Köln – Die Krankengeschichte von Philipp Bargfrede erinnert ein wenig an das Torwandschießen im Aktuellen Sportstudio: Drei Rechts, drei Links - das ist die Anzahl der Knieoperationen, denen sich der 25-jährige Mittelfeldspieler von Werder Bremen bislang unterziehen musste. Allein drei Mal musste Bargfrede seit 2013 unters Messer. Kein Wunder also, dass der eigentlich hochveranlagte Rechtsfuß seit Beginn der Saison 2012/13 nur 36 von 102 möglichen Bundesliga-Partien absolvierte. Fitness vorausgesetzt könnte Bargfrede zum entscheidenden Faktor im Bremer Kampf gegen den Abstieg werden.

Werders größte Problemzone offenbart sich schon beim Blick auf die Tordifferenz: 39 Gegentore sind der schwächste Wert der Bundesliga. Die Flut an Gegentreffern allein am Abwehrverbund festzumachen, wäre zu einfach. Über weite Strecken der Hinrunde fehlte den Bremern die Giftigkeit im Mittelfeld. Und die brachte Philipp Bargfrede im letzten Hinrundenspiel gegen Borussia Dortmund ins Spiel.

Bargfrede verbessert die Balance

Bargfrede ist der einzige klassische Sechser im Bremer Kader. Das laufstarke Bremer Urgestein (seit 2004 im Club) zeichnet sich vor allem durch seine kompromisslose Zweikampfführung und sein gutes Spiel gegen den Ball aus. Bargfrede hält vor der Abwehr sehr diszipliniert seine Position und wählt die Situationen, in denen er sich direkt ins Offensivspiel einschaltet , sehr überlegt aus. Auch, wenn er das Spiel nach vorne durchaus beherrscht: Bargfrede denkt zunächst einmal defensiv. Und das verbessert die Balance im Bremer Spiel. Seine Heatmap aus dem Spiel gegen Dortmund ist ein Beleg dafür.

Viktor Skripnik setzt auf Philipp Bargfrede und lobt vor allem seine spielerischen Qualitäten, die er neben seinen Fähigkeiten als Abräumer mitbringt: "Wir brauchen solche Typen wie ihn. Typen, die präzise Bälle spielen können, die den Ball verteilen können. Er kann den letzten Pass bringen und auch torgefährlich sein. Philipp kann uns besser machen", so der Werder-Trainer. Wie wichtig Bargfrede sein kann, beweist auch die Statistik der letzten anderthalb Jahre. Mit Bargfrede in der Startelf holte Werder seit Sommer 2013 1,37 Punkte im Schnitt, ohne ihn nur 0,94 Zähler.

Schnelle Rückkehr zur Topform

Um diesen Trend zu bestätigen, müsste Bargfrede vor allem Gesund bleiben. Mut macht dem Sohn des ehemaligen Bundesliga-Profis Hans-Jürgen Bargfrede (15 Bundesliga-Partien und 96 Spiele der 2. Bundesliga für den FC St. Pauli), dass er bislang nach Verletzungen immer schnell wieder zu seiner Form fand: "Ich bin immer wieder zurückgekommen. Ich glaube, es gelingt mir auch diesmal", so der stets optimistische Norddeutsche. Die Vorbereitung absolviert Bargfrede bislang ohne größere Probleme und erzielte beim 3:2-Testspielerfolg gegen Energie Cottbus den Siegtreffer.

In der Rückrunde könnte Bargfrede endlich für Konstanz auf der Sechserposition sorgen, auf der sich seit dem Weggang von Torsten Frings zahlreiche Spieler ohne nachhaltigen Erfolg versuchen durften. Einst war Bargfrede als legitimer Nachfolger des jetzigen Co-Trainers auserkoren. Mit ein paar Jahren Verspätung scheint Bargfrede bereit, in die Fußstapfen des "Lutschers" zu treten. Vielleicht halten jetzt auch seine Knie. Beim Torwandschießen ist schließlich auch nach sechs Versuchen Schluss.

Florian Reinecke

Hinweis: In der Serie "Die Verbesserer" werden Spieler vorgestellt, die mit ihren Fähigkeiten ihre Mannschaft in der Rückrunde noch stärker machen oder entscheidend nach vorne bringen können.