlich auch als Hoffenheims Sturmhoffnung für den Ligauftakt gegen Bremen. Nach der Schienbeinfraktur von Chinedu Obasi herrscht auf dieser Position Bedarf - und Mlapa überzeugte in den Testspielen und im Pokal. So traf er gegen Bammental aus 25 Metern ins Tor, das 3:0 gegen den israelischen Erstligisten Hapoel Ramat Gan erzielte er mit einem Schlenzer ins rechte untere Eck. Und im Pokalspiel bei Hansa präsentierte er sich abgebrüht als er nach Ibisevic-Vorarbeit eiskalt verwandelte.

Dass er weiß, wo das Tor steht, hat er bei den "Löwen" nicht nur in der Jugend, sondern auch in seiner ersten Profisaison gezeigt. In der vergangenen Runde erzielte er sechs Ligatore in 21 Spielen und war damit neben Benny Lauth zweiterfolgreichster Torschütze der "Blauen". Lauth brauchte dafür allerdings 30 Spiele.

Geboren in Lomé - wie Adebayor

Geboren wurde "Pennie" in Lomé in Togo. Mit drei Jahren kam er nach Deutschland. Auf die starken Leistungen folge im November 2009 eine Einladung der togolesischen Nationalmannschaft - Mlapa schlug aus. "Natürlich habe ich mich darüber sehr gefreut", sagte er. Allerdings wolle er noch abwarten: "Im Augenblick sehe ich mich in der deutschen U 19." Betrachtet man die bisherige Karriere im Schnelldurchlauf, dann würde es nicht wundern, wenn Mlapa in einigen Jahren sagte: "Ich sehe mich in der deutschen A-Nationalmannschaft."

Vor seinem Wechsel von München nach Hoffenheim waren daher Clubs aus England und Italien an ihm interessiert, wie 1860-Sportdirektor Miki Stevic der Münchener "tz" bestätigte. "Es waren Scouts bei uns, denen lief sogar die Spucke aus dem Mund", behauptete der ehemalige 1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers laut Münchener "Abendzeitung" vor dem Wechsel nach Hoffenheim. In Italien titelten Zeitungen gar: "Der neue Emanuel Adebayor" - der Weltstar von Manchester City ist togolesischer Nationalspieler und Mlapas erklärtes Idol, wurde wie er in Lomé geboren.

Im September bekommt Mlapa die "Fritz-Walter-Medaille" in Gold vom DFB verliehen, eine Auszeichnung für "herausragende Leistungen" eines Jugendspielers. "Mit seinen Leistungen auf und außerhalb des Platzes sowie durch seine spielerischen wie menschlichen Qualitäten hat er die fachkundige Jury in vollem Maße überzeugt", urteilte die Jury über den fröhlichen und immer zu Scherzen aufgelegten Bundesligaprofi. Hoffenheims Manager Ernst Tanner wird es freuen - er kennt den Mittelstürmer aus seiner Zeit bei den "Löwen", wo er bis 2009 für den Nachwuchs zuständig war.

"Ein sehr guter Junge mit guten Qualitäten"

Buchstäblich überragend war Mlapa schon als Siebenjähriger, als er vom FC Unterföhring an die Grünwalder Straße wechselte: Er war meist einen Kopf größer als seine Mitspieler. Heute misst er 1,95 Meter. Das ist allerdings keine Garantie für Kopfballtore: "Im Kopfball muss ich besser werden und insgesamt noch robuster", erzählte der Profi im April 2009. Auch sein Trainer sieht Steigerungspotentiale, vor allem im "technischen Verhalten" und im "Stehvermögen".

Sein ehemaliger Coach Ewald Lienen, der Mlapa nach nur drei Spielen bei der U 23 zu den Profis holte, kritisierte nach einem Match gegen Rot-Weiß Oberhausen das Defensivverhalten des Nachwuchsstürmers. Auch Tanner nahm ihn in die Pflicht: "Peniel Mlapa ist nah dran. Doch es ist klar, dass auch er noch einen Schritt nach vorne machen muss." Der so Beschriebene selbst zeigt sich in seinen Aussagen stets lernwillig. Auf die Kritik Lienens antwortete er beispielsweise: "Er hat Recht, nach hinten muss ich mehr tun."

Weil er allerdings wendig ist und dynamisch, schnell, präsent auf dem Platz und mit einem strammen Schuss gesegnet, ist er derzeit der heißeste Anwärter auf den Posten neben Vedad Ibisevic. Der ist vom jungen Kollegen begeistert. "Peniel ist groß, schnell und hat eine gute Technik", sagte Ibisevic in der "Bild". "Es macht Spaß, mit ihm zu spielen. Er ist ein sehr guter Junge mit guten Qualitäten. Ich werde ihm helfen und hoffe, dass er uns mit seiner Spielweise hilft." Und Rangnick gefällt nicht nur der Körperbau des Profis. "Er macht einen sehr aufgeweckten Eindruck", meinte der Coach.

Vom Balljungen zum Bundesligaprofi

Noch heute erinnert sich Mlapa an ein UEFA-Cup-Spiel der "Löwen" gegen den AC Parma im Jahr 2000. Er war damals neun Jahre alt und Balljunge im Olympiastadion: "Da durfte ich an der Hand von Marcio Amoroso einlaufen." Später erzielte Amoroso 28 Tore in 59 Bundesligaspielen für Borussia Dortmund.

Ob Peniel Mlapa solche Quoten auch irgendwann erreicht? Trotz bester Voraussetzungen weiß niemand, wie erfolgreich seine Karriere wirklich verlaufen wird. Vielleicht rückt er nach der Genesung von Obasi ja zunächst wieder ins zweite Glied. Aber den ersten Schritt, den kann er jetzt in der Bundesliga machen - und im Krankenhaus davon erzählen.

Peter Seiffert