München - Bayern gegen Bremen - das Nord-Süd-Duell war immer ein Spiel mit vielen Emotionen und ist auch in dieser Saison ein absolutes Top-Spiel: Der FCB will an die Tabellenspitze zurück und die Bremer, die nur zwei Punkte hinter dem Rekordmeister liegen, die Münchner hinter sich lassen.

Und Werder hat in jüngerer Vergangenheit bei den Bayern immer etwas geholt: Bremen hat die jüngsten fünf Bundesliga-Partien in München nicht verloren, im Herbst 2008 sogar 5:2 in der Allianz Arena gewonnen. Bayern bleibt dennoch der Favorit - doch welche Mannschaft ist auf den Schlüsselpositionen besser besetzt? bundesliga.de wirft einen genauen Blick auf die einzelnen Duelle.

Manuel Neuer - Sebastian Mielitz

Ein ungleiches Duell auf der Torhüterposition: Der unangefochtene Nationalkeeper gegen Bremens Ersatzmann - Stammtorwart Wiese fehlt im Spitzenspiel wegen des Tods seines Vaters. Neuer ist das Maß aller Dinge unter Deutschlands Torhütern, auch wenn er mit dem FCB zuletzt kaum mehr ohne Gegentreffer blieb. Seine Serie von 770 Minuten ohne Gegentor riss gegen Hannover, zuletzt musste der 25-Jährige in fünf Spielen sieben Mal hinter sich greifen. Dennoch hat er starke Werte: 76 Prozent der Torschüsse wehrte er ab und hielt seinen Kasten neun Mal sauber (Ligaspitze). Für Mielitz, der im Allgemeinen einen sicheren Eindruck macht, ist es erst der fünfte Saisoneinsatz. Bisher kassierte er immer mindestens einen Treffer - überhaupt blieb er in zwölf Bundesligaspielen erst zwei Mal gegentorlos. Von 15 Torschüssen auf sein Tor waren sieben drin. Der Punkt geht klar an die Bayern.

Holger Badstuber - Naldo

Zwei außergewöhnlich starke Innenverteidiger messen sich auf dieser Position. Nationalverteidiger Badstuber ist extrem ballsicher, nur sieben Prozent Fehlpassquote bedeuten einen der besten Werte ligaweit. Beim FCB ist zudem nur Daniel van Buyten zweikampfstärker (68 Prozent gewonnen). In der Offensive glänzt Badstuber mit gefährlichen Freistoßflanken. Auch Bremens Naldo geht oft mit nach vorne - und das mit Gewalt. Sein Hammerfreistoß gegen Stuttgart war Maßarbeit und belegt, dass der lange verletzte Brasilianer wieder voll da ist: Mit 73 Prozent gewonnenen Duellen ist er der zweikampfstärkste Bundesligaprofi und aus Werders Abwehr nicht mehr wegzudenken. Die beiden Top-Verteidiger begegnen sich auf Augenhöhe.

Luiz Gustavo - Philipp Bargfrede

Auf der Position im defensiven Mittelfeld haben die Teams derzeit keine herausragenden Akteure zur Verfügung. Bei Bayern fehlt Bastian Schweinsteiger an allen Ecken und Enden, ohne den Nationalspieler gingen die beiden letzten Bundesligaspiele verloren. Auch Anatoliy Tymoshchuk ist noch gesperrt. So ist es an Gustavo, das Spiel zu machen. Eine Fehlpassquote von sechs Prozent ist ligaspitze, belegt aber auch, dass der Brasilianer in der Regel mit zu wenig Risiko agiert und den Pass in die Tiefe scheut. Bremens Bargfrede verbesserte sich in dieser Saison zwar, was die Zweikämpfe angeht (von 48 auf 54 Prozent gewonnene Duelle), kein Spieler hat aber durch Ballverluste schon mehr als ein Gegentor verschuldet, außer Bargfrede. Zudem ist er in 63 Bundesligaspielen noch ohne einen einzigen Treffer. Insgesamt haben die Bayern hier wohl leichte Vorteile.

Franck Ribery - Aaron Hunt

Auf der Außenbahn haben die Teams ihre stärksten Akteure im Techniker Ribery und "Laufwunder" Hunt. Der Franzose ist der Top-Vorbereiter (acht Vorlagen) und der torgefährlichste Mittelfeldspieler (sechs Tore) der Bundesliga. Nach Gomez und Pizarro ist er zudem der beste Scorer ligaweit. Der Dribbler ist oft nur durch Fouls zu bremsen, nur Wolfsburgs Mandzukic wurde öfter unfair gestoppt. Auf Bremer Seite erlebt Hunt (durchschnittliche Laufstrecke pro 90 Minuten über 11,6 Kilometer) gerade seine vielleicht stärkste Saison. Er kommt auf die meiste Spielzeit aller Bremer, traf bereits drei Mal und war ligaweit an den drittmeisten Torschüssen beteiligt. Zudem ist er viel zweikampfstärker (von 38 auf 51 Prozent) als im Vorjahr und wurde so oft gefoult wie kein anderer Bremer. Hunt ist ganz klar im Kommen - doch erreicht dennoch nicht Riberys Extraklasse.

Mario Gomez - Claudio Pizarro

Geballte Qualität trifft in den Angriffsreihen aufeinander - falls Werders Pizarro es bis zum Spiel schafft, fit zu werden. Der Peruaner fehlte wegen Kniebeschwerden gegen Stuttgart, stieg allerdings am Dienstag wieder ins Lauftraining ein. Auch Gomez brach am Mittwoch das Training ab, kann aber wohl auflaufen. Der beste Schütze und Scorer der Vorsaison führt erneut die Torjägerliste an (13 Tore) und spielt in der Form seines Lebens, arbeitet auch nach hinten mit und gewann starke 45 Prozent seiner Duelle. Wenn ihm derzeit aber einer das Wasser reichen kann, dann Pizarro: Der Bremer liegt bei elf Toren und führt gemeinsam mit Gomez die aktuelle Scorerliste (15 Punkte) an. Er ist bei Bremen unersetzbar, ohne ihn gewann der SVW seit 2008 nur fünf von 30 Spielen. Die beiden Super-Knipser nehmen sich nichts und besonders Bremen hofft auf seinen wichtigsten Mann.

Christoph Gschoßmann