Köln - Torjäger im Winterschlaf, so könnte die aktuelle Situation von Nils Petersen beschrieben werden. Ab der Rückrunde wird der 26-Jährige das Trikot des SC Freiburg tragen. Ein Verhältnis, das auf Gegenseitigkeit beruht: Petersen braucht die Chance, sich mit Spielpraxis und der Jagd nach Toren, beweisen zu können. Das, wonach der SC Freiburg sucht: Nach einem echten Stürmer, der entscheidend dazu beiträgt, das Punktekonto im Abstiegskampf durch seine Treffer aufzubessern.

Auf Leihbasis wechselt Nils Petersen vom SV Werder Bremen in den Breisgau. In der Hinrunde hat der 26-Jährige lediglich sieben Spiele für das Team von der Weser absolviert, davon zwei Einsätze von Beginn an. Der SC Freiburg blickt der Rückrunde mit der roten Laterne entgegen. Obwohl es nur vier Zähler bis zum zehnten Platz sind, tauchen in der Hinrunde Probleme auf. Mit seiner Torjägerqualität soll für Nils Petersen beim SC Freiburg der Neustart folgen.

Über Cottbus, Bayern und Bremen nach Freiburg

Seinen Durchbruch schafft Petersen beim FC Energie Cottbus in der 2. Bundesliga. Für Energie schießt Petersen in 78 Spielen in der 2. Bundesliga beeindruckende 39 Tore - eine überragende Quote! Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Top-Clubs aufmerksam werden. Die logische Konsequenz: Im Sommer 2011 wechselt er in die Bundesliga. Über die Station beim FC Bayern München, wo er immerhin in drei Partien internationale Erfahrung in der Champions-League sammelt, landet er an der Weser beim SV Werder Bremen.

In der Saison 2013/14 wird Petersen trotz einiger Formschwankungen mit sieben Treffern bester Torjäger im Werder-Team. Dass er das Toreschießen beherrscht und torhungrig ist, hat der 26-Jährige also bereits unter Beweis gestellt. Auch seine Gesamtstatistik in der Bundesliga verspricht den Freiburgern viel: Innerhalb von 79-Bundesliga-Partien hat er 20 Treffer erzielt.

"Sind überzeugt, dass er uns weiterhelfen wird"

Jochen Saier, Sportvorstand des SC Freiburg, ist von der richtigen Entscheidung überzeugt: „Mit Nils Petersen haben wir einen Stürmer verpflichtet, der seine Torgefährlichkeit bereits in den vergangenen Spielzeiten unter Beweis gestellt hat. Wir sind davon überzeugt, dass er uns mit seiner Präsenz und seiner Abschlussqualität weiterhelfen wird. Er zeigte vom ersten Gespräch an, dass er einen Neuanfang für sich beim SC Freiburg sucht", äußerte sich Saier auf der Homepage des SCF.

Das Tabellenschlusslicht SC Freiburg braucht in der Rückrunde vor allem eins: Tore! In der Statistik der Gegntore stehen die Freiburger gar nicht mal so negativ dar (zur Tabelle). Was fehlt, ist die Gefahr vor dem gegnerischen Gehäuse. Lediglich 17 Tore hat das Team von Christian Streich in der Hinrunde erzeilt, nur der HSV hat weniger genetzt (neunmal). Wenig Großchancen, wenig Tore - das muss sich jetzt ändern! Mit Nils Petersern soll die Torgefährlichkeit zurück in den Breisgau kehren.

Vladimir Darida (fünf) und Mike Frantz (drei) haben in dieser Saison bisher die meisten Tore für die Mannschaft von Trainer Christian Streich erzielt. Damit sind es zwei Mittelfeldspieler, die das Toreschießen in der Hinrunde übernommen haben. Vier der Darida-Tore sind zudem verwandelte Elfmeter. Unterm Strich ist auch das Zentrum die Schwachstelle: Elf der 17 Tore sind über die Flügel gefallen. Hinzu kommt die derzeitige Abschlussschwäche der Angreifer. Vier Stürmertore sind einfach zu wenig. Nils Petersen soll als echter Neuner für mehr Durchschlagskraft im Sturm sorgen. Eine große Anspielstation, die das Leder kontrollieren und behaupten kann und Kaltschnäuzigkeit im Abschluss zeigt. Qualitäten, die den Freiburgern im Abstiegskampf entscheidend helfen können.

Stoßstürmer - dennoch vielseitig

Die aufgezeigte Heatmap (Auszug aus dem Spiel des SV Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg) verdeutlicht die Rolle als echter Neuner. Petersens Revier ist der Strafraum, allerdings wird auch deutlich, dass der 26-Jährige sich zudem ins Mittelfled zurückfallen lässt, seinen Kollegen aushilft und sich als Anspielposition anbietet. Er ist ein Stürmer der arbeitet, sich Räume verschafft und die Qualität hat, eiskalt vor dem Tor zu vollstrecken. Auch wenn er das zuletzt nicht gezeigt hat: Er ist torhungrig und will das Leder endlich wieder im Netz versenken.

Das System von Christian Streich sieht eine Doppelspitze vor. In der Hinrunde hat es in dieser Hinsicht verschiedene Konstellationen gegeben. Admir Mehmedi ist bei Christian Streich allerdings gesetzt, der wohl als Sturmkollege an Petersens Seite auflaufen wird. Ein kleiner, technisch starker Stürmer und ein körperlich überlegener, die sich optimal ergänzen könnten.

Auch der Trainer sieht in Petersen viel Potenzial: "Nils bringt viel Erfahrung mit und hat sich bereits voll integriert, das geht bei uns aber eh schnell, weil die Spieler das mit neuen Kollegen gut machen. Er weiß, wo das Tor steht, er bewegt sich gut, ist kopfballstark und im Strafraum sehr präsent. Wenn man so einen Spieler kriegen kann, ist das natürlich interessant und diese Qualitäten tun uns auch gut.“

Am Samstag startet der SC Freiburg im Spiel gegen Eintracht Frankfurt in die Rückrunde. Die entscheidende Phase im Abstiegskampf steht also vor der Tür: Dann will Nils Petersen aus dem "Winterschlaf" erwachen und mit neuer Energie, neuem Verein und dem alten Torhunger wieder durchstarten!

Patrick Eckholt

Hinweis: In der Serie "Die Verbesserer" werden Spieler vorgestellt, die mit ihren Fähigkeiten ihre Mannschaft in der Rückrunde noch stärker machen oder entscheidend nach vorne bringen können.