München - Auch vor dem Wechsel des größten deutschen Torjägers aller Zeiten stand der Zufall Pate und wieder blickten die Löwen in die Röhre. Eine unglaubliche Geschichte, wie sie nur in Zeiten vor dem Internet und dem Bezahl-Fernsehen möglich war.

Heute wäre es wohl undenkbar als aktiver Fußballer, Vereinsvertreter vom TSV 1860 und Bayern München zu verwechseln. 1964 ging das noch. Gerd Müller war schon als Jugendlicher ein Wunder und hatte 1962/63 für die A-Jugend des TSV Nördlingen 180 der 204 Saisontore erzielt. Beide Münchner Groß-Clubs zeigten Interesse, aber nur die Löwen machten an einem Sonntag im Frühjahr einen Termin. Müller wollte nicht zu den Löwen, weil er sich die Bundesliga nicht zutraute.

"Bomber der Nation" dank Zugverspätung

Entsprechend defensiv ging er in die Verhandlungen mit den "Herren aus München", wie sie ihm seine Mutter vorstellte, die in der Küche Platz nahmen. Erst nach einer Weile merkte er, dass Geschäftsführer Walter Fembeck und Peter Sorg vom noch zweitklassigen FC Bayern waren. Sie hatten vom Besuch der Löwen Wind bekommen und waren schneller. Müller wollte schon seine Mutter unterschreiben lassen - er war noch nicht volljährig - als 1860-Geschäftsführer Ludwig Maierböck ankam. Die Bayern wurden zur Hintertür hinauskomplimentiert und warteten in einem Restaurant, bis Müller den Löwen-Gesandten höflich abgespeist hatte.

Anschließend versuchte noch Nördlingens Vorstand den Wechsel zu verhindern. Für eine Ablösesumme von 5000 D-Mark wurden die Bedenken letztlich zerstreut - und so wurde Müller zum "Bomber der Nation". Im Bayern-Trikot schoss er in 14 Jahren 567 Pflichtspieltore und "wir würden uns heute noch in einem Holzhüttl umziehen, wenn der Gerd nicht gekommen wäre", glaubt nicht nur Franz Beckenbauer. Noch ein Zufall soll eine Rolle gespielt haben: Löwen-Geschäftsführer Maierböck kam mit der Bahn nach Nördlingen und soll mit der Verbindung Probleme gehabt haben, weshalb die motorisierten Bayern früher im Hause Müller waren.

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