Köln - Er ist der Wunschspieler von Schalkes Coach Roberto Di Matteo: Matija Nastasic. Der serbische Innenverteidiger wurde noch im Wintertrainingslager vom englischen Topclub Manchester City ausgeliehen und soll nicht nur in der Defensive für Stabilität sorgen. Im Gegenteil, denn im blau-weißen Aufbauspiel drückt der Schuh. Ein Ausblick.

Der FC Schalke 04 hat eine teils turbulente Hinserie hinter sich, zum Ende bekamen die Knappen dann doch die gewünschte Stabilität in die Ergebnisse. Nach 17 Spielen kassierten die Gelsenkirchener mit 21 Gegentoren sieben weniger als zum vergleichbaren Zeitpunkt der letzten Saison. Auf dem ersten Blick ist die Abwehrreihe also nicht gerade als das ganz große Problemfeld auszumachen. Doch das täuscht, im Detail fehlt vor allem aus der Hintermannschaft der nötige Zug nach vorne.

Die Gelsenkirchener Defensive tat sich sichtlich schwer mit der Spieleröffnung. Querpässe in den eigenen Reihen, wenig Raumgewinn und kein Drang in die Tiefe prägten den Schalker Ballbesitzfußball. Die von Di Matteo angestrebte Balance zwischen Defensive und Offensive lief noch nicht störfrei, es fehlte an Kreativität und Mut der Innenverteidiger sowie der Verbindung zum Mittelfeld.

Fehlender Rhythmus in der Dreierkette

Die Gründe liegen auf der Hand. Weltmeister und Abwehrchef Benedikt Höwedes leistete sich einige haarsträubende Fehler und sorgte als Führungsspieler nicht wirklich für Stabilität. Der Defensivmann wirkte nach der WM schlicht überspielt, plagte sich zwischenzeitlich mit einem Sehnenanriss herum.

Problem: Eine Pause konnte man ihm nicht geben, da durch die Schalker Verletztenmisere auch das Personal in der Defensive auf dem Zahnfleisch ging. Nur drei Mal konnte Di Matteo, der am 12. Spieltag gegen Wolfsburg System auf ein 3-5-2 umstellte, auf die gleiche Abwehr wie in der Partie zuvor zurückgreifen. Die hohe Anzahl an Ausfällen und der damit ausbleibende Spielrhythmus ist sicherlich auch ein Grund.

Doch es fehlt auch an spielerischer Qualität. Felipe Santana, Jan Kichhoff oder Kaan Ayhan leisteten sich immer wieder Schwächen im Aufbau. Roman Neustädter empfahl sich zwischenzeitlich als solider Innenverteidiger, ist aber langfristig eher auf der Secherposition verortet. Nastasic soll nun die Rolle des klassischen defensiven Antreibers übernehmen, besonders auf der linken Seite.

Di Matteo hat klare Anforderungen

"Linksfüßer sind rar gesät als Innenverteidiger. Nastasic hat in jungen Jahren schon für Furore gesorgt und ist bereits ein sehr kompletter Spieler. Er hat eine gute Spieleröffnung, einen guten Körper und ist zweikampfstark", lobt Sportvorstand Horst Heldt den Neuzugang. Damit würde der Serbe perfekt ins Schalker Anforderungsprofil passen.

Roberto Di Matteo kennt Nastasic aus seiner Zeit in der Premier League genau, hat klare Anforderungen an seinen Neuzugang:  "Ich erhoffe mir, dass er uns im Spielaufbau weiterbringt. Wir haben in der Dreierkette keinen linken Verteidiger." Auf ein bestimmtes System ist der serbische Nationalspieler nicht festgelegt. "Wir können mit einer Dreier-, aber auch mit einer Viererkette spielen. Für mich ist das kein Problem. Ich komme mit beiden Systemen zurecht", so Nastasic.

Die Suche nach der Stammabwehr

Wie könnte die S04-Abwehr in naher Zukunft aussehen? Die wohl beste Lösung in der Dreier-Abwehrkette wäre Höwedes-Matip-Nastasić. Die Knappen haben sich mit dem 3-5-2 durchaus anfreunden können, erste Automatismen entwickelten sich, freilich nicht alle. Fakt ist: Di Matteo sucht nach seiner Stammabwehr, Nastasić könnte das fehlende Scharnier darstellen.

Anpassungsschwierigkeiten sind bei dem 21-Jährigen nicht zu erwarten. "Man sieht direkt, was er für eine Klasse hat. Er ist sehr ruhig am Ball, kann aber auch aggressiv zu Werke gehen. Er versucht gar nicht erst, komplizierte Bälle für die Galerie zu spielen, sondern spielt die einfachen und klaren Pässe", beschreibt Neustädter seinen neuen Mitspieler.

Bei seinem ersten Auftritt für die Schalker überzeugte er auf Anhieb, die mangelnde Spielpraxis merkte man ihm nicht an. "Er ist ein intelligenter Spieler, der ein top Passspiel hat und stark nach vorne verteidigt. Der erste Eindruck war auf jeden Fall sehr gut", so Horst Heldt. Nastasic spielte 45 Minuten gegen Sudan-Club Al Merrikh, gewann auf der Wunschposition links in der Dreierkette alle Zweikämpfe.

Feuerprobe steht noch aus

Auch "habe ich von ihm nur einen Fehlpass gesehen", stellte Heldt begeistert fest. Klar ist aber auch, dass ein solches Testspiel natürlich kein Gradmesser für die Rückrunde sein kann, einen ersten Eindruck vermittelt es jedoch schon.

Und: Mit Joel Matip kommt ein weiterer potenzieller Innenverteidiger in die Schalker Mannschaft zurück, den Di Matteo kaum kennenlernen konnte. Die Probleme im S04-Aufbauspiel könnten sich aufgrund der qualitativ höher eingestuften Alternativen schneller lösen als gedacht.

Die Feuerprobe steht zwar noch aus, die Ziele stehen aber jetzt schon fest. "Ich möchte so viele Spiele wie möglich absolvieren und dem Verein helfen, die Ziele zu erreichen. Ich hoffe, dass wir mehr Punkte holen als in der Hinrunde. Wir wollen uns unbedingt für die Champions League qualifizieren. Ich denke, dass Platz zwei oder drei noch möglich sind", fordert Nastasic. Man darf gespannt sein, ob es für S04 in der Hintermannschaft künftig beschwerdefrei läuft.

Yannik Schmidt

Hinweis: In der Serie "Die Verbesserer" werden Spieler vorgestellt, die mit ihren Fähigkeiten ihre Mannschaft in der Rückrunde noch stärker machen oder entscheidend nach vorne bringen können.