Meisterfeier, Abstiegsdrama oder auch der Kampf um die Torjägerkanone liegen noch keine vier Wochen zurück, da beginnt in der Bundesliga schon wieder die Vorbereitung auf die kommende Spielzeit. Training, Trainingslager und jede Menge Testspiele stehen für alle 18 Clubs bis Anfang August auf dem Plan.

Einer, der die Sommerpause, welche eigentlich keine Pause kennt, sowohl als Spieler als auch als Trainer erlebt hat, ist Guido Buchwald. Bei bundesliga.de spricht der ehemalige 76-fache deutsche Nationalspieler über die Schwerpunkte der Saisonvorbereitung, die fehlende Winterpause in der kommenden Saison, die Auswahl der Trainingslagerorte und die vielen neuen Chefs an der Seitenlinie.

bundesliga.de: Herr Buchwald, es ist die Zeit der Saisonvorbereitung. Wie bereitet man eine Mannschaft eigentlich auf eine lange Spielzeit vor? Auf welche Schwerpunkte konzentriert man sich?

Guido Buchwald: Die Sommervorbereitung ist nach einer relativ langen Pause unheimlich wichtig. Hier legt man in den ersten zwei bis drei Wochen die Basis, also die konditionelle Grundausdauer. Im spielerischen Bereich schaut man, dass das Team sich einspielt, dass gerade die neuen Spieler integriert werden, dass die Automatismen funktionieren und studiert das System ein, mit dem man dann auch spielen will.

bundesliga.de: Welche Rolle spielt in der Vorbereitung gerade in diesem Jahr die Tatsache, dass es keine wirkliche Winterpause gibt?

Buchwald: Man muss während der Saison einfach öfter dosieren, manchmal eher individuell arbeiten. Immerhin folgt 2010 auf eine lange Saison noch die FIFA Weltmeisterschaft in Südafrika.

bundesliga.de: Wie sieht es mit der Belastung im Trainingslager selbst aus?

Buchwald:Im Sommer muss man die Spieler auf ein Top-Level bringen. Grundsätzlich kommt es immer darauf an, ob eine Mannschaft stark in den europäischen Clubwettbewerben eingebunden ist, wie viele Nationalspieler man in den eigenen Reihen hat - an all dem sollte man die Belastung auch ausrichten.

bundesliga.de: Während es die Teams im Winter nach Südeuropa oder noch weiter weg verschlagen hat, schwören im Sommer fast alle Bundesligisten auf ein Trainingslager in Österreich. Welche Vorteile bietet das Ausland im Vergleich zu einem Trainingslager beispielsweise auf Sylt?

Buchwald: Wenn wie in diesem Jahr viele Teams in Österreich ihr Lager aufschlagen, kann man eben zur Vorbereitung viele Spiele gegen gute Gegner machen. Wenn die Trainingsplätze stimmen, wenn das Hotel passt, dann spricht aus meiner Sicht eigentlich auch nichts gegen Sylt. Wichtig ist einfach, dass man in Ruhe arbeiten kann und dass die Mannschaft zusammen ist.

bundesliga.de: Die eine Sache ist die physische Vorbereitung, wie sieht es aber mit der mentalen Seite aus? Wie bekommt man den eigenen Kopf und die der Spieler wieder frei für eine neue Saison?

Buchwald: Wenn es keine WM oder EM gab, also eine normale Saison stattgefunden hat, sind die Spieler nach der relativ langen Pause ohnehin wieder motiviert und heiß drauf, in die neue Saison zu gehen. Es gibt andere Mitspieler, die Mannschaft ist frisch zusammengestellt, die neuen Spieler müssen sich integrieren, die in der Mannschaft verbliebenen Spieler müssen die neuen Spieler gut aufnehmen. Es herrscht also grundsätzlich eine neue Situation, durch die man den Kopf frei bekommt und auch wieder neue Ziele definieren kann.

bundesliga.de: Bei allen acht neuen Trainern ist die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit hoch: Der international erfahrene Louis van Gaal soll den FC Bayern München wieder zum Meister machen, Felix Magath den FC Schalke 04 wieder in die Erfolgsspur bringen und Armin Veh möglichst mit dem VfL Wolfsburg die Meisterschaft verteidigen. Schwierige Voraussetzungen für die neuen Trainer der Bundesliga, oder?

Buchwald: Erwartungen muss man haben, schließlich setzt sich ja auch jeder Trainer selbst hohe Ziele. Es ist doch klar, dass Felix Magath, der mit dem FC Bayern und dem VfL Wolfsburg Meister wurde, auch mit Schalke den Anspruch hat, wieder nach oben zu kommen. Und Armin Veh ist sicherlich froh, einen Topclub wie den VfL Wolfsburg bekommen zu haben, das ist ein unheimlicher Anreiz. Da aber bei vielen Mannschaften die Ansprüche hoch sind, ist es auch normal, dass einige ihre Ziele nicht erreichen werden.

bundesliga.de Auf wen von den neuen Trainern sind Sie eigentlich besonders gespannt?

Buchwald: Auf Louis van Gaal beim FC Bayern, denn er ist ja ganz neu in der Bundesliga. Von daher bin ich schon gespannt, wie er die Mannschaft führt, wie er sie trainiert und wie er mit der Mannschaft seine Ziele erreichen möchte.

bundesliga.de: Welche Rolle spielen Einzelgespräche mit den Spielern speziell für die neuen Trainer im Profifußball?

Buchwald: Wenn man neu in einen Club kommt, muss man sich mit jedem Spieler befassen und Einzelgespräche führen, um auch die Spieler, die man etwa noch als Gegner gekannt hat, besser kennenzulernen, zu sehen, wie sie ticken, wie sie sich selbst einschätzen und was für Charaktere sie haben. Dann kann man Spieler auch auf die richtige Position setzen und sie wirklich motivieren. Um erfolgreich zu sein, muss man einfach das Mannschaftsgefüge richtig einschätzen.

Das Gespräch führte Markus Schmidt