Köln - Finger weg von der Schale, das Kloppomobil und verschwundene Wahlurnen - bundesliga.de präsentiert die skurilsten, witzigsten und außergewöhnlichsten Fanstorys rund um die Bundesliga.

Spott mit Niveau

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Als der FC Schalke 04 im Mai 2007 ausgerechnet in Dortmund hätte Deutscher Meister werden können, bastelten BVB-Fans ein noch heute berühmtes Plakat. "Nur gucken, nicht anfassen!" stand darauf, zu sehen im Klein-Format, daneben die Meisterschale. Eine Anspielung auf einen Werbespott mit Schalke-Manager Rudi Assauer, dem seine damalige Partnerin Simone Thomalla nur den Blick in den Kühlschrank, aber nicht den Griff nach der Bier-Flasche gestattete. Den Griff nach der Schale verbot ihm dann der BVB (2:0-Sieg), und seine Fans hatten recht bekommen.

Abschieds-Prozession

Als Mainz 05 am 14. Mai 2011 sein letztes Spiel am Bruchweg absolvierte, wurde das Stadion von seinen Fans feierlich verabschiedet. Geschlossen marschierten Tausende am Vormittag zum Stadion und trugen dabei eigens angefertigte Abschieds-Shirts. Und vor der neuen Saison fand dann eine Begrüßungs-Prozession für die Coface-Arena statt. Da begann der Marsch am alten Stadion. Eine Abstimmung mit den Füßen.

Bayrische Filmemacher

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Die Südkurven-Fans des FC Bayern machten sich 2014 um die Club-Geschichte verdient – und schrieben auch ein Stückchen Film-Geschichte mit. Auf ihre Initiative hin wurde an den großen Präsidenten des Clubs, den von den Nazis verfolgten Juden Kurt Landauer, erinnert. Mit einer Ausstellung ("Nie wieder"), aber auch mit einer Choreographie am 2. Februar im Heimspiel gegen Frankfurt. In dem Moment, als diese ausgeführt wurde, fiel dem in der Allianz Arena sitzenden Filmemacher Michael Souveignier ein Stein vom Herzen. Es war die geplante Schluss-Szene für seinen Spielfilm, der Monate später in der ARD erschien. Die Fans hatten es ihm versprochen, aber bis zuletzt hatte er seine Zweifel. Nun bekam der Film sein würdiges Ende.

Demokratie auf Schalker Art

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Auf Schalke ist alles anders: vor einem Spiel im März 1975 gegen die Bayern ließ Schalke seine Fans abstimmen (30 Holz-Urnen an den Eingängen), ob der Club den Brasilianer Francisco Marinho für eine Ablöse von1,4 Millionen Mark kaufen sollte oder nicht. Mitbestimmung deshalb, weil die zweite Stimme die "Marinho-Mark" betraf, wodurch alle Tickets 1 DM teurer werden sollten. Wer dafür war, musste "Zuschlag" ankreuzen. Marinho wurde bereits im Stadion vorgestellt. Tausende gaben ihr Votum ab, doch letztlich fand man am nächsten Tag nur 450 Stimmen in den Urnen. "Die Müllabfuhr hat die Zettel auf die Kippe gebracht", vermutete Clubpräsident Günter Siebert, der mit der winzigen Stichprobe zufrieden war. Laut der verbliebenen Zettel votierten 75 Prozent für Marinho und 60 Prozent gegen einen Zuschlag. Am 11. März folgte schließlich das Nein des Verwaltungsrats, der bei allen Ausgaben über 50.000 DM das letzte Wort hatte. Dessen Vorsitzender Karl-Heinz Lange: "Die Förderung der Jugendarbeit muss Vorrang vor spektakulären Spielereinkäufen besitzen." Marinho trainierte noch einmal mit Schalke - und flog dann in seine Heimat.

Klopp macht mobil

Mit dem Aufstieg des 1. FSV Mainz 05 in die Bundesliga wurde auch ein Bundeswehr-LKW, ein 17 Tonner, bekannt wie ein bunter Hund. Das Ehepaar Duesberg widmete es dem FSV-Trainer Jürgen Klopp, der den LKW schon 2002 auf den Namen "Kloppomobil" taufte. Mit Champagner. Mit dem auffällig bemalten LKW düste das Paar zu jedem Mainzer Spiel, und in der spielfreien Zeit machten sie sogar auf anderen Kontinenten Werbung für ihren Verein und ihr Idol Jürgen Klopp.

Zu tief ins Glas geschaut

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Beim Auswärtsspiel von Rot-Weiß Essen bei Werder Bremen kam 1969 ein alkoholisierter RWE-Fan seinem eigenen Torwart Fred Bockholt etwas zu nahe. Er gelangte ungehindert in den Innenraum und textete Bockholt zu, ("er redete ermunternd auf mich ein"), was den so ablenkte, dass prompt das 2:1 fiel. Bei Björnmoses Schuss stand der Fan sogar schon auf dem Feld. RWE protestierte, Schiri Binder ("Die Regeln sagen eindeutig, dass ich auf Tor entscheiden muss, solange der Zuschauer nicht entscheidend in das Spiel eingegriffen hat - und dazu war er nicht in der Lage"), blieb hart – Tor zählte, Punkte weg.

Die Trainer-Retter

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Im Februar 2003 war beim 1. FC Nürnberg die Entlassung von Trainer Klaus Augenthaler im Falle einer Heimniederlage gegen Hertha BSC schon ausgemachte Sache. Die Franken verloren wirklich (0:3), aber "Auge" blieb. Denn die Fans feierten den Weltmeister und Aufstiegs-Trainer dermaßen enthusiastisch, dass Präsident Michael A. Roth einen Rückzieher machte. "Wir können doch unsern beliebten Trainer nicht entlassen." Vier Wochen später musste Augenthaler dennoch seinen Hut nehmen.

Von Udo Muras

Teil I der skurilsten Fangeschichten