Werder Bremen vs. Hamburger SV, immer wieder Werder gegen HSV. In dieser Saison treffen die beiden Nordlichter gleich fünf Mal aufeinander.

Derzeit gibt es das Nordderby innerhalb kurzer Zeit gleich vier Mal. Im DFB-Pokal-Halbfinale, das Werder in der vergangenen Woche mit 4:2 nach Elfmeterschießen für sich entschieden hat, im UEFA-Pokal (30. April und 7. Mai) sowie am 10. Mai in der Bundesliga.

Im Eishockey Normalität

Im Profi-Fußball eine äußerst seltene Konstellation, nicht aber im Eishockey. "Im Eishockey treffen die Teams bereits während der Saison vier bis sechs Mal aufeinander", sagt Deutschlands Eishockey-Idol Erich Kühnhackl im Gespräch mit bundesliga. Zudem gehe es später in den Play-Offs in "best-of-five"- beziehungsweise "best-of-seven"-Serien nochmals innerhalb kürzester Zeit gegeneinander.

Was für die Puckjäger also völlig normal ist, ist für die Fußballer doch eher Neuland. Können die Kicker vom Eishockey etwas lernen? Oder stellt sich die Situation gar nicht so verschieden dar?

"Serien wie in den Eishockey-Play-Offs haben natürlich ihre eigenen Gesetze. In den Play-Offs ist man zum Siegen verpflichtet. Diese Situation müssen die Spieler verinnerlichen und lernen, damit umzugehen", stellt Kühnhackl eine Parallele zum Fußball auf. Denn zumindest im UEFA-Pokal, wo am Donnerstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) Werder den HSV zum Halbfinal-Hinspiel empfängt, ist großartiges Taktieren nicht möglich. Schließlich kann nur ein Team gewinnen.

"Kein Spiel ist wie das andere"

Bei mehreren Duellen in nur kurzer Zeit könnte man der Meinung sein, die Trainer müssten ihre Mannschaft nur einmal richtig auf den Gegner einstellen. Weit gefehlt! Das ist im Eishockey wie im Fußball so. "Kein Spiel ist wie das andere. Wie eine Mannschaft spielt, kann man nie voraussagen. Wichtig ist vor allem eine gute Stimmung im Team - ob im Training, unmittelbar vor dem Spiel oder auch am Anreisetag", sagt der 58-jährige Kühnhackl, der unter anderem den EV Landshut, EC Bad Nauheim, Erding Jets, Eisbären Regensburg und Straubing Tigers trainiert hat.

Dabei steckt in Derbys auch immer eine gewisse Brisanz. "Man kann in Derbys nicht alles voraussehen. Aber das ist ja gerade das, was sie so spannend macht. Da müssen die Spieler immer wieder bereit sein, neue Herausforderungen anzunehmen."

"In einem Derby sind immer sehr viel Emotionen und sehr viel Druck - auch im mentalen Bereich - vorhanden. Und die Spieler, die das am besten verarbeiten können, oder der Trainer, der seine Mannschaft darauf am besten einstellen kann, haben immer einen kleinen Vorteil. Jeder Spieler muss bereit sein, seine optimale Leistung abzurufen - da ist auch der Kopf ganz wichtig", weiß Kühnhackl, der seit Oktober 2008 Vize-Präsident des Deutschen Eishockey Bund ist, um das Erfolgsrezept.

"Die Leader sind ganz, ganz wichtig"

Dabei nimmt der 211-malige deutsche Eishockey-Nationalspieler, der zum "Deutschen Eishockeyspieler des Jahrhunderts" gewählt wurde, vor allem die Führungsspieler in die Pflicht. "Die Psyche einer Mannschaft spielt eine gehörige Rolle. Vor allem die Leader innerhalb einer Mannschaft sind ganz, ganz wichtig. Diese Spieler gehen voran und versuchen, das umzusetzen, was der Trainer will."

Auch der Griff in die Psycho-Trickkiste gehört im Eishockey wie im Fußball dazu: "Da hat jeder Trainer seine Trickkiste parat, in die er dann mal greift. Manche arbeiten mit Sprüchen, andere mit Aufklebern in der Kabine oder wieder andere führen Videos vor, die das Team motivieren sollen."

Kühnhackl ist zwar ein Fan des runden Leders, einen Lieblingsclub hat er jedoch nicht. "Nein, ich habe keinen Lieblingsverein. Aber meine 86-jährige Mutter ist Fan des Hamburger SV. Das rührt noch aus den Zeiten, als Uwe Seeler noch gespielt hat - ist aber immer noch so."

Mutter Kühnhackl stehen also spannende und ereignisreiche Wochen bevor...

Sven Becker