Berlin - Bei den Fans kannte der Jubel kannte keinen Grenzen. Die rund 7000 Düsseldorf-Anhänger im Berliner Olympiastadion feierten nach dem mit ihren Helden. "Das erste von zwei Endspielen" im Kampf um den letzten Platz in der Bundesliga hat die Fortuna gewonnen - "mehr aber auch nicht", warnte nicht nur Michael Ratajczak in einem Gespräch mit bundesliga.de aber schon Minuten später vor Überheblichkeit.

Wie der Keeper hatten das Credo von Norbert Meier alle Spieler und Offiziellen des Vereins verinnerlicht. "Die Fans dürfen feiern und sogar ein wenig euphorisch sein. Das ist ihr gutes Recht", sagte der Trainer. "Wir aber haben noch überhaupt nichts erreicht."

"Riesen-Ballast" abgefallen



Dabei hatte der Trainer schon befürchtet, dass Fortuna nach dem Hinspiel beim Bundesligisten vor einer aussichtlosen Situation stehen könnte. Nicht nur Hertha-Coach Otto Rehhagel hatte die Berliner vor der Partie als Favoriten ausgemacht. Jetzt hält die Fortuna alle Karten in der eigenen Hand. "Ich freue mich, dass alle, die schon Karten für Dienstag gekauft haben, noch einmal für mindestens 90 Minuten ein spannendes Spiel sehen werden", sagte Meier.

Besonders in der zweiten Halbzeit sah sich Meier an die hervorragende Vorrunde erinnert. Mit fünf Punkten Vorsprung auf Relegationsplatz 3 hatte die Fortuna die Vorrunde beendet und galt bei den Trainern der Konkurrenten als sicherer Direkt-Aufsteiger. Die Verfolger bekamen damals, ähnlich wie die Hertha zum Spielende, überhaupt keinen Zugriff.

Anders stellte sich die erste Hälfte, in der Düsseldorf durch Roman Hubnik in Rückstand geraten war, und die Rückrunde dar. Aber um eine ganze Saison schadlos zu halten, "so weit sind wir noch nicht, gab Meier zu: "Natürlich hat der Druck die Mannschaft belastet." Das sei zum Ende der Saison immer deutlicher geworden, je enger es wurde. Mit dem Erreichen von Rang 3 sei ein "Riesen-Ballast" von den Schultern seiner Mannschaft gefallen.

Keine Standpauke zur Pause



Das war im Spiel ebenso zu spüren wie die Erleichterung nach der Partie jedem Düsseldorfer Spieler anzusehen war. Doch von einer Vorentscheidung wollte kein Düsseldorfer sprechen. "Ich glaube nicht, dass es ein Selbstläufer wird. Wir haben heute einen Grundstein gelegt, aber noch nichts erreicht", sagte Matchwinner Thomas Bröker. Wenn die Hertha seine Qualität umsetzt, ist der Aufstieg keineswegs sicher - so wie in der ersten Halbzeit. Bröker: "Die Herthaner haben uns da stark unter Druck gesetzt. Die individuelle Stärke von Spielern wie Ramos und Raffael ist nicht zu übersehen. Wir müssen höllisch aufpassen."

Wie in der gesamten Saison zeichnete die Fortunen aber auch in Berlin der unbedingte Wille aus, sich mit dem Rückstand nicht abzufinden. Daher habe Meier in der Halbzeit auch nicht viel reden müssen. "Wir sind ganz ruhig geblieben und ganz ruhig in die zweite Halbzeit gegangen", beschrieb der 27-Jährige die Stimmung in der Kabine während Halbzeitpause.

Und ruhigbleiben will man Rhein auch bis zum kommenden Dienstag. Für Fortuna steht schließlich der erste Bundesligaaufstieg nach 15 Jahren Abstinenz auf dem Spiel. "Wir haben einen guten Grundstein gelegt, aber wer hätte denn vor dem Spiel gesagt, dass wir hier heute gewinnen, andersrum..." Den Umkehrschluss fürs Rückspiel ließ Fortuna-Präsident Peter Frymuth förmlich greifbar im Raum stehen.

Aus Berlin berichtet Jürgen Blöhs