Stuttgart - Fünf Siege in Serie, Platz zwei, der VfL Wolfsburg ist derzeit nicht zu stoppen. Auch das 4:0 in Stuttgart war beeindruckend. Woran aber genau liegt der Wolfsburger Aufschwung? Eine Spurensuche.

Da hatte jemand am Samstagabend in den Katakomben des Stuttgarter Stadions richtig gute Laune. Klaus Allofs, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, war die Freude über die zuvor so beeindruckende Leistung seiner Mannschaft deutlich anzumerken. "Normalerweise finde ich das Haar in der Suppe, aber heute war es richtig gut", sagte er nach dem souveränen 4:0-Erfolg der Wölfe beim VfB. "Die Mannschaft macht einen souveränen Eindruck und ich sehe eine Entwicklung. Wir machen Fortschritte." In der Tat haben die Wolfsburger in den vergangenen Wochen einen aufsehenerregenden Siegeszug hingelegt und sich so im Spitzenfeld der Bundesliga etabliert.

Personalpolitik trägt Früchte

Fünf Mal drei Punkte in den letzten fünf Partien – das hatten die Niedersachen in den letzten fünf Spielzeiten nicht geschafft. 20 Punkte nach zehn Spieltagen – nur ein Mal war der VfB besser, 2004/05 waren es sogar 21 Zähler. Alles Indizien dafür, dass die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking mittlerweile eine beeindruckende Stabilität gewonnen haben.

Das liegt auch daran, dass sich aus einer Ansammlung von Spitzenspielern eine funktionierende Gemeinschaft herausgebildet hat. Das weiß auch Allofs: "Wir haben eine Gruppe zusammen, mit der wir sehr gut arbeiten können. Das macht mir Hoffnung für die Zukunft." Die Hoffnung ist mehr als berechtigt. Das bestätigten auch die Aussagen von Stuttgarts Trainer Armin Veh auf der Pressekonferenz (weitere Stimmen zum Spiel), der den Verantwortlichen der Wolfsburger eine exzellente Personalpolitik bescheinigte. "Die Wolfsburger haben vor der Saison ganz gezielt einige gute Leute geholt, die sie vor allem in der Spitze besser machen."

Puzzlestücke passen zusammen

Die einzelnen Puzzlestücke passen zusammen in Wolfsburg. Akteure wie allen voran Kevin de Bruyne, aber auch Diego Benaglio, Luiz Gustavo oder Ivan Perisic zeigten am Samstagnachmittag im Schwabenland herausragende Vorstellungen. Der Belgier De Bruyne war über die 90 Minuten von seinen Stuttgarter Gegenspielern nie zu stoppen und nahezu an jedem gefährlichen Angriff beteiligt. "Jeder macht hier einen guten Job", verteilte er im Gespräch mit bundesliga.de dann auch artig Komplimente, klar ist aber auch, dass ein Spieler wie er den Unterschied ausmacht.

Das belegt auch die Statistik. Mit insgesamt sieben Torvorlagen ist de Bruyne der Topvorbereiter der Liga. Aber auch in allen anderen Mannschaftsteilen passt es derzeit bei der Hecking-Truppe. Die Abwehr mit den beiden Manndeckern Naldo und Robin Knoche sowie den beiden Außenverteidigern Ricardo Rodriguez und Sebastian Jung gehört zur Elite der Liga. Ganz nebenbei: Sieben Treffer durch Abwehrleute (Naldo drei, Rodriguez drei, Knoche eins) sind Liga-Spitze. Aber auch in den anderen Mannschaftsteilen passt es. Die beiden Mittelfeldabräumer Gustavo und Neuzugang Joshua Guilavogui funktionieren hervorragend. Und vorne sorgen eben de Bruyne, Perisic oder der nimmermüde Ivica Olic für jede Menge Wirbel. Und im Tor? Seit Wochen zeigt dort Benaglio Weltklasse-Leistungen, auch gegen die zumindest zeitweise starken Stuttgarter.     

Noch keine Bayern-Jäger

Die Wolfsburger präsentieren derzeit auf dem grünen Rasen die perfekte Mischung aus erfahrenen Profis und vielversprechenden Talenten. Hinzu kommt eine Kaderbreite, die auch vor der Belastung von drei Wettbewerben nicht kapituliert. In Stuttgart saßen am Ende noch Maximilian Arnold, Junior Malanda und Bas Dost auf der Bank – das hat schon Qualität.    

Da wundert es nicht, dass die Bosse von Höherem träumen. Von "Bayern-Jäger" will Allofs derzeit zwar noch nichts wissen, eine "Einschränkung" der Ziele wollte er sich in Stuttgart aber auch nicht auferlegen. Sein Trainer war da am Samstagabend schon offensiver. Natürlich sei die Champions League ein Thema, so Hecking. Und sogar die Meisterschaft sei bei vier Punkten Rückstand auf die Bayern noch nicht weg, erklärte er im ZDF-Sportstudio. Mutige Aussagen, die angesichts der Leistungen der Wolfsburger keine Luftschlösser sind.      

Jens Fischer