"Ein Mal gewinnen kann jeder, zwei Mal gewinnen kann Zufall sein. Aber drei Mal in Folge gewinnen bedeutet Qualität." Nach dem jüngsten Kapitel der Erfolgsgeschichte von Borussia Dortmund zitierte Jürgen Klopp die Weisheit eines Trainerkollegen.

Dass dieser ausgerechnet Christoph Daum heißt und am vergangenen Wochenende mit dem 1. FC Köln das dritte "Opfer" des BVB hintereinander geworden war, nicht mehr als eine Randnotiz..

Frei schielt Richtung UEFA-Cup

Nach drei Siegen in Serie - den drei ersten "Dreiern" in der Rückrunde - schnuppert der BVB sogar wieder Europapokal-Luft. Vorbei sind die Zeiten der "Remis-Könige". Aktuell haben die "Schwarz-Gelben" mit 43 Punkten fünf Zähler Rückstand auf Rang 5.

"Wir wollen die Momentaufnahme genießen und dann sehen, ob der UEFA-Pokal-Platz noch möglich ist. Für uns heißt das jetzt: weiter Punkte sammeln", sagte Alexander Frei nach dem 3:1 gegen den 1. FC Köln am vergangenen Wochenende.

Schweizer Gefahr

Großen Anteil am Aufschwung der Borussia hat Frei selbst. Er netzte bei den Erfolgen gegen Bremen und in Berlin jeweils ein Mal persönlich ein. Und wenn er wie gegen Köln in Faryd Mondragon einmal seinen Meister im gegnerischen Torwart findet, glänzt er eben als Vorbereiter. Am Samstag war er an allen drei Treffern beteiligt.

Sechs seiner nunmehr zehn Saisontore erzielte der 29-jährige Angreifer in den zehn Partien seit der Winterpause. "Ich habe jetzt die Fitness und die Form, die ich mir selbst vorstelle", formulierte Frei. Die persönliche Leistungssteigerung des Schweizers hat für die "Schwarz-Gelben" allerdings noch einen weiteren positiven Effekt.

Valdez überzeugt nach Klopp auch die Fans

Denn neben Frei blüht auch Nelson Valdez in der BVB-Offensive auf. Der Paraguayer spielt seit dem Wechsel 2006 von Werder Bremen nach Dortmund schon sieben Spieltage vor Schluss seine beste Runde im Revier und hat endlich auch die Fans auf seiner Seite. Nach den jüngsten Auswechslungen in Berlin und gegen Köln erntete Valdez viel Applaus von den Anhängern. "Die Fans hatten eine Menge Geduld mit mir", gab der 25-Jährige das Kompliment zurück.

Trainer Klopp wusste schon länger, was er an dem "Arbeiter" hat. "Nelson macht Wege. Er schafft Räume. Er bewegt sich unglaublich gut in der Spitze. Und er ist viel ballsicherer geworden", lobt der Coach. Für den großen Aufwand in seinem Spiel belohnt sich Valdez inzwischen auch wieder erfolgreich mit Scorerpunkten. Jeweils fünf Treffer und Vorlagen stehen für ihn zu Buche.

Auch wenn Valdez am Dienstag wegen Adduktorenproblemen nur lockeres Lauftraining absolvieren konnte, wird er am Samstag beim VfL Bochum hoffentlich wieder in der Startelf stehen. "Wir müssen ihm genug Zeit geben und Ruhe rein kriegen", sagte Klopp.

Geschäftsführer Watzke sieht noch Potenzial

Die 13 Punkteteilungen der Dortmunder sind ligaweit zwar immer noch der Spitzenwert, dafür kassierte der BVB aber auch die wenigsten Niederlagen (vier) von allen Bundesligisten. "Wir werden von Spiel zu Spiel besser. Wir haben eine sehr, sehr gute Mannschaft mit jungen Spielern zusammen, die noch Luft nach oben hat", sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Die zweitbeste Defensive (33 Gegentore) schaltet sich sogar noch in den Angriff ein, Neven Subotic (sechs Tore) und Felipe Santana (drei) bilden das stürmischste Innenverteidiger-Duo der Liga. Als "Sechser" überzeugt Kapitän Sebastian Kehl seit Wochen, und vor ihm ist Tamas Hajnal Dreh- und Angelpunkt der Offensive. Der Ungar bringt es in seiner Premieren-Saison beim BVB auf starke vier Treffer - darunter sein sehenswerter Volleyschuss zum 2:1 gegen Köln - und fütterte mit neun Assists die Kollegen, allen voran die Stürmer Frei und Valdez.

"Aus dieser noch eine geile Saison machen"

Gerade weil Klopps Mannen nun schon drei Mal hintereinander ihr Siegergesicht zeigten, sollen sie gerade im "kleinen B1-Derby" in Bochum "richtig Feuer machen, und ich will, dass man uns ansieht, dass wir noch richtige Ziele haben".

"Du kannst gegen eine Mannschaft, für die es um den Klassenerhalt geht, nicht gewinnen, wenn es dir zu gut geht", sagt Motivator Klopp und fügt an: "Es sind noch sieben Spiele. Jetzt ist die entscheidende Phase der Saison, und jetzt geht es darum, aus dieser Saison noch eine geile Saison zu machen."

Tim Tonner