Etwas war in der vergangenen Saison bei Bayer 04 Leverkusen anders als sonst. Erstmals seit der Spielzeit 1992/93 suchte man im Kader der Leverkusener vergeblich nach einem Spieler mit brasilianischen Wurzeln. Diesen Part übernimmt nun Neuzugang Renato Augusto.

Den Weg für die "Samba-Kicker" bei Bayer bereitete 1993 ein gewisser Paulo Sergio. Nach sieben Jahren Bundesliga - davon vier bei der "Werkself" - standen beim Angreifer vom Zuckerhut am Ende seiner Bundesligakarriere 68 Tore in 196 Partien zu Buche.

Anlaufstelle Bayer

In den folgenden Jahren leistete die Scouting-Abteilung von Bayer Leverkusen in Südamerika ganze Arbeit. Paulo Sergio sollten in den folgenden 13 Jahren noch weitere elf Spieler mit brasilianischer Herkunft folgen.

In guter Erinnerung sind den Bayer-Fans bestimmt noch (Künstler-)Namen wie Emerson, Zé Roberto, Lucio oder Juan, für die Leverkusen das Sprungbrett zu europäischen Topclubs wie Bayern München oder dem AS Rom war. Der Bundesliga-Standort Leverkusen war für viele von ihnen der ideale Fleck, um sich in Europa in Ruhe zu akklimatisieren und mit der europäischen Härte sowie dem Tempo vertraut zu machen. Die professionelle Betreuung der brasilianischen Spaßfußballer in Leverkusen sprach sich herum, der Club wurde eine beliebte Anlaufstelle für Brasiliens Talente.

Die hohen Ablösesummen, die man bei der "Werkself" für den Verkauf ihrer südamerikanischen Stars kassierte, tröstete die Bayer-Verantwortlichen über die Abgänge ihrer Leistungsträger hinweg. Nicht zuletzt dank der erstklassigen Transferbemühungen um den ehemaligen Bayer-Manager Rainer Calmund oder den jetzigen Sportmanager Michael Reschke etablierte sich Leverkusen als Spitzenclub in der Bundesliga.

Renato, das "Juwel"

Nach einem Jahr Pause knüpft der Club nun an die Tradition der Leverkusener "Samba-Fraktion" an und verpflichtete jüngst das Supertalent Renato Soares de Oliveira Augusto, genannt Renato Augusto. Der Spielmacher kommt vom brasilianischen Erstligisten Flamengo Rio de Janeiro und unterzeichnete einen Kontrakt bis zum 30. Juni 2013.

Der Jungstar gehört zu den größten Talenten Brasiliens und wird wegen seiner Spielweise mit Milans brasilianischem Superstar Kaká verglichen. Renato spielte seit seinem 13. Lebensjahr für die Nachwuchsmannschaft Flamengos und debütierte mit 17 Jahren in der brasilianischen Profiliga.

Erster Erfolg

Ein Jahr später feierte das südamerikanische "Juwel" schon den ersten Titel. Mit seinem Club gewann der 1,83 Meter große und 85 Kilogramm schwere Rechtsfuß 2006 die Copa do Brasil, das brasilianische Pendant zum DFB-Pokal. Bis zu seinem Abschied vom Zuckerhut absolvierte Renato Augusto 93 Spiele für den momentanen Tabellenführer der Serie A in Brasilien und erzielte dabei elf Tore.

Schnell drängt sich die Frage auf, wann der Neu-Leverkusener in die "Selecao", die Nationalmannschaft Brasiliens, berufen wird. Auf dem richtigen Weg ist er allemal. Renato Augusto durchlief bislang alle Nachwuchsabteilungen des brasilianischen Verbandes und stand im Aufgebot der U20-Nationalmannschaft für die WM 2007 (drei Spiele) in Kanada. Zunächst warten die Fans in der BayArena aber darauf, das Talent im Trikot des Bundesligisten spielen zu sehen.

Dass Renato Augusto die Spielweise der Mannschaft von Bruno Labbadia entgegen kommt, daran lässt der neue Bayer-Trainer keinen Zweifel: "Renato Augusto ist ein sehr junger Spieler mit großem Potenzial, der zu unserer Art Fußball passt." Und dass eine brasilianische Komponente dem Spiel der Bayer-Elf gut tut, dafür sorgte einst schon Paulo Sergio.

Florian Bruchhäuser