Das Siegtor erzielte Kevin Kuranyi, der Matchwinner gegen Stuttgart aber war für Schalkes Trainer Felix Magath ein anderer - Torhüter Manuel Neuer. Der hielt nach dem Spiel den Ball flach.

Vor allem in der ersten Halbzeit war es Neuer, der die Schalker gegen den VfB mehrfach vor einem Rückstand bewahrte. Erst rettete er gegen Pogrebnyak, dann gegen Kuzmanovic. Nach dem 2:1-Sieg und dem Sprung an die Tabellenspitze sprach der Keeper über Euphorie, Ziele und die Nationalelf.

Frage: Schalke freut sich, Schalke feiert - aber auf der Tribüne waren erstaunlich wenige Meisterschalen zu sehen.

Manuel Neuer: Wenn mich nicht alles täuscht, gibt es die Schale auch erst am 34. Spieltag.

Frage: Trotzdem ist es ungewöhnlich, dass die Euphorie rund um die Mannschaft noch so kontrolliert ausfällt. Woher kommt dieser Realismus?

Neuer: Wir können uns alle an 2007 erinnern. Da war die Euphorie sehr groß und bei jedem Spiel klangen die "Spitzenreiter, Spitzenreiter"-Rufe durch die Arena. Am Ende hat es dann doch nicht gereicht. Heute kamen diese Rufe zögerlicher, darauf habe ich genau geachtet. Ich denke, die Fans wissen inzwischen genau wie wir ganz gut mit dieser Situation umzugehen.

Frage: Muss man nicht trotzdem jetzt das Ziel korrigieren und einen der ersten drei Plätze und damit die Qualifikation für die Champions League ins Auge fassen?

Neuer: Darüber würde ich lieber erst nach dem Monat März sprechen. Wir haben jetzt schwere Spiele vor uns. Wenn wir die beiden Auswärtspartien in Hamburg und in Leverkusen und das Heimspiel gegen die Bayern hinter uns haben, dann kann man dazu mehr sagen. Dann können wir wirklich abschätzen, wo wir stehen und was noch möglich ist. Und dann wissen wir auch, ob wir weiter nach oben schielen können.

Frage: Wieder einmal war der Gegner in der ersten Halbzeit besser, bevor Schalke richtig aufgewacht ist. Braucht die Mannschaft das?

Neuer: Also ich persönlich brauche das ganz bestimmt nicht. Ich weiß nicht, woran es liegt. Da passte wieder nicht viel zusammen bei uns. Es kann aber auch nicht sein, dass wir nach der Pause in Führung gehen, dann kurz darauf einen Freistoß gegen uns bekommen und fast umgehend den Ausgleich kassieren. Das ist sehr ärgerlich. Wir müssen lernen, gerade in solchen Momenten den Gegner besser von unserem Tor fern zu halten.

Frage: Zum Glück gibt s Kevin Kuranyi, der schon zum 14. Mal getroffen und damit den Sieg gesichert hat.

Neuer: Kevin hat wieder eine Superleistung gebracht und das nicht nur aufgrund seines Tores. Es gibt ein gutes Gefühl, wenn man ihn auf dem Platz hat. Er ist immer für ein Tor gut.

Frage: Vom Trainer gab es ein Sonderlob für Ihre eigene Leistung. War das auch wieder eine Kampfansage für die Nummer eins der Nationalelf und die Weltmeisterschaft in Südafrika?

Neuer: Nach wie vor will ich in der Nationalmannschaft spielen - das ist mein Ziel! Ich bin ehrgeizig und ich weiß, was ich kann. Ich werde in der Bundesliga und im DFB-Pokal Vollgas geben und damit meine Bewerbung für Südafrika abgeben.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte