Mönchengladbach - Nach zuvor neun Heimsiegen in Folge gab Borussia Mönchengladbach wieder Punkte im eigenen Stadion ab, doch die1:3-Niederlage gegen den FC Augsburg wurde schnell zur Nebensache. Nach dem Schlusspfiff wurde der Borussia-Park zur großen Partyzone. Mannschaft und Trainer feierten gemeinsam mit den Fans den Abschluss einer herausragenden Saison, in der sich die Fohlenelf erstmals für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert hat. Ein wenig Wehmut mischte dennoch mit.

Christoph Kramers Wunsch hat sich am Ende natürlich erfüllt. Blumenstrauß und Bilderrahmen bräuchte er zum Abschied nicht, hat er im Vorfeld gesagt, - bekommen hat er beides trotzdem - aber einmal mit den Fans die Vereinshymne "die Seele brennt" zu singen, "das wäre großartig". So stand er schließlich gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen auf dem Zaun der Nordkurve, während es aus tausenden Kehlen schallte: "Die Seele brennt. Für unseren einzig wahren Star. Für Mönchengladbach VfL Borussia. Stolzer Blick zurück, volle Kraft nach vorn. Für den Namen den die Welt so glorreich kennt. Die Seele brennt."

Schritt auf höchstes Niveau - Auf in die Champions League

Wahrlich mit Stolz kann die Borussia auf eine nahezu perfekte Saison zurückblicken. 66 Punkte, Platz drei, nur 26 Gegentore, lediglich 10 davon in der Rückrunde – das hat in der Bundesligageschichte noch nie ein Team geschafft – dazu mit 39 Punkten beste Rückrundenmannschaft. Angesichts dieser Zahlen konnte sich auch der sonst so zurückhaltende Trainer den Feierlichkeiten nicht entziehen. Auch wenn das Bad in der Menge nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, ließ er sich dazu bewegen, mit Mannschaft und Trainerteam die La-Ola-Welle anzuschieben.

"Die Fans sind einfach top. Sie haben uns immer super unterstützt und haben ein gutes Gespür für den Fußball", lobte der Schweizer die an diesem Tag frenetisch feiernden Anhänger. "Auf, auf, auf in die Champions League" (zur Melodie von "blau, blau, blau blüht der Enzian"), das Lieblingslied der letzen Wochen, wurde wieder und wieder angestimmt. Erst im Stadion, danach rund um die Bühne hinter der Nordtribüne, auf der die Mannschaft am Abend mit rund 20.000 Fans weiter feierte.

"Das war eine absolute Gänsehaut-Atmosphäre", berichtete Andre Hahn. Und Patrick Herrmann konnte immer noch nicht so richtig fassen, was der Club, der vor vier Jahren noch mit anderthalb Beinen in der zweiten Liga stand, vollbracht hat. "Es fühlt sich einfach nur phänomenal an, dass wir nächste Saison in der Champions League spielen, auch wenn ich das eigentlich immer noch nicht so richtig realisiert habe", meinte der Flügelflitzer, der mit Gladbach im vierten Jahr unter Favre zum dritten Mal in den Europapokal einzieht. Das Team hat den nächsten Schritt in seiner atemberaubenden Entwicklung gemacht und darf sich nun in der neuen Spielzeit auf höchstem Niveau möglicherweise mit  Gegnern wie Real Madrid, FC Barcelona, FC Chelsea oder Juventus Turin messen.

Vier Stars nehmen Abschied

Mit seiner Art Fußball spielen zu lassen – basierend auf viel Ballbesitz, sicherem Kombinationsspiel und überfallartigen Kontern - habe Favre inzwischen sogar schon "eine Ära geprägt", sagt Max Eberl, der den 57-Jährige immer wieder gerne als "absoluten Glücksgriff" für den Verein bezeichnet. In der Sommerpause hat der Manager indes noch einiges zu tun, denn in Max Kruse (VfL Wolfsburg) und Christoph Kramer (Leverkusen) verlassen wichtige Stützen die Elf vom Niederrhein. Lars Stindl von Hannover 96 steht dagegen bereits als Neuzugang fest.

"Es war eine tolle Zeit. Nun mache ich den nächsten Schritt", sagte Kruse, der sich mit 11 Toren und neun Vorlagen in Richtung Vizemeister Wolfsburg verabschiedet. Auch Christoph Kramer nimmt nicht nur " einen Rucksack voller schöner Erinnerungen, sondern auch noch zusätzlich zwei Koffer voll davon" mit zu seinem neuen Verein Bayer 04 Leverkusen. Auch der langjährige Kapitän Filip Daems, den es in seine belgische Heimat zum KVC Westerlo zieht und Thorben Marx (Karriereende) nehmen Abschied vom Borussia Park, wo in der kommenden Saison die legendäre Hymne der Königsklasse ertönen wird. Nicht nur dann wird in Gladbachs Fußball-Tempel wieder "die Seele brennen".  

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann