Launische Diva, Fußball-Schizophrenie oder Achterbahnfahrt - jede dieser Umschreibungen stellt den bisherigen Saisonverlauf Werder Bremens äußerst anschaulich dar.

Die als Meisterschaftsmitfavorit in die Spielzeit 2008/09 gestarteten Bremer kamen nämlich von Saisonbeginn an nicht richtig in Tritt und belegen zur Winterpause einen enttäuschenden 8. Platz in der Tabelle.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt

Wirft man einen Blick auf die Hinrundenergebnisse der Hanseaten, fällt auf, dass die Formkurve einer Zick-Zack-Linie ähnelt. Aufgrund der Leistungsschwankungen kam es vor, dass die Werder-Fans im heimischen Weser-Stadion gegen Hertha (5:1) und Frankfurt (5:0) wahre Fußballfeste feiern durften. Im jeweils darauffolgenden Auswärtsspiel in Bochum (0:0) und beim Karlsruher SC (0:1) kehrte jedoch schnell wieder Ernüchterung ein. Konstanz: Fehlanzeige.

"Wir waren hin- und hergerissen. Mal haben wir uns gefreut, mal geärgert. Das fast durchgängig positive Gefühl der letzten Jahre hat sich nicht so eingestellt", fasst Trainer Thomas Schaaf die Leistungen seines Teams gegenüber dem "kicker" zusammen.

Ein Sieg, drei Mal Ernüchterung

Und auch im Trainingslager im türkischen Belek gab es weniger Erfreuliches als erhofft. Die ersten drei Vorbereitungsspiele gegen Bursaspor (0:1) und die beiden Istanbuler Clubs Galatasaray (1:4) und Besiktas (1:2) gingen allesamt verloren. Erst im vierten und letzten Test gegen den polnischen Verein Lech Posen (3:2) gelang den Bremern, die auf Naldo (Achillessehnenbeschwerden), Aaron Hunt (Knieprobleme), Petri Pasanen (Erkältung) und Daniel Jensen (Trainingsrückstand) verzichten mussten, der erste Erfolg. Das sorgte für Erleichterung.

"Dieser Sieg ist sehr wichtig. Wir brauchten ein Erfolgserlebnis für unser Selbstvertrauen", sagte Siegtorschütze Claudio Pizarro.

Tziolis ist im Team angekommen

Trainer Schaaf gefiel an seinem Team, dass es "aktiver, selbstbewusster und ballsicherer als zuletzt" war. "Insgesamt war auch die Bewegung nach hinten besser und die Bewegung auf das gegnerische Tor war schon ganz gut", erklärte der 47-Jährige.

Bester Akteur des Spiels war Alexandros Tziolis. Der auf Leihbasis von Panathinaikos Athen gekommene Mittelfeldspieler lief rechts in der Raute auf und brachte Werder durch einen "Doppelpack" mit 2:0 in Führung.

"Genau deswegen war er so interessant für uns. Dieser Zug zum Tor macht ihn zu einem ganz besonderen Spieler", schwärmt Schaaf über den Neuzugang. Und auch Sportdirektor Klaus Allofs ist mit der Leistung des 23-Jährigen zufrieden: "Er hat gezeigt, dass er die Torgefahr entwickeln kann, die wir von ihm erwarten."

Zurück nach oben?

Die Formkurve der "Grün-Weißen" scheint also pünktlich zum ersten Härtetest - das DFB-Pokal Achtelfinale bei Borussia Dortmund am 28. Januar - nach oben zu zeigen. Doch euphorisch oder gar überschwänglich präsentieren sich die Bremer nicht.

"Zufrieden bin ich nie. Wir können immer einige Dinge noch besser machen", sagt Thomas Schaaf und fügt hinzu: "Aber die Richtung ist klar erkennbar." Und die soll Werder Bremen zurück in die obere Tabellenregion führen. Diesmal aber schnurstracks, ohne Auf und Nieder.

Gregor Nentwig