Mönchengladbach - Mit dem 2:0-Sieg gegen Hannover 96 hat Borussia Mönchengladbach seine Champions-League-Ambitionen untermauert. Die Fohlen haben als Tabellendritter bereits fünf Zähler Vorsprung auf Platz fünf (Tabelle) und fiebern nach dem sechsten Heimsieg in Folge nun dem großen Auftritt beim FC Bayern München entgegen.

Der Klassiker der Fangesänge schallte nach dem Pflichtsieg gegen die Niedersachsen durch das weite Rund Mönchengladbacher Stadion. Die Aufgabe, den Bayern tatsächlich "die Lederhosen auszuziehen", könnte derzeit allerdings wohl kaum schwieriger sein.

"So fest, wie die Bayern die Hosen momentan anhaben, wird es sehr schwer sie zu schlagen. Wie sie ohne Ribery und Robben in Bremen locker gewonnen haben, war schon beeindruckend", sagte Tony Jantschke anerkennend. Gleichwohl sieht er sein Team nicht chancenlos. "Wir werden ihnen zumindest Paroli bieten. Das haben wir in München früher schon geschafft", sagt er. Der Blick auf die Statistik bestätigt seine Einschätzung: Die Elf vom Niederrhein hat nur eins der letzten drei Gastspiele in München verloren - bei einem Sieg und einem Unentschieden. Warum nicht auch diesmal für eine Überraschung sorgen?

Packender Schlagabtausch im Hinspiel

"Unser Trainer Lucien Favre macht sich schon wieder fleißig Gedanken, wie man den schier übermächtigen FC Bayern diesmal ärgern kann. Wir sind schließlich auch gut drauf und können die Aufgabe selbstbewusst angehen", sagte Manager Max Eberl, der auf eine ähnlich engagierte Leistung seines Teams hofft wie im Hinspiel, als Gladbach sich mit dem Starensemble einen packenden Schlagabtausch  lieferte und dem großen Favoriten ein 0:0 abtrotzte, wobei die Gastgeber sogar die größeren Siegchancen hatten.  

Auf keinen Fall wolle man nach München fahren, um lediglich Schadensbegrenzung zu betreiben, wie es andere Teams ob der Bayern-Torausbeute von 21:1 aus den letzten vier Heimpflichtspielen vielleicht machen würden. "Bayern ist die Übermacht schlechthin, aber das war immer schon so. Zuletzt haben sie immer hoch gewonnen, aber bis dahin war es oft ein hartes Stück Arbeit", so Eberl.

Genau darin sehen die Borussen ihre Chance. "Wir müssen sie stören und zu Fehlern zwingen und unser Spiel mit etwas mehr Risiko aufziehen", sagte Innenverteidiger Martin Stranzl, der es - seines Zeichens bester Zweikämpfer der Liga - mit Bayerns Mega-Offensive aufnehmen wird.

Gladbacher Passmaschine bei 91 Prozent

Eine Motivationshilfe benötige sein Team freilich nicht. "Wir können gegen eine der besten Mannschaften der Welt zeigen, was wir können. Was gibt es besseres?", so der Kapitän. Allerdings hat Gladbach in der Fremde nur eins der letzten acht Spiele gewinnen können. Zuletzt in Mainz wurde eine 2:0-Führung noch verspielt. Stranzl war zu diesem Zeitpunkt übrigens bereits ausgewechselt.

In Punkto Spielanlage braucht sich die Favre-Elf indes nicht zu verstecken. Gegen Hannover verbuchten die Gastgeber eine Passgenauigkeit von 91 Prozent - Bestwert in dieser Saison. Wenn zwei derart spiel- und offensivstarke Teams wie Bayern und Gladbach aufeinandertreffen, darf durchaus ein erneutes Spektakel erwartet werden. Denn "wenn ein Bus vor dem Tor parkt, ist es weitaus schwieriger", sagte Granit Xhaka schmunzeld in Anspielung auf Hannovers Defensiv-Taktik. 

Auch Patrick Herrmann will seinen aktuellen Lauf (acht Saisontreffer, bester Gladbacher Torschütze) unbedingt in der bayerischen Metropole fortsetzen. "In München habe ich noch nie getroffen. Ich hätte natürlich nichts dagegen, aber gegen die Bayern in ihrer momentanen Verfassung zu spielen, wird alles andere als einfach. Es wäre schön, wenn wir einen Punkt mitnehmen könnten", sagt der 24-Jährige Flügelstürmer, für den eine hochkonzentrierte Leistung die Voraussetzung dafür ist, überhaupt eine Chance zu haben. Fest steht für ihn aber auch: "Als Sportler möchte man immer gewinnen, egal wie schwierig es ist." Dafür benötigen die Fohlen laut Granit Xhake "nur einen perfekten Tag". Dann könnte es klappen, mit dem ganz großen Auftritt.

Markus Hoffmann