Köln - Nach sieben Spieltagen sind noch vier Teams ohne Niederlage - Bundesliga-Rekord! Der FC Bayern München, die TSG Hoffenheim, Borussia Mönchengladbach und der 1. FSV Mainz 05 profitieren dabei vor allem auch von ihren bärenstarken Torhütern. Wir haben die vier Schlussmänner näher für Sie beleuchtet.

Manuel Neuer

Der Keeper des FC Bayern bewegt sich seit Jahren auf Weltklasse-Niveau und bestätigte dies auch in den ersten sieben Spielen der aktuellen Saison. Fünf Mal spielte er in diesem Jahr zu Null, kassierte mit lediglich zwei Gegentoren die wenigsten aller Bundesliga-Clubs. 315 Minuten dauert es im Schnitt, bis ein Gegenspieler es schafft, den Ball an ihm vorbei über die Linie zu drücken - absoluter Top-Wert.

Aber nicht nur hier ist Manuel Neuer Spitze. Er vereitelte außerdem 83,3 Prozent der gegnerischen Großchancen und konnte 87,5 Prozent aller auf sein Tor abgeschossenen Bälle abwehren. Trotz seiner exzellenten Feldspieler-Fähigkeiten wird Neuer von seiner Mannschaft allerdings deutlich weniger ins Spiel eingebunden, als die anderen drei hier beleuchteten Torhüter. Dies mag aber wohl hauptsächlich daran liegen, dass die Bayern es mit ihrem überaus starken Kader gegen die meisten Teams oft einfach nicht nötig haben, "hintenherum" zu spielen.

Sucht man das Haar in der Suppe kann man dem Welttorhüter allerhöchsten seine unnötige Gelbe Karte in den letzten Minuten des Spiels gegen Hamburg ankreiden, die er durch ein absichtliches Handspiel verschuldete. Dennoch steht außer Frage, dass der FC Bayern auch dank seines überragenden Torhüters an der Spitze steht und noch unbesiegt ist.

Oliver Baumann

Der zu Saisonbeginn aus Freiburg in den Kraichgau gewechselte 24-Jährige Oliver Baumann stellt für Hoffenheim eine absolute Verstärkung dar, schneidet im Vergleich mit den drei anderen Torhütern der "Unbesiegten" aber am schlechtesten ab. Trotzdem können sich seine Werte durchaus sehen lassen. Bei Baumann stand bislang in drei Spielen die Null, mit insgesamt sechs Gegentoren braucht der Gegner im Schnitt 105 Minuten, um den Ball im Tor unterzubringen - durchaus sehenswert!

Alles in allem konnte Baumann 14 der 20 auf sein Tor abgefeuerten Bälle abwehren (70%), vereitelte aber nur 12,5 Prozent der gegnerischen Großchancen vor seinem Kasten. Mit insgesamt 307 Ballbesitzphasen wird Baumann deutlich öfter in das Spiel seiner Mannschaft eingebunden als Manuel Neuer (246). Von seinen langen Pässen kommen 33,3 Prozent zum Mann.

Oliver Baumann hat es in Hoffenheim geschafft, die letztjährige "Schiessbude der Bundesliga" (70 Gegentore) zu schließen und ist sofort in eine Führungsrolle in der neuen Mannschaft geschlüpft. "Die Torwartposition bringt das einfach mit sich, von daher kommt man ganz automatisch in eine solche Rolle", sagte der Keeper vor wenigen Wochen im Interview mit bundesliga.de. Auch wegen ihm gehört die TSG in dieser Saison noch zu den "Unbesiegten".

Yann Sommer

Der Schweizer Yann Sommer musste zu Saisonbeginn die durch den Abgang von Marc-Andre ter Steegen bei Borussia Mönchengladbach entstandene Lücke im Tor schließen. Mit lediglich vier Gegentoren überzeugt er bislang auf ganzer Linie, im Schnitt braucht der Gegner 157,5 Minuten, um ein Tor gegen Sommer zu erzielen.

Mit 87,1 Prozent abgewehrter Torschüsse liegt Sommer in dieser Statistik nur minimal hinter Spitzenreiter Manuel Neuer und auch 40 Prozent vereitelte Großchancen lassen sich sehen. Sommer ist von allen vier Torhütern der "Unbesiegten" derjenige, der von seinem Team am meisten ins eigene Spiel mit eingebunden wird. 365 Mal war er insgesamt in dieser Saison schon am Ball. Das sind im Schnitt 52,1 Mal pro Spiel.

Als einziger Bundesliga-Torwart musste Yann Sommer schon drei Mal einen Elfmeter gegen sich in Kauf nehemen - abwehren konnte er keinen. Besonders im Passspiel überzeugte der Schweizer aber: 52,6 Prozent seiner langen Bälle kommen zum Mann - ein ausgezeichneter Wert. Sommer hat die Lücke, die ter Steegen im Gladbacher Tor hinterlassen hat, mit Bravour geschlossen und ist einer der Garanten für den derzeitigen Erfolg des Teams vom Niederrhein.

Loris Karius

© dfl

Loris Karius ist erst vor Kurzem 21 Jahre alt geworden - aber schon die unumstrittene Nummer Eins zwischen den Pfosten beim 1. FSV Mainz 05. "Er ist so cool", adelt der Mainzer Manager Christian Heidel seinen Keeper, "da weiß man manchmal gar nicht, ob diese Ruhe wirklich in ihm drin ist, oder ob sie gespielt ist."

So oder so überzeugt Karius in dieser Saison auf ganzer Linie. Wie bei seinem Kollege Baumann aus Hoffenheim dauert es im Schnitt 105 Minuten, bis der Gegner den Ball in seinem Kasten unterbringen kann. Karius wehrte bärenstarke 82,9 Prozent der Schüsse auf sein Tor ab, von denen er 69 Prozent sogar festhalten konnte - so viele wie kein anderer Torwart der "Unbesiegten".

Der Mainzer Schlussmann vereitlte drei von neun Großchancen (33,3%) und avancierte beim 2:0-Sieg gegen Borussia Dortmund nicht nur mit tollen Paraden zum Matchwinner, sondern auch, weil er einen Elfmeter von Ciro Immobile parieren konnte. Loris Karius - der Youngster im Mainzer Kasten, der enormen Anteil am derzeitigen Erfolg der Rheinhessen hat.

Dennis-Julian Gottschlich