Köln - Pyrotechnik und Ultras, Zehn-Punkte-Plan und ein Blick auf andere Ligen der UEFA: Die diesjährige Vollversammlung der Fanbeauftragten der Bundesliga und 2. Bundesliga stand ganz im Zeichen aktueller Fanthemen. Mehr als 60 Fanbeauftragte nahmen an der zweitägigen DFL-Veranstaltung in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena am 30./31. Mai 2011 teil, die VfB-Präsident Erwin Staudt am Montag eröffnete.

"Wir sind froh und stolz, diesmal Gastgeber für die Fanbeauftragten zu sein. Die Fanbetreuung hat beim VfB Stuttgart einen sehr hohen Stellenwert", betonte Staudt. Auch deshalb beschäftigt der VfB Stuttgart in Christian Schmidt, Peter Reichert und Ralph Klenk drei hauptamtliche Fanbeauftragte.

Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für Fanbeauftragte durchgeführt

Die Hauptamtlichkeit, die inzwischen in der Lizenzierungsordnung der DFL festgeschrieben ist, stellt einen großen Fortschritt und eine Aufwertung für diese Berufsgruppe dar. Im Rahmen des Zehn-Punkte-Plans für mehr Sicherheit im Fußball hat die DFL in der abgelaufenen Saison zusätzlich viele Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für Fanbeauftragte durchgeführt: Konfliktmanagement, Deeskalation oder Moderation stand auf dem Fortbildungsplan.

"Die Anforderungen an die Fanbeauftragten sind erheblich gestiegen, sie bewegen sich in einem mitunter extremen Spannungsfeld unterschiedlichster Beteiligter. Mit ihren Kontakten und ihrem Expertenwissen spielen sie eine ganz entscheidende Rolle im gesamten Kontext für mehr Sicherheit im Fußball. Deshalb werden wir die Qualifizierungsangebote konsequent fortführen und die Position der Fanbeauftragten weiter stärken", sagte Thomas Schneider, Leiter Fanangelegenheiten der DFL.

Rapid Wiens Fanbeauftragter Andreas Marek zu Gast

In verschiedenen Gesprächsrunden diskutierten die Fanbeauftragten auch sehr emotional über Entwicklungen in den Fankurven. Als problematische Entwicklung sehen viele Fanbeauftragte, dass sich Teile der jüngeren aktiven Fanszene immer seltener an gemeinsame Vereinbarungen und Absprachen hielten – trotz mancher Vergünstigungen und Privilegien.

Als besonderer Gast der Vollversammlung schilderte Andreas Marek, wie eine sich anbahnende Eskalation beim österreichischen Club SK Rapid Wien schließlich zu einem Platzsturm und Spielabbruch beim Derby gegen Austria Wien am 22. Mai geführt hatte. Marek, der als Leiter des SK Rapid Klubservice quasi auch als Fanbeauftragter tätig ist, beschrieb ausführlich die Entwicklung einer jüngst noch hochgelobten Rapid-Fankultur bis zum Tiefpunkt am 22. Mai.

1. FC Nürnberg und Union Berlin stechen heraus

Dass die meisten UEFA-Länder noch meilenweit vom Standard der deutschen Fanbetreuung entfernt sind, berichtete Stuart Dykes von der Fanorganisation Supporters Direct. Im Rahmen der neuen UEFA-Klublizenzierung und des Financial Fair Plays müssen die Clubs ab der Saison 2012/13 auch einen Supporter Liaison Officer (SLO) stellen, also eine Person zur Fanbetreuung. Bei dieser schwierigen Umsetzung in mehr als 50 Ländern werde die Bundesliga ihre Unterstützung weiterhin anbieten.

Zum aktuellen Standard der DFL-Clubs gehört ein Spieltagsreport, der verschiedene Parameter zu Fan- und Sicherheitsbelangen enthält. Dieser Report wird von den Fanbeauftragten jeden Spieltag ausgefüllt. Marco Rühmann, Projektmanager Fanangelegenheiten der DFL, präsentierte die Saisonauswertung 2010/11. Dabei schnitt der 1. FC Nürnberg im Bereich der Fanbetreuung in der Bundesliga am besten ab, Union Berlin in der 2. Bundesliga. Der Sprecherrat der Fanbeauftragten, der seine Kolleginnen und Kollegen im Laufe des Jahres bei verschiedenen Veranstaltungen und Terminen repräsentiert, wurde in Stuttgart durch Julia Ebert von Werder Bremen verstärkt.