Der Trainer wurde zum Fan: Mit glühenden Augen und roten Bäckchen dozierte Lorenz-Günther Köstner nach dem 2:1 (1:1, 0:1)-Erfolg seines VfL Wolfsburg nach Verlängerung über Rubin Kasan in der Europa League voller Freude über sein Team: "Ein Riesenkompliment an die ganze Mannschaft, wir haben uns aus dem Tal herausgespielt, klasse, toll, Sahnehäubchen."

Der 59-Jährige war ganz eindeutig stolz darauf, als erster Trainer die Niedersachsen in das Viertelfinale eines Europacup-Wettbewerbes geführt zu haben, in dem sie am 1. und 8. April zunächst auswärts auf den FC Fulham treffen. Dieses Verdienst bleibt ihm, auch wenn er zum Ende der Saison seinen Posten für einen "großen Namen" wieder räumen muss.

Köstner: "Martins hat das Spiel gedreht"

Köstner hatte ja auch vieles richtig gemacht. In der zweiten Halbzeit wechselte er nach dem 0:1-Rückstand durch Alan Kasaev (21. ) Obafemi Martins ein, der mit seinem Ausgleichstreffer (58.) und der Vorarbeit zum Siegtreffer von Christian Gentner (119.) eine Minute vor Ende der Verlängerung entscheidenden Anteil an dem Sieg hatte.

"Ich habe vorher ein Gespräch mit ihm geführt, dass ich ihn diesmal als Einwechselspieler mehr brauche", berichtete Köstner, "und er hat dann das Spiel gedreht."

Martins brachte mit seiner Schnelligkeit immer wieder Unruhe in die in der ersten Halbzeit sicher stehende Hintermannschaft von Kasan. Das war umso nötiger, weil Edin Dzeko und Zvejzdan Misimovic nicht so einen tollen Tag hatten. "Wir haben heute ein sehr großes Ziel erreicht", freute sich Martins, "wenn wir so weitermachen, werden wir noch sehr weit kommen."

Hoeneß verteilt "Riesenkompliment" an die Mannschaft

Acht Bundesligaspiele und mindestens zwei Europacup-Partien sitzt Köstner noch in verantwortlicher Position auf der Bank des VfL und genießt diese Zeit offenbar. Mit Sprechchören feierten die treuesten Fans auf der Nordtribüne den Coach, mit dem nach der Ablösung von Armin Veh Ende Januar die Wende gelang. Seit acht Pflichtspielen ist der Deutsche Meister ungeschlagen.

"Alle zusammen haben die Wende geschafft, dem gesamten Team gebührt ein Riesenkompliment", sagte Manager Dieter Hoeneß: "Im Moment machen alle sehr gute Arbeit, das war vor ein paar Wochen nicht so, und das ist ein Verdienst von Köstner."

Der blickte bereits nach dem Spiel kurz nach Mitternacht mit Spannung auf die Auslosung am Freitag. Ein bisschen "richtige" Europapokal-Stimmung will er in seinen verbleibenden Partien noch erleben. Ein Wunsch immerhin wurde zunächst erfüllt: "Es wäre schön, wenn wir nicht Hamburg bekommen würden", sagte Hoeneß vor der Auslosung. Das könnte allerdings im Halbfinale passieren, sollten sich die Hamburger gegen Standard Lüttich durchsetzen.