München/Hamburg - Der Name des Erzrivalen kommt Peter Lohmeyer allenfalls aus Versehen über die Lippen. Das gehört sich so als Schalker. Seit Kindertagen ist der Schauspieler leidenschaftlicher Anhänger der "Knappen".

Spätestens seit seiner Hauptrolle in Sönke Wortmanns Film "Das Wunder von Bern" 2003 ist Lohmeyer wohl auch allen Fußballfans in Deutschland ein Begriff. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 49-Jährige über Schalkes Titelchancen, die Rivalität mit dem BVB und den Ritterschlag durch "den Paul Breitner von England".

bundesliga.de: Herr Lohmeyer, wie zufrieden sind Sie mit der Hinrunde von Schalke 04?

Peter Lohmeyer: Wider den Erwartungen sind sie da oben hängen geblieben, kein Mensch hat damit gerechnet. Als Schalke-Fan frage ich mich aber schon: Entspricht der Tabellenplatz dem Fußball, den sie gespielt haben? Für mich ist die Schalker Hinrunde ein Rätsel gewesen, das erst am 17. Spieltag gelöst wurde.

bundesliga.de: Mit dem 5:0 gegen Bremen eine durchaus ansehnliche Auflösung...

Lohmeyer: Während der Hinrunde habe ich auf die Seele des Spiels gewartet. Häufig macht ein Spielführer diese Seele aus, einer der die Fäden zieht. Bei Schalke gibt es den nicht, deshalb hat sich offenbar am Ende die ganze Mannschaft entschlossen, diese Seele zu sein. Vorher hat häufig die individuelle Klasse eines Farfan, Raul oder Huntelaar den Ausschlag gegeben. Erst gegen Werder hat alles zusammengepasst.

bundesliga.de: Immerhin hat es trotzdem für Platz 3 gereicht. Wenn nun diese "Seele" da ist, müsste Schalke ja einer rosigen Rückrunde entgegen sehen, oder?

Lohmeyer: In der Hinsicht bin ich hoffnungsvoll. Wenn sie das behalten, kann man an mehr glauben. Vorher hat das einfach gefehlt. Eklatant sichtbar im Revierderby gegen unsere Nachbarn: Schalke hat gegen ein eingespieltes Kollektiv verloren. In der Form wie gegen Bremen hätte Schalke auch gegen Lüdenscheid Nord eine Chance gehabt.

bundesliga.de: Sie glauben nun also an den Titel?

Lohmeyer: Der Glaube ist bei mir immer da. Wir haben nicht die spielerische Qualität wie Bayern oder unsere Nachbarn, die beiden stehen zu Recht über uns. Sollte bei denen aber das Verletzungspech zuschlagen, oder sollte es in irgendeiner Form Knatsch geben, dann kann es ruck zuck passieren, dass wir vorbeiziehen.

bundesliga.de: Als Schalke-Fan vermeiden Sie es, wo es geht, die Dortmunder beim Namen zu nennen. War die vergangene Saison schlimm für Sie?

Lohmeyer: Überhaupt nicht. Es gab nur einfach nichts zu feiern für mich. Meinen Kollegen Joachim Krol und Dietmar Bär habe ich aber eine SMS geschickt und gratuliert. Ich habe selbst gekickt, deshalb finde ich es prima, wenn ein Verein solchen Fußball spielt. Und wie dort gearbeitet wird, hat unglaubliches Entwicklungspotenzial. In den Zeitungen habe ich eben immer ein paar Seiten mit Jubelfotos überblättern müssen.

bundesliga.de: Wie kam es, dass Sie ein so leidenschaftlicher Schalke-Fan geworden sind?

Lohmeyer: Das hat mit der Region zu tun. Ich habe als Köttel in Hagen gewohnt. Mein Kumpel Uli Richter war Schalke-Fan. Sein Vater hatte eine Kneipe, wo es Buletten gab und Schalke angesagt war. Ich war damals sechs Jahre alt. Es war Schicksal, ein Stadtteil weiter wäre es vielleicht anders gekommen und ich wäre jetzt eine Zecke.

bundesliga.de: Hat Sie der Pokalsieg am Ende mit der vergangenen Saison versöhnt?

Lohmeyer: Einerseits ja. Aber bei allem Respekt vor Duisburg: Die großen Pokalendspiele gibt es leider nicht mehr. Da fand ich den Sieg gegen Leverkusen 2002 noch spannender. Wir haben insgesamt zu wenig beigetragen in diesem Jahr. So ein Pokalsieg tröstet zwar, aber er ist nicht Trost genug.

bundesliga.de: Sie sind aber sehr anspruchsvoll.

Lohmeyer: Das hat mit meiner Philosophie von Fußball zu tun. Mir ist ein erspieltes 3:3 lieber als ein ermauertes 1:0 - selbst wenn es gegen Dortmund wäre. Ich stehe auf offensiven Fußball. Wer selbst Fußball gespielt hat, versteht das Spiel noch mal ein bisschen anders. Man entwickelt ein Gefühl dafür, wie man sich Fußball wünscht. Ich ermauere mir sonntags im Park ja auch kein 1:0.



Hier geht's zum zweiten Teil: "Bitte, bitte, nennen Sie mich nie wieder Edelfan!"


Das Gespräch führte Andreas Messmer