Mönchengladbach - Gut zwei Monate nach dem "Wunder vom Niederrhein" wird es für Borussia Mönchengladbach wieder ernst. Das Team von Trainer Lucien Favre muss am Freitag in der 1. Runde des DFB-Pokals beim Drittligisten Jahn Regensburg ran. Eine Woche später folgt der Bundesligaauftakt beim FC Bayern München. In einem sind sich alle Borussen einig - die kommende Saison soll vor allem eines werden: Ruhiger.

Wie angenehm muss es sein, sich nach dem "Herzschlag-Finale" in der Relegation nun in aller Ruhe auf die kommende Spielzeit vorbereiten zu können. Nachdem Trainer Lucien Favre die "Elf vom Niederrhein" am 23. Spieltag als abgeschlagener Tabellenletzter übernommen hatte, ging es danach praktisch in jedem Spiel, wie der Schweizer regelmäßig betonte, "um Leben und Tod".

"Druck war Wahnsinn"

"Nun haben wir die nötige Zeit, um uns auf die kommende Saison vorzubereiten, mit allem was dazu gehört. Die Spieler kennen meine Philosophie und wir können intensiv taktisch und fußballerisch arbeiten", sagte ein sichtlich entspannter "Retter", der den Druck der letzten Spiele in der abgelaufenen Saison als "Wahnsinn" bezeichnete.

Nun gilt es, den Schwung aus dem "Finale furioso" mitzunehmen. Immerhin verbuchte Gladbach in den letzten vier Saisonspielen zehn Zähler und holte in zwölf Spielen unter Favres Regie 20 Punkte. Mit einer solchen Ausbeute landet man hochgerechnet normalerweise im oberen Mittelfeld.
Klar, dass die "Fohlen" ihren Blick nun auch selbstbewusst nach oben richten, denn eine solche "Zittersaison" möchte man so bald nicht wieder erleben.

Mit Dante, ohne Abstiegssorgen

"Es wäre schön, wenn wir eine Saison ohne Abstiegssorgen spielen würden", sagte Sportdirektor Max Eberl. Um diesen Wunsch zu realisieren, wurden alle Leistungsträger gehalten und der Kader zudem gezielt verstärkt.

Auch Abwehrchef Dante ("Ich möchte den nächsten Schritt in meiner Karriere machen und international spielen") hat seine Meinung inzwischen geändert. "Ein Wechsel ist kein Thema mehr. Nun will ich helfen, dass Borussia eine erfolgreichere Saison hat", erklärte der brasilianische Innenverteidiger.

Pflichtaufgabe im Pokal

Bevor am 1. Spieltag der Klassiker beim FC Bayern steigt, gilt es zunächst, sich auf die erste Runde im DFB-Pokal zu konzentrieren. Drittligist Jahn Regensburg scheint dabei auf dem Papier eine lösbare Aufgabe. Torwart Marc-Andre ter Stegen sieht sein Team gut gerüstet. "Wir sind bereit für den Start. Es ist unsere Pflicht, in Regensburg zu gewinnen. Darauf sind wir gut vorbereitet", so der 18-Jahre alte Shootingstar, der im Saisonendspurt maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hatte.

Als Lohn für seine rasante Entwicklung wird dem Keeper am 10. August die Fritz-Walter-Medaille für den besten Nachwuchsspieler der Altersklasse U19 überreicht. Ter Stegen: "Eine große Ehre und Bestätigung für meine Arbeit".

An der Chancenverwertung arbeiten

Im letzten Härtetest der Vorbereitung kam Mönchengladbach am vergangenen Samstag trotz engagierter Leistung, wie schon zuvor gegen den FC Porto, nicht über ein 0:0 gegen den englischen Premier-League-Club FC Sunderland hinaus.

"Mir hat gefallen, wie wir uns die Torchancen erarbeitet haben. An der Chancenverwertung müssen wir natürlich noch arbeiten", analysierte Favre, der gegen Regensburg möglicherweise die gleiche Elf wie gegen die Engländer auf den Rasen schicken wird.

Für Juan Arango (Copa America) dürfte auf der linken Seite Neuzugang Lukas Rupp (Karlsruher SC) seine Chance bekommen. Ansonsten vertraut Favre auf die bewährten Kräfte der Vorsaison, wobei in Angreifer Mathew Leckie (Adelaide Utd.), Defensivspezialist Oscar Wendt (FC Kopenhagen) und Rückkehrer Raul Bobadilla einige neue Alternativen zur Verfügung stehen.

Tore noch aufgespart

"Grundsätzlich bin ich mit dem aktuellen Stand der Mannschaft zufrieden. Wir kombinieren gut und stehen defensiv sicher." Die Tore habe man sich laut Maik Hanke übrigens für den Saisonstart aufgespart. Am besten auch schon für die Pokalaufgabe am Freitag, damit die entspannte Ruhe in Mönchengladbach noch ein wenig anhält.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann