Uli Hoeneß wusste, dass Jürgen Klinsmann seinen Klub verändern würde. Auf Gummibänder, Anglizismen und die ein oder andere kleine Revolution war der Manager von Bayern München gefasst.

Doch was seit dem Amtsantritt des neuen Trainers beim Rekordmeister geschah, hat selbst Hoeneß umgehauen. "Ich habe mir viel vorstellen können, bin aber total überwältigt, was da entstanden ist", sagt er.

Klinsmann ist erst eine Woche in München. Doch diese Zeitspanne genügte, um dem altehrwürdigen FC Bayern ein völlig neues Gesicht zu geben.

Bambussträucher und Lebensbäume anstelle der Zäune, ein neues Leistungszentrum mit Familienraum, Bibliothek, Dachterrasse und Kino, dazu Buddhafiguren für "guten Energiefluss": Klinsmann hat an der Säbener Straße 51 sein eigenes Bayern-Reich erschaffen und dabei "alle Wände herausgerissen, die wir herausreißen durften".

"Die perfekte Oase"

Die Revolution des Architekten Klinsmann kommt gut an. Hoeneß spendet "großes Lob", Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge spricht von der "perfekten Oase". Auch die Spieler sind zufrieden. "So etwas gibt es nirgendwo sonst in Europa, höchstens in Katar oder Dubai, da bauen sie Ähnliches. Es ist weltklasse", schwärmt Mark van Bommel. Christian Lell hat sich bei Hoeneß erkundigt, ob nicht noch Platz für eine Anliegerwohnung wäre, "damit ich immer hier sein kann".

Hoeneß betont jedoch auch, "dass das alles keine Tore schießt". Auch unter Trainer Klinsmann müssen die Spieler den Weg zum Erfolg noch selbst gehen, die Veränderungen sollen diesen Weg aber ebnen. "Die Konzentration liegt jetzt zu hundert Prozent auf Fußball", sagt Rummenigge. Nebengeräusche sind in Klinsmanns Oase nicht geduldet.

Deshalb hat der neue Chef neben den baulichen Modifizierungen den Profi-Alltag reformiert: Er hat den Acht-Stunden-Tag eingeführt und Handys verboten. Der Arbeitstag beginnt allmorgendlich um 9.30 Uhr mit einer Besprechung im Leistungszentrum, dem "Herzstück des Klubs" (Klinsmann). Um zehn geht's in den Kraftraum zum 30-minütigen individuellen Training, ehe die erste Einheit mit der Mannschaft folgt. Mittagessen und Medienterminen ist das zweite Teamtraining angeschlossen, um 17.30 Uhr haben die Stars Feierabend.

Klinsmann will persönliche Reifung fördern

Dieses Treiben dient dem einen Ziel, "jeden einzelnen Spieler besser zu machen", um letztlich als Mannschaft Erfolg zu haben, wie Klinsmann betont. Im Mittelpunkt steht nach wie vor die Arbeit auf dem Platz, doch auch da gibt es Veränderungen, das wurde schon beim ersten Training klar: Acht Betreuer kümmerten sich um zwölf Profis. "Ich liebe es, so zu arbeiten, hart und gezielt", sagt van Bommel.

Neben der fußballerischen Entwicklung treibt Klinsmann auch die persönliche Reifung jedes Spielers voran. Die Kicker dürfen in der Mittagspause auf Ledersofas lümmeln und Playstation spielen. Wer das möchte, kann aber auch Hesse oder Goethe lesen, über dem Schachbrett grübeln oder eine Fremdsprache lernen. Klinsmann geht mit gutem Beispiel voran: "Ich werde Spanisch und Portugiesisch weitermachen."

In der ersten Woche wurde jedoch verstärkt Passspiel auf engem Raum geübt, schließlich will Klinsmann den Spielstil seiner Truppe modernisieren. Sein Fazit nach der ersten Woche FC Bayern ist "sehr positiv". Die Spieler seien "mit viel Begeisterung und Einsatz bei der Sache", sagt er: "Es baut sich Harmonie auf."