München/Frankfurt - Auch ohne Kapitänsbinde zählt Ioannis Amanatidis zu den absoluten Führungsspielern bei der Frankfurter Eintracht. Nachdem er in der vergangenen Saison lange Zeit verletzt zuschauen musste und sogar ein Karriereende nicht ausgeschlossen war, hat der Grieche sich in dieser Spielzeit noch einmal zurückgekämpft.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der Publikumsliebling über seine Gesundheit, über den bisherigen Saisonverlauf der Eintracht und die steigenden Erwartungen im Umfeld der Hessen.

Außerdem verrät er, ob die Rückkehr am kommenden Sonntag zu seinem ehemaligen Arbeitgeber 1. FC Kaiserslautern etwas Besonderes bedeutet (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) und was er seiner Eintracht in dieser Saison noch zutraut.

bundesliga.de: Herr Amanatidis, Sie waren lange verletzt, haben vor dieser Saison dann wieder den Anschluss geschafft und nun vier Einsätze absolviert. Wie fällt ihr persönliches Fazit nach dem ersten Fünftel der Saison aus?

Ioannis Amanatidis: Ich bin froh, dass ich wieder vollkommen gesund bin und meine Tätigkeit ohne Schmerzen weiter betreiben kann. Das war das Wichtigste für mich. Ich habe mich nach langer Verletzungspause sehr schnell wieder gefunden und auch relativ früh in der Vorbereitung meine Leistungen erbracht und das war schon ein bisschen überraschend. In der Saison wurde ich dann leicht zurückgeworfen durch den aufstehenden Fettkörper im linken Knie. Diese Verletzung ist aber soweit ausgestanden und ich bin wieder völlig gesund. Danach kam ich dann zu zwei Kurzeinsätzen, somit bin ich insgesamt sehr glücklich, dass ich wieder bei der Mannschaft bin und ihr helfen kann. Für mich stand ganz klar im Vordergrund, wieder aktiv zu sein.

bundesliga.de: Die Ergebnisse der Eintracht waren bisher ein Auf und Ab, ähnlich wie letzte Saison. Wie bewerten Sie den Saisonstart der gesamten Mannschaft?

Amanatidis: Der Start war von den Ergebnissen her nicht so gelungen, von den Leistungen her war es überwiegend in Ordnung. Aber wir haben nicht das rausgeholt, was wir uns erhofft hatten. Im Spiel selbst haben wir allerdings nicht vieles anders gemacht, das war eigentlich kurios. Wir haben die letzten zwei Spiele gewonnen, aber eigentlich die gleiche spielerische Leistung wie zuvor gezeigt. In die letzten Partien sind wir gut reingekommen, haben dann allerdings im Verlauf der zweiten Halbzeiten abgebaut und hatten zum Schluss durchaus Glück, das muss man auch klar sagen. Das hatten wir eben in den ersten Spielen nicht.

bundesliga.de: Welche Partien haben Sie dabei im Kopf?

Amanatidis: Wenn ich an das Spiel in Hannover denke: Dort haben wir sehr gut begonnen und das Spiel völlig dominiert, dann geraten wir aus dem Nichts in Rückstand und konnten das nicht mehr korrigieren. Gegen Hamburg haben wir in der ersten Halbzeit geführt und geben das Spiel dann in der zweiten Hälfte durch zwei Standardsituationen aus der Hand, obwohl wir hinten das ganze Spiel sehr gut gestanden hatten. Aber es geht allgemein kurios zu, das zeigt auch die Tabelle - dieses Jahr noch mehr als die Jahre zuvor.

bundesliga.de: Der 10. Platz im Vorjahr hat im Eintracht-Umfeld Begehrlichkeiten geweckt, die Heribert Bruchhagen wiederum nicht aufkommen lassen wollte. Wie beurteilen Sie aktuell die Situation?

Amanatidis: Das ist die Linie, die der Verein vorgegeben hat. Man hat durch die Entwicklung seit dem Aufstieg gesehen, dass das nicht so verkehrt ist. Das ist jetzt das sechste Jahr in der Bundesliga. Wir haben uns stets verbessert, nur in einem einzigen Jahr hatten wir dramatische Verletzungssorgen zu beklagen und blieben deswegen hinter den Erwartungen zurück. Seit der Verein aber wieder in der Bundesliga ist, hat er stets einen Schritt nach vorne gemacht, auch letztes Jahr. Da haben wir uns auch spielerisch enorm verbessert im Vergleich zu den Jahren zuvor.

bundesliga.de: Ist Frankfurt also doch eher ein Team fürs Mittelfeld?

Amanatidis: Wir haben uns immer verbessert. Am Anfang galten wir als Abstiegskandidaten, jetzt sind wir ein Mittelfeld-Team. Wir ordnen uns selbst im vorderen Mittelfeld ein, doch man muss immer am Ball bleiben und das Beste aus sich herausholen. Wenn wir das tun, unser Spiel beibehalten und das mit Effektivität kombinieren, kann auch durchaus mehr als ein Mittelfeldplatz herausspringen, weil die Qualität in der Mannschaft ja durchaus vorhanden ist.

bundesliga.de: Theofanis Gekas hat als einziger Stürmer bisher getroffen. Warum läuft es im Angriff noch nicht so richtig rund?

Amanatidis: Wir haben ja mit zwei Stürmern begonnen, waren aber nicht so effektiv. Dann kam der Schwenk zum 4-3-3 und meine Verletzung. Seitdem spielt eben mein Landsmann, hat getroffen und seine Chance genützt. Somit gibt es keinen Grund, irgendetwas zu verändern. Wenn es erfolgreich ist, ist alles wunderbar. Ich freue mich, Fanis freut sich und der Verein hat auch etwas davon.

bundesliga.de: In welchem System spielen Sie selbst am liebsten? Mit einer, zwei oder drei Spitzen?

Amanatidis: Das ist schwer zu sagen. Das kommt immer darauf an, wie es die Außenspieler dann machen. Ein 4-3-3 kann auch schnell zu einem 4-5-1 werden. Unter Friedhelm Funkel haben wir fast immer mit einem 4-5-1 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern gespielt, das hat sich über die Jahre so eingeprägt, weil die Mannschaft damit anscheinend etwas besser zurecht kommt - auch wenn es mit zwei Spitzen wahrscheinlich offensiver und attraktiver wäre.

bundesliga.de: Am Samstag geht es auf den Betzenberg. Sie selbst haben beim FCK gespielt. Eine besondere Situation?

Amanatidis: Nein. Erstens ist das für mich viel zu lange her, zweitens ist dort von den Spielern keiner mehr übrig geblieben, mit dem ich noch gespielt habe. Das wäre gegen Stuttgart genauso. Die einzigen, die ich dort noch kenne, sind die Vereinsfunktionäre, zum Beispiel Stefan Kuntz. Auf diese Leute freue ich mich, aber mit den Spielern und der Mannschaft habe ich nichts mehr zu tun.

bundesliga.de: Lautern steht nach dem guten Start sehr unter Druck. Was für eine Partie erwarten Sie?

Amanatidis: Die Lauterer haben ja euphorisch angefangen, natürlich auch bedingt durch den Sieg gegen Bayern. Dann wurden sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Jetzt dürfen sie eigentlich schon nicht mehr verlieren, sonst rutschen sie ganz hinten rein. Wir sind auf einem guten Weg und wollen unsere guten Ergebnisse fortführen. Ich bin sicher, es wird ein spannendes und brisantes Spiel. Es ist zwar eine etwas negative Stimmung aufgekommen, doch ich hoffe, dass unsere Zuschauer uns fair und lautstark anfeuern und wir die drei Punkte mit nach Hause nehmen können.

bundesliga.de: Sie selbst spielen nicht mehr für Griechenland, aber viele Profis waren bei ihren Nationalmannschaften. Fällt die Vorbereitung auf die Partie ohne diese Spieler schwerer und sind Sie erleichtert, dass Sie sich ganz auf die Eintracht konzentrieren können?

Amanatidis: Ich bin sehr erleichtert, dass ich dieses Kapitel abgeschlossen habe und dass ich meinen Fokus ganz auf den Verein richten kann. In der Vorbereitung auf dieses Spiel haben die Nationalspieler ja ohnehin einen Tag länger Zeit. Da gibt es also keine Probleme in der Vorbereitung. Außerdem hat ja Kaiserslautern auch Nationalspieler, die gefehlt haben.

bundesliga.de: Zum Schluss noch Ihr persönlicher Tipp. Was trauen sie der Eintracht in dieser Saison zu, wo wird die Mannschaft am Ende stehen?

Amanatidis: Ich hoffe auf einen einstelligen Tabellenplatz. Wir wollen uns immer verbessern, daher muss das Ziel 46 Punkte plus x lauten. Das wird nicht leicht werden, aber wenn wir das schaffen, ist es sicher ein Erfolg.

bundesliga.de: Und wie viele Treffer wird Ioannis Amanatidis dazu beisteuern?

Amanatidis: Das ist im Moment zweitrangig. Ich bin glücklich, nach meiner Verletzung erst einmal die Kurve gekriegt zu haben. Klar wären ein paar Tore schön - und je öfter wir Stürmer treffen, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass die Eintracht viele Spiele gewinnt.

Das Gespräch führte Christoph Gschoßmann