Augsburg - Der Hamburger SV zeigt derzeit viele Gesichter: Zuhause präsentiert der HSV das erfolgreiche mit zuletzt drei Spielen ohne Niederlage, auswärts hingegen das erfolglose mit drei Pleiten in Serie. Hinzu kommen die vielen neuen, jungen Gesichter, die Trainer Joe Zinnbauer regelmäßig aus dem Hut zaubert.

So wie Ronny Marcos. Der 21-Jährige feierte beim 1:3 in Augsburg sein Bundesliga-Debüt und war bereits der 27. Spieler, den der HSV in dieser Saison einsetzte - damit sind die Hanseaten ligaweit Spitzenreiter. Neben Marcos standen mit Mohamed Gouaida und Ashton Götz noch zwei weitere Jungprofis in der Startelf, die Zinnbauer zu Saisonbeginn noch in der U23 coachte.

"Zinnbauer hat ein klares Konstrukt"

Damals mit Erfolg. Zum Saisonstart in der Regionalliga Nord stürmte der HSV II mit einer Serie von neun Siegen an die Spitze. "Er ist ein Trainer, der nichts dem Zufall überlässt", erklärt Marcos. "Er plant alles von A bis Z durch und hat ein klares Konstrukt." Dass dabei die jungen Spieler immer wichtigere Bausteine werden, zeigt Zinnbauer Woche für Woche - allein der durchgängige Erfolg will sich noch nicht einstellen.

Marcos, der im Januar vom Drittligisten Hansa Rostock zum HSV wechselte, sieht es gelassen. "In der U23 haben wir in der Vorbereitung wochenlang Zeit gebraucht, bis es gegriffen hat. Aber dann haben wir durchweg Siege geholt. Es braucht einfach noch ein bisschen Zeit", beschwichtigt Marcos.

Wie es funktionieren kann, hat das Führungstor des HSV in Augsburg gezeigt. Ausgehend von Götz lief der Ball schnell und direkt über Gouaida und Rudnevs zu Rafael van der Vaart, der überlegt abschloss. In Halbzeit zwei zahlte mit Götz allerdings auch ein Youngster Lehrgeld. Zunächst ließ sich der 21-Jährige bei Raul Bobadillas Treffer von Vorbereiter Abdul Baba überlaufen, später verschuldete Götz den Elfmeter zum 1:3-Endstand.

Van der Vaart stärkt die Youngster

Dennoch nahm Kapitän van der Vaart die unerfahrenen Teamkollegen in Schutz. "Die Jungen haben überragend gespielt. Es tut mir nur leid, dass sie in solch einer Situation unter Druck spielen müssen. Es wäre einfacher, wenn wir auf Platz zehn wären", sagte der Niederländer und verteidigte Zinnbauers Weg: "Das ist mutig, aber der Trainer hat seine Gründe. Die Jungen bringen super Trainingsleistungen und deswegen haben sie gespielt."

Vor allem der gelernte Linksverteidiger Marcos lieferte im linken Mittelfeld eine engagierte Vorstellung ab. Mit 13,16 Kilometern und beeindruckenden 50 Sprints war der Mosambikaner der mit Abstand laufstärkste Spieler auf dem Rasen. Gut möglich, dass seinem ersten Bundesliga-Auftritt noch weitere folgen werden, auch wenn Marcos selbst noch tief stapelt. "Das war mein erstes Spiel", relativiert er. "Mich jetzt schon als Bundesligaspieler zu bezeichnen, wäre viel zu früh."

Marcos empfiehlt sich

Die Chancen auf weitere Einsätze stehen jedoch gut, zumal Marcos auf und abseits des Platzes einen bemerkenswert abgeklärten Eindruck macht. Ruhe, die dem HSV in den kommenden Wochen mit den richtungsweisenden Spielen gegen Mainz, Freiburg und Stuttgart gut zu Gesicht stehen würde.

Gegen den 1. FSV Mainz 05 setzt der Tabellenvorletzte am kommenden Sonntag jedenfalls voll und ganz auf seine Mini-Serie vor heimischem Publikum. "Für uns ist es wichtig, zuhause wieder zu punkten", betont van der Vaart. Wichtig auch für den Weg aus der Abstiegszone, denn mit einem Dreier könnte der HSV den Abstand auf den derzeitigen Tabellenzehnten aus Mainz auf einen Punkt reduzieren - und so für viele lachende Gesichter in Hamburg sorgen.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz