München - Mit der Eröffnung der Sonderausstellung "Kaiser. Kalle. Bomber" in der FC Bayern-Erlebniswelt, huldigt der FC Bayern München drei seiner Vereinsikonen: Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge, die 861 Tore geschossen und 1.614 Spiele für den deutschen Rekordmeister absolviert haben.

Franz Beckenbauer, Ehrenpräsident des FC Bayern, und Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, haben die Sonderausstellung offiziell eröffnet. Dabei sprach bundesliga.de exklusiv mit Beckenbauer über die derzeitige Form des FC Bayern, das Rückspiel gegen den FC Barcelona im Halbfinale der Champions League sowie über die Arbeit von Pep Guardiola.

"Wunder gibt es immer wieder"

bundesliga.de: Franz Beckenbauer, glauben Sie noch daran, dass der FC Bayern München nach dem 0:3 beim FC Barcelona ins Finale der Champions League einziehen kann?

Franz Beckenbauer: Ich habe sehr große Zweifel, weil Barcelona in einer großartigen Form ist, das haben wir ja am vergangenen Mittwoch erlebt. Obwohl das Hinspiel auch unglücklich verlaufen ist. In der ersten Halbzeit hatten wir Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten sind und danach haben wir das Spiel kontrolliert. Und so spät im Spiel kriegen wir durch einen individuellen Fehler das erste Tor, danach geraten wir in Rückstand und dementsprechend haben sich die Fehler gehäuft. Vor allem das 0:3 ist ärgerlich, das ist sogar sehr ärgerlich, weil wir beim Stand von 0:2 noch eine Chance gehabt hätten. Es ist schade, dass wir drei Treffer in der letzten Viertelstunde kassiert haben. Insofern wird es unglaublich schwierig, irgendetwas zu holen. Aber Wunder gibt es immer wieder.

bundesliga.de: Wie kann dieses Wunder funktionieren?

Beckenbauer: Wie gesagt: Ich bin selber etwas ratlos, wie es funktionieren soll. Aber die Spieler werden alles geben und versuchen, die Spanier unter Druck zu setzen. Vielleicht geht dann was mit einem frühen Tor, einer tollen Atmosphäre. Die Zuschauer würden dann ihre Mannschaft noch mehr anpeitschen (Hintergrund: Gedämpft euphorisch, gelassen optimistisch).

bundesliga.de: Also ähnlich wie im Viertelfinale gegen den FC Porto?

Beckenbauer: Genau, auch wenn man den FC Barcelona nicht mit dem FC Porto vergleichen kann, Barca ist da schon ein anderes Kaliber. Aber auch da waren vor dem Rückspiel viele Leute skeptisch, dass es der FC Bayern noch schafft.

"Wir sind froh, dass wir Guardiola haben"

bundesliga.de: Ist Lionel Messi nicht zu stoppen?

Beckenbauer: Seit ein paar Monaten ist er wieder in seiner besten Verfassung, nachdem er eine Zeit lang nicht topfit war. Bei Barca macht er den Unterschied, ohne ihn ist der FC Barcelona eine ganz normale Mannschaft. Er ist unglaublich.

bundesliga.de: Wie erklären Sie, dass dem FC Bayern im Endspurt etwas die Luft ausgeht?

Beckenbauer: Es ist ja klar, dass wir speziell in dieser Saison viel Pech mit Verletzungen hatten. Kaum sind Spieler wie Thiago, Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez oder Philipp Lahm zurück, da fallen Arjen Robben, Franck Ribéry, Holger Badstuber und David Alaba wochenlang aus. Pep Guardiola konnte nie aus dem Vollen schöpfen. Aber wenn du in einem Champions-League-Halbfinale auf eine Mannschaft wie den FC Barcelona triffst, musst du aus dem Vollen schöpfen können. Und bei Barca gibt es gar keinen Stammspieler, der momentan verletzt ist. Die Quittung haben wir im Camp Nou bekommen.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Arbeit von Pep Guardiola?

Beckenbauer: Ich hoffe, dass er dem FC Bayern noch lange erhalten bleibt. Was ich so höre, sind im Verein alle von ihm schlichtweg begeistert. Er hat eine neue Struktur in die Mannschaft gebracht. Er absolviert seine Arbeit höchst professionell. Wir sind froh, dass wir ihn haben.

Das Interview führte Alexis Menuge