Die Champions-League-Qualifikation ist schon sicher, der Meistertitel greifbar, doch der VfL Wolfsburg ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. "Wir wollen mehr und werden weiter angreifen", erklärt Wolfsburgs stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Stephan Grühsem. Im Interview spricht über die Zukunft des VfL, die bisherige Entwicklung und den Nachfolger von Felix Magath auf dem Trainerstuhl.

Frage: Herr Grühsem, der VfL Wolfsburg steht vor dem Gewinn der deutschen Meisterschaft und hat schon jetzt einen Platz in der Champions League sicher. Welche Bedeutung haben die Erfolge für den Club?

Stephan Grühsem: Es ist bei weitem der größte Erfolg in der Wolfsburger Sportgeschichte. Diese Saison ist eine Riesensache für den Club, das Unternehmen VW und vor allem die Menschen in und um Wolfsburg, gerade weil niemand damit rechnen konnte.

Frage: Worauf führen sie den Erfolg zurück?

Grühsem: Wir haben vor zwei Jahren begonnen, das Unternehmen VfL auf die richtige Bahn zu bringen - mit den richtigen Leuten und gezielten Investitionen. Der 5. Platz im letzten Jahr und das Erreichen des UEFA-Cups waren schon toll. Aber viele haben das für eine Eintagsfliege gehalten und bezweifelt, dass wir uns oben halten können. Es hat sich jetzt schon gezeigt, dass das Konzept funktioniert. Vom Titel konnte man dennoch höchstens träumen.

Frage: Mit dem radikalen Umbruch vor zwei Jahren sind sie aber auch ein Risiko eingegangen....

Grühsem: Ich finde, dass wir ein sehr begrenztes Risiko eingegangen sind. Wir waren 2006 und 2007 jeweils Tabellen-15. und standen kurz vor dem Abgrund. Wir sind damals alle Zeugen grausiger Spiele gewesen. Ganz ehrlich: Schlimmer hätte es ja nicht mehr kommen können. Allen war klar, dass wir die Sache anders anfassen mussten.

Frage: War die Machtkonzentration in den Händen von Felix Magath der Schlüssel zum Erfolg?

Grühsem: Es war der Versuch, einen neuen Weg zu beschreiten, und im Nachhinein hat sich das als ideale Lösung erwiesen. VW hat dabei die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geschaffen, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Denn ohne Geld geht nichts dauerhaft nach oben. Aber ebenso wichtig sind die richtigen Leute: der Trainer, das Management, die Spieler.

Frage: Wohin soll der Weg des VfL noch führen?

Grühsem: Wir sind dem formulierten Ziel, nach oben zu kommen und dort zu bleiben, inzwischen schon sehr nah gekommen. Aber deshalb flippen wir jetzt nicht gleich aus und bauen irgendwelche Luftschlösser. Natürlich wollen wir mehr. Und wir werden weiter angreifen. Aber all das immer auf einer realistischen Basis.

Frage: Wird VW sein Engagement weiter forcieren?

Grühsem: Wir müssen und werden weiter in die Mannschaft investieren, aber mit Augenmaß. Ich sage immer, die Idee zieht das Geld, und das heißt natürlich, dass für Qualität auch Geld da ist. Wir haben es immer so gehalten, dass wir uns erst die Spieler angesehen haben, die uns interessant erschienen, dann nach dem Preis gefragt haben, und schließlich überprüft haben, ob das machbar und sinnvoll ist.

Frage: Viele Leistungsträger haben sich langfristig an den Verein gebunden, andere wie Edin Dzeko zieren sich noch. Wie soll die Mannschaft der Zukunft aussehen?

Grühsem: Wir wollen einen Spieler wie Dzeko natürlich nicht abgeben, und werden mit allen Mitteln versuchen, ihn zu halten. Im Grunde soll der derzeitige Kader das Gerüst bilden, das dann punktuell verstärkt wird.

Frage: Wie wird die künftige sportliche Leitung aussehen und welche Kompetenzen wird sie haben?

Frage: Ich habe nie verstanden, warum es in den letzten Wochen immer hieß, nach Magath würde hier alles zerfallen. Das strukturelle Konzept steht, auch wenn es nicht 1:1 wie bisher beibehalten wird. Das hängt schließlich auch immer mit den handelnden Personen zusammen. Es ist unwahrscheinlich, dass wieder einer alles macht, wahrscheinlicher ist, dass die Aufgaben von Trainer und Manager auf einzelne Experten aufgeteilt werden.

Frage: Steht inzwischen fest, wer neuer Trainer wird?

Grühsem: Ja, die Verpflichtung ist in trockenen Tüchern. Aber wir werden den Namen erst am Sonntag bekannt geben.