Seit Saisonbeginn ist Thomas Ernst als Vorstand Sport & Medien beim VfL Bochum tätig. Der ehemalige Torwart, der von 1995 bis Dezember 2000 den VfL- Kasten hütete, äußert sich im Interview über die unbefriedigende Situation, mangelnde Punkte und falsche Presseberichte.

Für Ernst, der sich der schwierigen Lage absolut bewusst ist, zählen momentan nur Punkte, wie er im Gespräch verriet.

Frage: Herr Ernst, lassen Sie uns direkt einsteigen: Zehn Punkte nach 14 Spieltagen sind zu wenig. Was muss geschehen?

Thomas Ernst: Um nicht auf einem Abstiegsplatz zu überwintern, brauchen wir aus den restlichen drei Spielen sechs Punkte. Dazu muss die Mannschaft über dreimal 90 Minuten alles geben, Charakter zeigen und über ihre Grenzen hinaus gehen. Wir befinden uns im Abstiegskampf, da sind zunächst die sogenannten "Basics" wie Kampfkraft und Leidenschaft gefragt. Über diese Attribute muss das Team in den folgenden Spielen eines Siegeswillen an den Tag legen, der uns die Punkte einbringt. Denn nur das ist es letztlich, was wir unbedingt benötigen: Punkte!

Frage: Nun titelt eine Boulevard-Zeitung zu Wochenbeginn mit: Galgenfrist für Koller! Was ist da dran?

Ernst: Das ist völliger Quatsch. Ich sehe, wie unser Trainer Tag für Tag mit den Spielern arbeitet, was er investiert und wie er mit der Mannschaft umgeht. Außerdem sehe ich, wie die Spieler auf ihn und seine Ansagen reagieren. In allen Auftritten dieser Saison, ausgenommen die erste Halbzeit gegen Berlin, waren wir alles andere als ein desolater Haufen. Und auch am Samstag habe ich gesehen, wie die Mannschaft auf die Halbzeit-Ansprache des Trainers reagiert hat. Für mich gibt es keinen Zweifel, dass er, auch aufgrund seiner Erfahrung in solchen Situationen, der richtige Mann für uns ist. Ich sehe an dieser Stelle vielmehr unsere Spieler in der Verantwortung.

Frage: Wie kommt das Blatt auf eine solche Idee?

Ernst: Ich habe in besagtem Gespräch lediglich festgestellt, dass wir vor Weihnachten noch sechs Punkte holen müssen, wenn wir nicht auf einem Abstiegsplatz überwintern wollen. Hieraus eine Trainerdiskussion abzuleiten, ist - wie schon gesagt - völliger Quatsch.

Frage: Wie gehen Marcel Koller und Sie die prekäre Situation an?

Ernst: Indem wir ganz klar die Spieler in die Pflicht nehmen. Wir werden uns weiterhin in der Öffentlichkeit vor unsere Mannschaft stellen, aber die Spieler sind diejenigen, die für diese Situation verantwortlich sind, also können wir auch von ihnen verlangen, dass sie alles, aber auch wirklich alles dafür tun, um sich wieder aus ihr zu befreien. Unser Verletzungspech und die damit erschwerte Vorbereitung erklärt vielleicht einiges, aber anderen Mannschaften ist es auch gelungen, trotz solcher Probleme ihre Punkte einzufahren. Auch wir haben zu jedem Spiel einen kompletten Kader am Start gehabt, der, mit Verlaub gesagt, Bundesligapotential hat. Ich erwarte von allen Spielern die erforderliche "Galligkeit" über die vollen neunzig Minuten, nur so können wir in der Bundesliga bestehen.

Das vollständige Interview finden Sie auf der Webseite des VfL Bochum.