Köln - Seit September 2014 singt die Dortmunder Südtribüne wieder das langgezogene "Kaaaagawa Shinji". Die Hoffnungen nach der Rückkehr des verlorenen Sohnes zu Borussia Dortmund sind groß. Beim Comeback im Spiel gegen den SC Freiburg wird der 25-Jährige direkt zum Matchwinner! Es scheint, als wäre Kagawa nie weg gewesen.

Mit seiner Kreativität, Schnelligkeit und Torgefährlichkeit, spielt sich der kleine Japaner bereits in seiner ersten Zeit beim BVB in die Herzen der Dortmunder Fans. Er ist an 35 Toren beteiligt (21 Treffer, 14 Assists). Nach der Verletzung von Marco Reus kommt Shinji Kagawa als eine Art rettender Ersatz.

Zu diesem Zeitpunkt weiß wohl noch niemand, wie sich die restliche Hinrunde für den BVB entwickeln würde. Nach dem Erfolg beim Kagawa-Comeback, folgen für das Team von Trainer Jürgen Klopp sieben Spiele ohne Sieg. Jetzt heißt es: Abstiegskampf in Dortmund. Shinji Kagawa soll dazu beitragen, dass bei den Schwarzgelben wieder erfolgreicher Fußball gespielt wird.

Zurück zu alter Stärke: Persönlich und im Team

Auftakt nach Maß: Shinji Kagawa bringt die Dortmunder am 3.Spieltag im Spiel gegen den SC Freiburg auf die Siegerstraße: Er leitet das 1:0 durch einen schönen Pass ein und erzielt das 2:0 selbst. Ein Ausrufezeichen, dass auf rosige Zeiten hoffen lässt. Der Treffer in seinem ersten Spiel nach zwei Jahren für den BVB bleibt in dieser Bundesliga-Saison allerdings bisher der einzige. In den folgenden Partien liefert der Japaner nicht mehr das, was sich die Dortmunder erwartet hatten.

In der Rückrunde will Kagawa wieder angreifen und dem BVB aus der Krise verhelfen - mit Leistungen wie in seinem Comeback-Spiel! Mit Neuzugang Kevin Kampl und den offensiven Rückkehrern Marco Reus und Jakub Blaszczykowski hat Kagawa wieder mehr Konkurrenz - was dem Japaner möglicherweise zusätzliche Motivation geben könnte, um sich einen Platz in der Startelf zu sichern. Lediglich in drei Partien stand der 25-Jährige aufgrund einer Gehirnerschütterung nicht auf dem Platz.

Im Zentrum fühlt sich der Japaner wohl: Er ist der Ballverteiler im Mittelfeld und durch seine kleine, wendige Art nur schwer zu stoppen. 83,3 Prozent seiner Pässe aus dem Spiel bringt der Japaner in der Hinrunde zum eigenen Mitspieler. Seine Stärke ist es, das Spiel schnell zu machen, Bälle direkt weiterzuleiten und Zweikämpfe mit seiner körperlichen Unterlegenheit durch schnelles und genaues Passspiel zu vermeiden. In seiner ersten Zeit beim BVB stellt er zudem seine Torgefahr unter Beweis und glänzt als Vorbereiter, indem er die Stürmer mit verwertbaren Pässen füttert.

Denker und Nadelspieler in der Offensive

Mit bisher 18 erzielten Toren geht die Borussia auf Platz 17 in die Rückrunde (zur Tabelle). Im Vorjahr sind es zu diesem Zeitpunkt 38 Tore (Platz 4). Die Grafik verdeutlicht, dass die Dortmunder mit Shinji Kagwa und Co. durchaus in der Lage sind, zu alter Stärke zurückzufinden. Allerdings agiert die Offensive zu uneffektiv. Präzise Pässe in die Spitze, platzierte Flanken mit Druck aus dem Halbfeld und von den Außenbahnen, mehr Durchschlagskraft und Selbstvertrauen sind die Aufgaben eines Shinji Kagawas, die dem BVB in der Rückserie aus der Krise helfen sollen.

Momentan träumt wohl jeder Dortmunder von den alten Zeiten des Publikumslieblings: In seiner ersten Zeit bei Borussia Dortmund absolviert er 49 Bundesliga-Spiele für die Schwarzgelben in denen ihm 21 Tore gelangen - obwohl er zwischenzeitlich ein halbes Jahr lang wegen eines Mittelfußbruchs pausieren musste. Der wendige Mittelfeldspieler ist einer der Eckpfeiler auf dem Weg zu den Deutschen Meisterschaften 2011 sowie 2012, auch am Gewinn des DFB-Pokals 2012 hat er einen großen Anteil. Das erste Tor im Endspiel in Berlin gegen den FC Bayern München (5:2) erzielt damals Shinji Kagawa.

Spielpraxis durch den Asien-Cup

Als Denker des Spiels ist er in der Lage, sowohl den Ball zu halten, als auch Räume zu eröffnen und im Angriffsmodus das Spiel nach vorne zu pressen. Auch Spielzüge unter hohem Tempo, das was das Dortmunder Spiel ausmacht, gehören zu seinen Stärken. In der Situation des gegnerischen Ballbesitzes greift der Japaner früh an und setzt somit den Gegner unter Druck. Ein technisch starker Nadelspieler, der auch auf engem Raum mit dem Spielgerät umzugehen weiß.

Spielpraxis sollte der Japaner in der letzten Zeit genug gesammelt haben. Beim Asien-Cup erreichte er mit der japanischen Nationalmannschaft das Viertelfinale. Wettbewerbsform ist das, was jetzt gefragt ist: Am Samstag geht es im Top-Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen direkt voll zur Sache! Es ist an der Zeit für eine zweites Comeback. Möglicherweise bietet der Start in die Rückrunde als eine Art Neuanfang die beste Gelegenheit. Dann liegt es wieder in den Ohren: "Kagawa Shinji".

Patrick Eckholt

Hinweis: In der Serie "Die Verbesserer" werden Spieler vorgestellt, die mit ihren Fähigkeiten ihre Mannschaft in der Rückrunde noch stärker machen oder entscheidend nach vorne bringen können.