Das Bremer Wetter der letzten Tage passte hervorragend zur Stimmung bei Werder nach dem 1:1 im Spitzenspiel gegen Schalke 04 am vergangenen Samstag: Eine dichte Wolkendecke wurde in der Hansestadt nur gelegentlich von vereinzelten Sonnenstrahlen aufgerissen.

Der Grund für die tendenziell schlechte Stimmung ist klar: Nach zwei Saisonspielen hat der Vizemeister der vergangenen Spielzeit gerade mal zwei mickrige Pünktchen auf dem Konto - zu wenig für Werders Ambitionen. Zu dem Unmut über die reinen Ergebnisse, gesellt sich der Ärger über die Art und Weise, wie diese zustande gekommen sind. Dreimal lagen die "Grün-Weißen" bisher in Front, jedes Mal kassierten sie noch den Ausgleich.

"Wir müssen dauerhaft verhindern, in Führung zu sein und dann noch die Spiele abzugeben", fordert Geschäftsführer Klaus Allofs, der nach dem zweiten Remis in Folge nicht wirklich glücklich dreinschaute.

Sonderapplaus für Pizarro

Was ihn aber trotzdem kurzzeitig lächeln ließ, war die Leistung zweier Werder-Profis, die gegen Schalke besonders im Blickpunkt standen. Zum einen Rückkehrer Claudio Pizarro, der bloß vergaß, sein starkes Debüt mit einem Treffer zu krönen.

Aber der Peruaner wusste auch ohne Torerfolg zu überzeugen. Beweglich, ball- und kombinationssicher präsentierte sich Pizarro in seinem ersten Spiel für die Bremer seit sieben Jahren. Von den Fans gab es Sonderapplaus bei seiner Auswechslung.

Özil bester Mann auf dem Platz

Zum anderen Mesut Özil, der sich in Abwesenheit des etatmäßigen Spielmachers Diego zum besten Mann auf dem Platz aufschwang. Nach schüchternem Beginn wurde der U21-Nationalspieler immer stärker, mustergültig bereitete er den Führungstreffer durch Torsten Frings vor.

"Mesut ist mit der Dauer des Spiels immer selbstbewusster und sicherer geworden", lobte Trainer Thomas Schaaf seinen Schützling. Durch die starke Leistung gegen seinen Ex-Club hat Özil seinen Coach jetzt in eine Zwickmühle gebracht.

Spielmacher Diego ist zurück von seinem Olympia-Trip, den er mit der Bronzemedaille abschloss. Am Montag landete der Brasilianer um 20:20 Uhr auf dem Bremer Flughafen, am Dienstag vormittag trainierte er erstmals wieder mit der Mannschaft.

Diego fehlt erneut

In der lokalen Presse wurde nun darüber spekuliert, ob dem Brasilianer am kommenden Samstag in Mönchengladbach ein Platz auf der Bank droht. Nicht nur wegen der überzeugenden Vorstellung seines Vertreters. Auch Diegos Fitness-Stand nach dem kräftezehrenden Olympia-Turnier soll erst untersucht werden. "Wir müssen sehen, in welcher Verfassung er ist. Dann schauen wir, ob es schon für einen Einsatz reicht", sagte Allofs, der gemeinsam mit Schaaf noch vor dem Training ein Gespräch mit Diego hatte.

Allzu lange werden sich die Bremer aber nicht über ihren Nummer zehn freuen können. Der brasilianische Verband nominierte Diego für die WM-Qualifikationsspiele in Chile und gegen Bolivien (7. und 10. September).