Köln - Vier Teams stehen vor dem 8. Spieltag noch ohne Niederlage da - ein absolutes Novum in der Bundesliga-Historie. Der FC Bayern München, die TSG Hoffenheim, Borussia Mönchengladbach und der 1. FSV Mainz 05 sind "Die Unbesiegten". Doch was machen diese Mannschaften eigentlich besonders gut? bundesliga.de analysiert die taktischen Kniffe.

FC Bayern München - Dampfwalze durch die Mitte

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Keine Mannschaft beherrscht das Spiel durch die Zentrale so gut wie die Elf von Coach Pep Guardiola. Zwei Treffer nach vertikalen Pässen klingen im ersten Moment vielleicht nicht besonders viel, bedeuten aber Höchstwert in der Bundesliga. Obwohl die Taktik auf Ballbesitz ausgelegt ist und oft wie im Handball am gegnerischen Strafraum von rechts nach links gespielt wird, fielen die meisten Treffer (9) durch die Mitte. Zwar verlagert Xabi Alonso (Passquote: 90,1 Prozent) das Spiel gerne auf die Außen, doch von dort geht es mit Vorliebe wieder zurück.

Ob Mario Götze auf links oder Arjen Robben auf rechts, beide Spieler ziehen gerne in die Mitte und gehen im Vergleich zum derzeit verletzten Franck Ribery ungern den Weg bis zur Grundlinie. Neuzugang Robert Lewandowski stellt zudem die perfekte Anspielstation dar. Der Pole ist in der Lage, den Ball auch auf engstem Raum technisch höchst anspruchsvoll zu verarbeiten. Vier Treffer und zwei Vorlagen gehen auf sein Konto. Insgesamt sammelten die Offensivspieler des FCB als Vorbereiter oder Vollstrecker bereits 14 Scorerpunkte. Klare Sache, Bestwert.

TSG 1899 Hoffenheim - Pressing-Experten

Die Kraichgauer haben ihr offensives Pressing in dieser Saison perfektioniert. Ohne die Balance für die defensive Umschaltbewegung zu verlieren, arbeitet die Truppe von Coach Markus Gisdol vorbildlich und vor allem geschlossen gegen den Ball. Sechs Treffer nach gegnerischem Ballverlust sind ligaweit Höchstwert.

Nach Ballgewinn ist das Tempo der TSG beachtlich. Mit schnellen Pässen, oft durch die Zentrale, wird das Mittelfeld überbrückt und der direkte Abschluss gesucht. Schlüsselspieler hierbei ist Roberto Firmino. Seine 21 abgegebenen Torschüsse sind ein glänzender Wert, nur vier Spieler versuchten es häufiger. Dass die durchschnittlichen Ballbesitzphasen "nur" bei mageren 46 Prozent liegen, passt ebenfalls ins Bild. 16 Großchancen erspielte sich Hoffenheim auf die schnelle Spielart - auch das ist Top.

Borussia Mönchengladbach - Konter vom Reißbrett

Seit Lucien Favre im Jahr 2011 als Chefcoach vorgestellt wurde, hat sich auch das Konterspiel der Fohlen stetig weiterentwickelt und inzwischen eine ganz neue Qualität erreicht. Das in der vergangenen Spielzeit schon wieselflinke Mittelfeld hat durch die Verpflichtungen von Andre Hahn und Ibrahima Traore nochmal an Tempo dazugewonnen.

15 Torschüsse gab die Borussia nach schnellem Umschalten aus der eigenen Hälfte bereits ab. Das ist ebenso Ligaspitze wie die drei daraus entstandenen Kontertore. Durchschnittliche Ballbesitzphasen von 54 Prozent (Rang 4) verdeutlichen jedoch, dass Gladbach mittlerweile über weit mehr offensive Optionen verfügt als nur das Konterspiel.

1. FSV Mainz 05 - Eisvögel vor dem Tor

Mainz ist unter den Ungeschlagenen wohl die größte Überraschung. Nach dem Trainerwechsel von Thomas Tuchel zu Kasper Hjulmand prophezeiten nicht wenige Experten einen Einbruch, erst Recht nach dem Doppel-Aus in DFB-Pokal und Europa-League. In der Bundesliga präsentieren sich die Nullfünfer aber ausgesprochen stabil. Die Mannschaft weist kein herausstechendes taktisches Merkmal auf, glänzt dafür aber durch brutale Effektivität. Zehn Großchancen erspielte sich die Hjulmand-Elf und nutzte davon unglaubliche acht. Zum Vergleich: Gladbach nutzte nur 18 Prozent seiner Großchancen.

Sinnbild für die Coolness vor der gegnerischen Hütte ist Shinji Okazaki. Der Top-Torjäger der ersten sieben Spieltage (fünf Treffer) stellte einen neuen Japan-Rekord auf und löste mit insgesamt 30 Bundesliga-Toren Yasuhiko Okudera als Rekordtorschützen ab. In dieser Saison verwertete er 100 Prozent seiner Großchancen (alle vier).

Thomas Ziemann

Link-Sammlung:

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