Köln/Hamburg - Keine drei Tage war der Hamburger SV im Trainingslager in Dubai, da gab es auch schon die erste Hiobsbotschaft. Pierre-Michel Lasogga musste das Training mit einer Oberschenkelverletzung abbrechen. Ausgerechnet Lasogga, dürfte sich der geneigte HSV-Fan gedacht haben.

Es ist bereits die vierte Vorbereitung in Folge, die der bullige Angreifer verletzungsbedingt verpasst. Im Sommer 2013 war es ein Außenbandriss, vor genau einem Jahr dann ein Muskelfaserriss und schließlich im Sommer ein Bluterguss im Sprunggelenk, der ihn außer Gefecht gesetzt hat. Lasogga und Vorbereitung, das passt bislang noch nicht zusammen.

Fitness essentiell

Für den 23-Jährigen heißt es also auch vor dieser Runde: Kaltstart! Dabei benötigt wohl kaum ein anderer Spieler im Kader der Hanseaten dringender eine vernünftige Vorbereitung. Denn vor allem die Fitness ist für sein Spiel essentiell. Und eben diese fehlte ihm in der Hinrunde, er wirkte schlichtweg nicht austrainiert. In 16 Spielen stand Lasogga zwar insgesamt 1.271 Minuten auf dem Platz, konnte dabei aber lediglich zwei Tore erzielen. Zu oft verdiente er sich nur das Prädikat "bemüht".

Nicht zuletzt deshalb gilt er als Sinnbild der Hamburger Offensivkrise. Das allerdings will Sportdirektor Peter Knäbel so nicht stehen lassen: "Wir können die nur neun erzielten Treffer nicht allein an ihm festmachen. Ein Stürmer leidet immer auch unter dem gesamten Spiel nach vorn."

Beeindruckende Bilanz in der Vorsaison

Dass es auch anders laufen kann, stellte der ehemalige Berliner in der Vorsaison beeindruckend unter Beweis. Damals reichten ihm 20 Spiele, um starke 13 Tore zu erzielen. Nicht zu vergessen, sein entscheidender Treffer in der Relegation gegen die SpVgg Greuther Fürth. Sein komplettes Auftreten war ein anderes. Lasogga ackerte gegen den Ball, ging viele Wege, legte Kilometer um Kilometer zurück, war für seine Mitspieler stets anspielbar und strahlte enorme Torgefahr aus - auch ohne Ball am Fuß. Von all dem war in dieser Hinrunde nichts zu sehen.

Immerhin steht mittlerweile fest, dass er trotz seiner Oberschenkelbeschwerden zum Start gegen den 1. FC Köln dem Kader angehören wird. Das bestätigte Coach Joe Zinnbauer. Beim HSV haben sie den Glauben an ihren Topstürmer noch nicht verloren. "Er ist durch die Umstellung unseres Spiels nicht so zum Zug gekommen wie gewünscht", verrät der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer. "Deshalb hat er für seine Verhältnisse auch so wenig Tore geschossen. Aber er hat das Zeug dazu, zwischen 15 und 20 Tore in einer Saison zu schießen und wir hoffen, dass er das tut."

Die Anlagen dafür besitzt Lasogga ohne Frage. Jetzt muss nur sein Körper endlich mal über einen längeren Zeitraum mitspielen. Und wer weiß, vielleicht wird er dann wieder vom Sinnbild der Krise zum Held des Klassenerhalts.

Von Thomas Ziemann

Hinweis: In der Serie "Die Verbesserer" werden Spieler vorgestellt, die mit ihren Fähigkeiten ihre Mannschaft in der Rückrunde noch stärker machen oder entscheidend nach vorne bringen können.