Dortmund - Mit Spaß, Lust und Leidenschaft geht’s für Borussia Dortmund zurück nach oben. Die Gala im Revierderby hat einen Monat mit vier Bundesliga-Siegen in Serie zu Recht gekrönt. "Es hat lange genug gedauert, bis es alle verstanden haben. Jetzt sind wir wieder in der Spur", ist Jürgen Klopp überzeugt. Den Aufwärtstrend muss man jetzt allerdings auch in einem anderen Wettbewerb bestätigen.

Vier Siege, dazu 13:4 Tore - nicht nur für Nuri Sahin ein sicheres Zeichen, "dass wir auf dem richtigen Weg sind". Der 3:0-Erfolg über Schalke bildete den vorläufigen Höhepunkt im Selbstfindungsprozess der Schwarz-Gelben. Die Torschussbilanz von 31:3 (Topdaten zum Spiel) belegt deutlich, wie diese Partie abgelaufen ist und auf welchem Level sich der BVB wieder zurück gemeldet hat. Das hat Gründe – bundesliga.de nennt vier wichtige Faktoren.

Faktor 1: Rückkehr zum Erfolgsfußball

Pressing und Gegenpressing - das war immer das Erfolgsrezept von Borussia Dortmund und unabdingbarer Bestandteil des schwarz-gelben Vollgasfußballs. In der Vorrunde schienen diese Grundtugenden verloren gegangen, in der Winter-Vorbereitung setzte Jürgen Klopp hier offenbar erfolgreich den Hebel an. "Wir haben gegen Schalke das wahre Gesicht von Borussia Dortmund gezeigt", lobte Pierre-Emerick Aubameyang nach der Gala.

Tatsächlich war die Partie ein Musterbeispiel für Pressingfreunde. Stürmer und Mittelfeldspieler setzten den Gegner permanent unter Druck, ließen keinen Raum und eroberten den Ball bei Verlusten auf schnellstem Wege zurück. Und weil jeder Einzelne presste, was es zu pressen gab, konnte auch die Viererkette höher stehen und zusätzlichen Druck erzeugen. "Im Gegenpressing war es eines unserer  besten Spiele - nicht nur in dieser Saison", lobte Abwehrchef Mats Hummels. Auch Jürgen Klopp war entsprechend zufrieden: "Wenn die Mannschaft so auftritt, ist dagegen kaum ein Kraut gewachsen."

Faktor 2: Endlich eine Stammformation

Immobile in der Sturmmitte, dann wieder Aubameyang, manchmal Ramos - vor allem die Besetzung der Spitze hatte den BVB im Jahr eins nach Lewandowski in der Hinrunde vor große Probleme gestellt. Klopp wechselte immer wieder, besetzte auch Flügel und Zentrale um. Verletzungen taten - auch in der Abwehrkette - ein übriges, dass der BVB von einer funktionierenden Mannschaft ein gutes Stück entfernt war.

Jetzt scheint der Trainer seine Mannschaft gefunden zu haben. Im Sturm hat sich Aubameyang als effektivste Lösung erwiesen. Gegen Schalke erzielte der pfeilschnelle Stürmer bereits sein zehntes Saisontor. Dazu sprühte Shinji Kagawa gegen die Knappen vor Spielfreude - und gemeinsam mit Marco Reus spielt das Trio die Gegner schwindelig. Auch die Doppelsechs mit Sahin und Gündogan erweist sich immer mehr als ebenso kreative wie robuste Lösung.    

Faktor 3: Marco Reus

Allein acht der 31 Torschüsse gegen Schalke gingen auf das Konto von Marco Reus. Er traf schon gegen Freiburg, gegen Mainz, gegen Stuttgart und gegen Juventus - und schraubte seine Torquote im Derby auf sieben Ligatreffer in nur 13 Saisonspielen (Zur Bundesliga-Torjägerliste). Aber nicht nur das Offensivpotenzial von Reus ist ein Faktor für den Aufschwung des BVB. Seine Vertragsverlängerung war das Signal, das Mannschaft und Umfeld gebraucht haben. "Die Unterschrift von Marco hat alle euphorisiert", hat Ilkay Gündogan treffend festgestellt.

Faktor 4: Wiedergewonnenes Selbstvertrauen

Spätestens seit dem Derbysieg hat der BVB wieder eine breite Brust. "Jetzt weiß wieder jeder, wie gut er ist", stellte Mats Hummels zufrieden fest. Vier Siege in Serie, vor allem aber die Art und Weise haben das Selbstvertrauen zurückgebracht. Das merkt man auch dem Spiel an, das deutlich an Sicherheit, Konzentration und damit auch Power gewonnen hat.

Von Rückschlägen wie frühen Gegentoren gegen Mainz oder einer miserablen Chancenverwertung wie gegen Schalke lässt sich diese Mannschaft nicht mehr von ihrem Weg abbringen. Eine Gefahr, aufgrund verpasster Möglichkeiten das Derby doch noch zu verlieren, hat so auch für Hummels nie bestanden: "Vor vier, fünf Wochen wäre dies der Fall gewesen, aber jetzt haben wir einfach weitergespielt und unseren Plan verfolgt."

Fazit: Der Erfolg ist zurückgekehrt

Unter dem Strich scheint dieser BVB 2015 wieder alles mitzubringen, was es für Erfolge braucht: Dominanz im Spiel, Lust aufs Gewinnen und jede Menge Spaß am Fußball. "Und wenn es uns Spaß macht, dann macht es den Fans auch Spaß", betont Nuri Sahin. Aus den Erfolgen jetzt Ansprüche abzuleiten, davon sind die Dortmunder aber weit entfernt. Im Gegenteil: "Jetzt in irgendwelchen höheren Sphären zu denken, ergibt keinen Sinn, weil wir ein sehr straffes Programm haben", warnt Mats Hummels.

Dieses straffe Programm führt die Borussia schon am Dienstag im DFB-Pokal zu Dynamo Dresden. Schalke und Bochum sind hier bereits gescheitert. Der BVB möchte nicht Ruhrpott-Club Nummer drei werden, der vorzeitig ausscheidet. Schließlich will die neue Dortmunder Spaßgesellschaft sich noch ein bisschen weiter freuen. Und außerdem "haben wir vor der Saison schon ein ganz klares Ziel formuliert", wie Sportdirektor Michael Zorc noch einmal bekräftigte: "Wir wollen wieder nach Berlin!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte