Das Aus der U-20-Nationalmanschaft bei der WM in Ägypten stimmte die deutschen Fußball-Fans natürlich traurig.

Auch die Mannschaft war nach der unglücklichen Niederlage gegen Brasilien (1:2 n.V.) untröstlich. Aber ein Duo war wohl besonders traurig: Lars und Sven Bender.

Eigentlich unzertrennlich...

Erst vor einer knappen Woche waren die Zwillinge des U20-Teams wieder vereint worden, nachdem Sven ins Camp der Deutschen nachgereist war. Entsprechend groß war die Freude im Quartier, als sich die beiden 20-Jährigen in die Arme schließen konnten.

Denn im Sommer wurden sie erstmals getrennt, obwohl sie eigentlich unzertrennlich sind. Eineiig, beste Freunde, WG-Genossen, Mannschaftskollegen in den Vereinen und den Nationalmannschaften - mehr Zwilling geht nicht.

Kuriosität in der U17

Lars, der um wenige Minuten ältere der Benders, hat etwas härtere Gesichtszüge, zu unterscheiden sind sie dennoch nur schwer. Für einen Schiedsrichter in der U17 war es gar unmöglich. Lars hatte schon Gelb, Sven foulte und Lars flog vom Platz. So etwas nehmen die beiden mit einem Schmunzeln hin.

Schwerer fiel ihnen die Trennung im Sommer. Sven wechselte von 1860 München zu Borussia Dortmund, Lars erst weit nach dem Saisonstart zu Bayer Leverkusen. Der eigentlich für 2010 geplante Transfer erfolgte früher - was die Entfernung von 600 auf 80 Kilometer reduzierte: Fünf Wochen habe er Sven nicht gesehen, erklärte er Anfang August frustriert: "Das ist eine schwierige Situation. Ich habe mir das leichter vorgestellt."

Immer im "Doppelpack"

"Wir machen fast alles zusammen. Wir haben denselben Freundeskreis, seit wir klein sind", sagt Lars, der in der Vorrunde der U-20-WM zu den besten deutschen Spielern gehörte und sich über das Eintreffen seines Bruders vor dem Achtelfinale besonders freute. "Es ist ein wenig ungewohnt, dass man nicht mehr tagtäglich zusammen ist. Sonst hatten wir den anderen immer in jeder Minute um uns herum", erzählte er: "Es ist schön, dass wir die Tage hier gemeinsam verbringen können."

Zuvor gab es die beiden, die zuletzt gemeinsam eine Wohnung in München bewohnten, auch im Fußball nur im "Doppelpack". Schon in der F-Jugend beim TSV Brannenburg bei Rosenheim fielen sie den Scouts von 1860 auf. "Damals haben wir sie nicht geholt, weil wir es für unverantwortlich hielten, so junge Kinder so weit zum Training fahren zu lassen", erklärt Ernst Tanner, Leiter des Nachwuchszentrums.

Zwillinge schreiben Geschicht

In der D-Jugend wechselten sie dann von der SpVgg Unterhaching zu den "Löwen". Gemeinsam natürlich. Wurden dann zusammen deutscher B-Jugendmeister, stiegen sofort gemeinsam zu den Profis auf und schrieben am 13. April 2007 in Paderborn als jüngstes Zwillingspaar im deutschen Profifußball ein kleines Stück deutscher Fußball-Geschichte.

Natürlich durchliefen die beiden defensiven Mittelfeldspieler auch gemeinsam alle Junioren-Nationalmannschaften, spielten 2006 die U17-EM in Luxemburg und holten 2008 den EM-Titel mit der U19. Daraufhin hatten sie Angebote von Manchester United, dem FC Liverpool und Real Madrid. Beide.

Immer gemeinsam...

Der geteilte Weg führte sie nun zumindest beide in den Westen. Und vereinte sie wieder in Nordafrika. "Es ist eine neue Erfahrung für uns, in getrennten Vereinen zu spielen", meint Sven: "Deshalb werden wir diese Zeit miteinander genießen."

Angeblich haben beide auch einen großen Traum. "Aber darüber sprechen wir nicht. Wenn es mal so weit ist, verraten wir es", meint Sven. Man muss aber kein Prophet sein, um ihn ungefähr zu erraten. Die Benders wollen bei einem großen Verein spielen und in der Nationalelf. Gemeinsam natürlich.

Top-Daten

In der laufenden Saison macht sich Sven Bender bei der Borussia aus Dortmund immer unabkömmlicher. Sein Debüt gab er am 6. Spieltag beim 1:1 in Hannover, bei dem er gleich 90 Minuten auf dem Platz stand. Nachdem er am Derby gegen Schalke wegen einer Erkrankung nicht teilnehmen konnte, war Bender beim 1:0-Auswärtserfolg in Mönchengladbach wieder mit von der Partie.

Sven Benders Ligawerte: Er bestritt 23 Zweikämpfe, elf davon gewann der Mittelfeldspieler (47,8 Prozent), gab zwei Torschüsse ab und bereitete einen Torschuss vor. Seine Passgenauigkeit weist gute 83,5 Prozent auf (81 der 97 Pässe kamen beim Mitspieler an).

Lars Bender, im August von 1860 München nach Leverkusen gewechselt, kam erst ein Mal für die Bayer-Elf in der Bundesliga zum Einsatz. Am 6. Spieltag in der Partie gegen Werder Bremen (Endstand: 0:0) wechselte ihn Trainer Jupp Heynckes zu Beginn der 2. Hälfte ein.

Seine Bilanz: Lars Bender gab einen Torschuss ab, spielte fünf Pässe, davon kamen drei beim Mitspieler an (60 Prozent), bestritt zwei Duelle am Ball, verlor jedoch beide.

Im Gegensatz zu seinem Bruder Sven spielte Lars in dieser Sai¬son für seinen neuen Verein auch schon im DFB-Pokal. Bei der 1:2 Niederlage beim 1. FC Kaiserslautern stand Lars Bender in der Startelf von Bayer, wurde aber in der 71. Minute ausgewechselt.