Freiburg - Für Außenstehende muss es komisch gewesen sein zu beobachten, wie gelöst Christian Streich schon eine Stunde nach Abpfiff war. Schließlich hatte der Freiburger Trainer während der Partie energisch wie eh und je die Darbietungen seiner Mannschaft an der Außenlinie begleitet.

Bei den Gegentoren ließ er allerdings verzweifelt den Blick gen Himmel fahren. Zu leichtfertig gab seine Mannschaft eine Partie aus der Hand, in der sie im ersten Durchgang das klar bessere Team war. "Das waren alles gefühlte Eigentore", sagte SC-Coach Christian Streich, "auch wenn es am Schluss immer ein Stuttgarter war, der dann getroffen hat."

Zuspruch für Unglücksrabe Mitrovic

Doch nach dem Spiel und einer 1:4-Niederlage gegen den VfB, die nicht annähernd die Kräfteverhältnisse widergespiegelt hatte, warf er schnell den Blick nach vorne und ordnete die Partie ein. "Die Mannschaft hat in der ersten Halbzeit richtig gut gespielt, mit einem guten Rhythmus und einer guten Raumaufteilung. Wir können das Ergebnis einsortieren, weil wir schon immer wussten, was uns auch in dieser Saison erwartet."

Natürlich wurde Streich ("Heute ist wirklich alles für Stuttgart gelaufen") kurz darauf auch auf den Unglücksraben der Partie angesprochen. Stefan Mitrovic, der in den vergangenen Spielen zum Teil sehr starke Leistungen gezeigt hatte, verschuldete zwei Stuttgarter Tore durch ungenaue Abspiele und musste in der 70. Minute vom Platz, nachdem er Stuttgarts Martin Harnik nur mit einer Notbremse vom Ball trennen konnte.

Der serbische Innenverteidiger sitze wie ein Häuflein Elend in der Kabine, berichtete Streich. Seine Aufgabe sei es nun, Mitrovic wieder aufzurichten. "Stefan ist ein Vollprofi. Jetzt müssen wir nur aufpassen, dass er sich nicht zu sehr geißelt. Aber dafür bin ich als Trainer auch da."

Sprach's, verabschiedete sich von den Journalisten und belohnte sich mit einem frisch gebrühten Espresso. Nach den vergangenen Wochen, in denen der SC im DFB-Pokal weiterkam und sieben Punkte aus drei Ligaspielen holte, ist bei den Freiburgern die gewachsene Gelassenheit nicht nur beim Coach spürbar.

Chancen endlich nutzen - Blick nach vorne

Auch Nicolas Höfler haderte nur kurz mit der zweiten Halbzeit. "Wenn man solch eine erste Hälfte spielt und dann eine Partie so herschenkt, ist das traurig", sagte die Arbeitsbiene im Mittelfeld, die natürlich auch wusste, dass den SC in dieser Saison schon häufiger das gleiche Problem plagte: Im gegnerischen Strafraum braucht der SC einfach zu viele Torgelegenheiten, um sich mit einem Torerfolg zu belohnen.

Das hat mit Pech zu tun - Felix Klaus machte bei seinem Lattenschuss in der 36. Minute eigentlich alles richtig. Zuweilen fehlt aber offenbar auch schlicht die Kaltschnäuzigkeit wie bei Sebastian Freis' Fehlschuss, als er freistehend den Ball über die Latte jagte. Doch auch im Offensivbereich gab es Lichtblicke: Erneut zeigte Admir Mehmedi (links im Bild) eine starke Partie, sein leichtes Formtief unmittelbar nach der WM scheint endgültig überwunden.

Kein Wunder also, dass der SC sich unterm Strich gut vorbereitet für das wichtige Spiel in Paderborn am kommenden Samstag wähnt. "Wir haben den Gegner selbst aufgebaut", sagte der starke Keeper Roman Bürki: "Wenn wir die Fehler abstellen, traue ich uns in Paderborn einiges zu."

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf