Die Saison geht in die entscheidende Phase. Wer jetzt nicht punktet, verpasst womöglich das angepeilte Saisonziel. Entsprechend schwierig gestaltet sich die momentane Lage beim FC Energie Cottbus. Fünf Niederlagen in Serie kassierten die Lausitzer und stecken auf dem vorletzten Tabellenplatz fest.

Doch der Abstiegskampf ist nichts Neues für Energie. Auch nicht für Ervin Skela. Der Albaner ist einer der Führungsspieler in Cottbus und gibt sich im Gespräch mit bundesliga.de nicht nur kritisch sondern auch optimistisch.

Wie genau vor einem Jahr spielt Energie am Osterwochenende gegen den direkten Konkurrenten Arminia Bielefeld. Gut und gern erinnert sich Skela an das Duell vor einem Jahr. Und er hofft, das kommende Aufeinandertreffen wird neue Energie bei Energie freisetzen.

bundesliga.de: Nach gutem Rückrundenstart verlor Energie fünf Spiele in Folge. Selbst die Heimstärke war zuletzt keine mehr. Worin sehen Sie die Gründe für die aktuelle Misere?

Ervin Skela: Es gibt verschiedene Gründe, die wir intern aufarbeiten. Die Niederlagen waren zumeist unnötig und sind nicht an diesem oder jenem Spieler festzumachen, sondern betreffen die ganze Mannschaft. Sowohl in der Vorwärts- als auch in der Rückwärtsbewegung haben wir Fehler gemacht und Führungen zu schnell aus der Hand gegeben.

bundesliga.de: In Frankfurt gab es zuletzt ein 1:2. Dabei war Energie der Eintracht in allen wichtigen Statistiken unterlegen. Selbst die Zweikampfstärke, für die Cottbus so bekannt ist, war nicht wie sonst ausgeprägt. Mangelt es der Mannschaft momentan an Selbstvertrauen und am Glauben in die eigene Stärke?

Skela: Natürlich fehlt eine Portion Sicherheit in den eigenen Aktionen, wenn man zuvor vier Mal in Folge verloren hat. Trotzdem wissen wir, dass wir Fußball spielen und in der Bundesliga mithalten können. Das haben wir zu Beginn der Rückrunde eindrucksvoll bewiesen und wollen genau dort wieder hinkommen. Dazu gehören Zweikämpfe, die richtige Distanz zum Gegner, hohe Laufbereitschaft und die richtige Balance aus Risiko und Disziplin.

bundesliga.de: Jetzt kommt Bielefeld in die Lausitz. Würden Sie diese Partie als ein Endspiel bezeichnen?

Skela: Es ist kein Endspiel, weil danach noch sieben Partien auf dem Programm stehen. Aber es ist ein wichtiges Spiel, keine Frage.

bundesliga.de: Nun hat Cottbus eine makellose Bilanz von drei Siegen bei drei Heimspielen gegen Arminia. Wie muss Ihre Mannschaft auftreten, um diese weiße Weste zu behalten?

Skela: Statistiken, Bilanzen und Vorjahressiege zählen nicht, das Spiel geht bei Null los. Wir müssen hochkonzentriert und aggressiv sein, dürfen dabei aber nicht ungeduldig werden.

bundesliga.de: Sie selbst haben eine Saison in Bielefeld gespielt. Sind solche Aufeinandertreffen immer etwas Besonderes für Sie?

Skela: Es ist klar, dass Begegnungen mit Ex-Vereinen immer Erinnerungen wecken und man den einen oder anderen noch kennt und wieder sieht. Da das Spiel aber nicht das erste gegen Bielefeld seit meiner Zeit bei der Arminia ist, ist es nichts besonderes mehr. Zumal das Gesicht der Mannschaft ein komplett anderes ist.

bundesliga.de: Erinnern Sie sich noch an das letzte Heimspiel gegen Bielefeld? Das fand genau vor einem Jahr statt - ebenfalls am Osterwochenende. Und Ervin Skela traf per Elfmeter zum 1:0-Sieg. Auch damals ging es für beide Clubs um alles. Können Sie sich noch erinnern, welche Last Ihnen nach diesem Treffer von den Schultern gefallen ist?

Skela: Ich kann mich sehr gut erinnern. Es war ein Geduldspiel, das durch eine Standardsituation entschieden wurde. Ich habe die Verantwortung übernommen und getroffen. Mehr nicht. Damals hatte ich persönlich einen Lauf mit mehreren Treffern in Serie. Das ganze Team, nicht nur ich war nach der Partie erleichtert.

bundesliga.de: Auch der KSC und Gladbach stehen später noch auf dem Spielplan - ebenso wie der FC Bayern oder auch Wolfsburg und Stuttgart. Gegen solche Gegner ist Energie der klare Außenseiter. Aber verstärkt das den Druck für die direkten Duelle im Abstiegskampf?

Skela: Nein. Der Druck ist in jedem Spiel immens, wenn es auf die Zielgerade der Saison geht. Gegen den KSC oder gegen Gladbach gibt es ebenso nur drei Punkte wie gegen Wolfsburg oder Bayern. Es ist alles möglich und wir sind auch in der Lage, gegen einen der sogenannten Großen zu gewinnen.

bundesliga.de: Insgesamt hat Energie noch fünf Heimspiele. Alle anderen Teams im unteren Drittel haben mindestens eines weniger. Ist dies ein Vorteil im Abstiegskampf?

Skela: Das kann ein Vorteil sein. Im vergangenen Jahr fanden wir rechtzeitig zu einer Heimstärke, gewannen fünf Heimspiele in Folge und sicherten dadurch den Klassenerhalt. In der laufenden Spielserie haben wir sowohl auswärts als auch zu Hause bisher je zehn Punkte geholt. Statistisch sind wir also im eigenen Stadion genauso stark wie in fremden Gefilden.

bundesliga.de: Erst vor wenigen Wochen haben Sie Ihren zum Saisonende auslaufenden Vertrag in Cottbus bis 2011 verlängert. Ganz offensichtlich fühlen Sie sich in Cottbus sehr wohl?

Skela: Ja, ich fühle mich wohl, spüre Vertrauen, trage Verantwortung und will dem Verein etwas zurückgeben. Als ich hierher kam und krank wurde, haben mir die Verantwortlichen den Rücken gestärkt und an mich geglaubt. Das vergesse ich nicht.

bundesliga.de: Gibt es denn Ihrerseits die Überlegung, die Karriere auch in der Lausitz ausklingen zu lassen?

Skela: Ich stelle keine Überlegungen an, schaue von Saison zu Saison. Aber klar, auch ein Karriere-Ende in Cottbus ist denkbar.

bundesliga.de: Vier Punkte fehlen Energie zum rettenden Ufer, dem 15. Platz. Warum wird Cottbus Ihrer Meinung nach auch 2009/10 in der Bundesliga spielen?

Skela: Weil wir die Qualität haben, uns im Kampf um den Klassenerhalt zu behaupten und mit derartigen Situationen umgehen können.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz