Barcelona - "Ich will gewinnen. Ich. Will. Gewinnen!" – Pep Guardiola machte nach einer Frage, ob er bei einem Tor des FC Bayern München jubeln werde unmissverständlich klar, dass für ihn nur ein Weiterkommen zählt im Champions League-Halbfinal-Hinspiel im Nou Camp gegen den FC Barcelona (Mittwoch ab 20:30 Uhr im Liveticker).

Im Presseraum des Camp Nou herrschte wenige Minuten zuvor Ausnahmezustand. Der für normale Verhältnisse riesige Raum war bis zum Bersten gefüllt. Dutzende Fotografen warteten auf die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Pep Guardiola verließ 2011 nach vier Jahren als Trainer die Katalanen. Erfolgreicher als er war kaum ein Trainer in der katalanischen Hauptstadt. Insgesamt sammelte er mit den "Blaugrana" 14 (!) Titel. 2013 trat er dann das Traineramt bei den Bayern an.

"Ein spezieller Moment"

Als Guardiola den Raum betrat, hielt er kurz inne und schaute sich um. Alles hier in seiner alten Heimat ist ihm immer noch vertraut und er versuchte auch gar nicht erst die Bedeutung seiner Rückkehr an die erfolgreiche Wirkungsstätte zu verhehlen. "Es ist ein spezieller Moment für mich. Ich war 30 Jahre hier, der Verein ist mein Leben. Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit meiner Zeit in Barcelona. Aber ich bin nicht hier als Hommage. Ich bin hier, um zu gewinnen." Da war er wieder dieser unbedingte Siegeswille.

Guardiola sparte aber auch nicht mit Lob für den Gegner. "Der FC Barcelona ist die beste Mannschaft im Moment", so Guardiola. Vor allem das Sturmtrio bestehend aus Lionel Messi, Luis Suarez und Neymar bereitet dem Bayern-Trainer großes Kopfzerbrechen. "Sie haben ein geballtes Talent und Messi kann man sowieso nicht stoppen", erklärte Guardiola. Doch schon vorher die weiße Flagge hießen, wollte er dann selbstverständlich auch nicht. "Es ist schwer bei Barca Schwachpunkte zu finden. Wir werden unsere Tugenden ausspielen und versuchen, dass unsere Stärken, die Stärke von Barcelona übertrumpfen."

Guardiola hat einen Plan

Die Spielweise beider Teams ist auf einer hohen Ballbesitz-Quote aus. Trotz der großen Verletztenliste will Guardiola im Nou Camp nicht mauern. "Es ist schwierig, wenn man gegen Barcelona nur verteidigt. Ich habe eine Idee für das Spiel und werde die nur um Nuancen verändern", unterstrich der Katalane. Feintuning sozusagen. Abwarten muss er noch, ob Robert Lewandowski einsatzbereit sein wird. "Ich werde mit ihm sprechen, wenn er spielen kann, spielt er." Als Ausrede wollte Guardiola, wie auch Barca-Star Lionel Messi, die lange Verletztenliste nicht gelten lassen. "Diese Dinge passieren. Ich hätte auch gerne diese Spieler dabei, kann sie aber nicht herbeizaubern."

"Ich glaube, dass der Empfang gut sein wird und wenn nicht, dann auch gut", so Guardiola nüchtern. Er wolle sich auf seine Arbeit fokussieren. "Ich hatte mir keinen Gedanken an eine Rückkehr gemacht, dass es irgendwann mal passieren wird mit Bayern war klar."

Aus Barcelona berichtet Alexander Barklage