Frankfurt - Die Zahl 34 reicht im Grunde genommen aus, um das Dilemma von Eintracht Frankfurt zu beschreiben. 34 Tore haben die Hessen in der Hinrunde erzielt - nur Spitzenreiter FC Bayern München ist da besser. Allerdings hat die Eintracht auch schon 34 Gegentore kassiert. Damit stellt sie die drittschlechteste Defensive der Bundesliga und hat deshalb schon eine ganze Reihe von Punkten leichtfertig liegen gelassen. Doch es ist Besserung in Sicht: Abwehrchef Carlos Zambrano ist zurück.

Im letzten Vorbereitungsspiel vor dem Auftakt beim SC Freiburg hielt der seit rund drei Monaten verletzte Innenverteidiger 45 Minuten lang durch und hatte auch nach der Partie mit dem rechten Knie keine Probleme. "Ich bin froh, dass ich wieder dabei bin. Ich will nächste Woche in Freiburg spielen", sagte Zambrano selbstbewusst, vergaß jedoch nicht anzufügen: "Hinten müssen wir allerdings besser stehen als heute."

Gefürchtet von den Gegenspielern

Tatsächlich erinnerte der Spielverlauf beim Comeback des Peruaners, der sich Mitte Oktober im Länderspiel gegen Chile einen Außenbandriss zugezogen hatte, stark an viele Bundesliga-Spiele in der Hinrunde. Erst geriet die Eintracht gegen Servette Genf mit 0:2 in Rückstand, dann drehte sie die Partie durch einen Kraftakt und ging mit 3:2 in Führung, doch am Ende jubelten wieder die Schweizer und siegten mit 4:3. "Ich bin im höchsten Maße unzufrieden", stellte Trainer Thomas Schaaf anschließend unmissverständlich klar.

Kein Wunder, denn erneut waren es unerklärliche Schwächen in der Abwehr, die Frankfurt um den Lohn eines phasenweise eigentlich guten Auftritts brachten. Ein Problem, dass auch in den ersten 17 Spielen der Saison immer wieder zu beobachten war. In vier Begegnungen reichten zwei eigenen Treffer nicht zum Sieg, je ein Mal waren sogar vier und fünf Tore zu wenig für einen Dreier.

Zu oft fehlte in der Defensive eine erfahrene, eine ordnende Hand. Diese Rolle soll nun Zambrano wieder ausfüllen. Der 25-Jährige, der seit 2012 in Frankfurt unter Vertrag steht, ist mit allen Wassern gewaschen und wegen seiner kompromisslosen Zweikampfführung bei den gegnerischen Angreifern gefürchtet. Für ihn scheint jedes Duell, das er während der 90 Minuten führt, eine kleine Privatfehde zu sein. Zambrano kämpft, Zambrano geht voran, Zambrano reißt die Mitspieler mit. So hat er es zum Publikumsliebling geschafft.

"Der Kaiser" ohne Kompromisse

Bei gegnerischen Spielern und Trainer hat er indes das Image des bösen Buben gepachtet, der sich gerne im Grenzbereich des Regelwerks bewegt. Dabei hat Zambrano, der aus der Jugend des FC Schalke 04 stammt, in 102 Bundesliga-Spielen noch keinen Platzverweis kassiert.

In seiner Heimat Peru ist es unterdessen eher die fußballerische Komponente, mit der Zambrano zu gefallen weiß. "El Bocon" nennen ihn die peruanischen Fans: "Der Kaiser". Eine Anspielung auf Franz Beckenbauer, der es wie kein Zweiter verstand, geschicktes Verteidigen mit eleganter Spieleröffnung zu verbinden.

Auch das Einleiten von Angriffen gehört in Frankfurt zu Zambranos Aufgaben. Für den Anfang wird es Thomas Schaaf aber reichen, wenn sein Abwehrchef die Defensive dichtmacht. Das ist Zambranos Kerngeschäft. Und darauf freut er sich schon.

Stefan Schinken

 

Hinweis: In der Serie "Die Verbesserer" werden Spieler vorgestellt, die mit ihren Fähigkeiten ihre Mannschaft in der Rückrunde noch stärker machen oder entscheidend nach vorne bringen können.