München - Der 1. FC Nürnberg konnte am vergangenen Wochenende die Abwärtsspirale von acht Spielen ohne Sieg durchbrechen und gegen Kaiserslautern wieder einen "Dreier" landen. Mit neuem Selbstvertrauen geht es nun am Sonntag zum Hamburger SV.

Im exklusiven Interview mit bundesliga.de zieht "Club"-Stürmer Alexander Esswein eine persönliche Bilanz der letzten Wochen.

bundesliga.de: Alexander Esswein, am Mittwoch stand beim "Club" die Videoanalyse auf dem Trainingsplan. Wurden Sie über den kommenden Gegner informiert oder haben Sie sich noch einmal die besten Szenen vom wichtigen 1:0-Sieg gegen Kaiserslautern angeschaut?

Alexander Esswein: Der Trainer noch einige Szenen vom Kaiserslautern-Spiel gezeigt und was wir dabei gut gemacht haben.

bundesliga.de: Wie gut tat das Erfolgserlebnis nach zuvor acht sieglosen Spielen in Serie?

Esswein: Sehr gut. Jeder Sieg ist wichtig. Erst mit dem Erfolg konnten wir wieder einmal richtig durchatmen. Wir hatten in den letzten Wochen auch einiges Pech - Pfostenschüsse, unglückliche Entscheidungen. Da haben wir in einigen Spielen nicht richtig an uns geglaubt. Gegen Kaiserslautern wollten wir daher unbedingt den Bock wieder umstoßen und die Negativserie durchbrechen. Ich bin sehr froh, dass uns das gelungen ist.

bundesliga.de: Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Esswein: Uns hat der unbedingte Wille ausgezeichnet. Wir waren von der 1. Minute an da und haben alles gegeben.

bundesliga.de: Wie haben Sie die Stimmung in Nürnberg in den letzten Wochen erlebt? Kam schon etwas Unruhe auf?

Esswein: Ich habe gar nicht so viel von der Stimmung mitbekommen. Wir haben uns auf die Spiele konzentriert. Es ist in dieser Saison ja noch nicht so viel passiert. Wir haben jetzt 15 Punkte auf dem Konto und stehen wieder ganz gut da.

bundesliga.de: Was waren die Ursachen für das lange Formtief der Mannschaft und die ausbleibenden Erfolgserlebnisse?

Esswein: Wir sind eine sehr junge Mannschaft und durch ein, zwei unglückliche Niederlagen wie etwa in Wolfsburg oder gegen Freiburg etwas aus dem Tritt gekommen. Dadurch sind wir ein bisschen nervös geworden und haben uns unbewusst ein bisschen hängen lassen. Aber ich bin guter Dinge, dass wir durch den Sieg gegen Kaiserslautern jetzt wieder zurück in die Erfolgsspur finden.

bundesliga.de: Sie sind seit Saisonbeginn in Nürnberg und kamen aus Dresden, wo Ihnen in der der 3. Liga 17 Tore gelungen sind. Wie zufrieden sind Sie bislang persönlich mit Ihrer Entwicklung in Nürnberg?

Esswein: Ich hätte sicher schon das eine oder andere Tor mehr machen können. Aber in erster Linie zählt der Erfolg der Mannschaft. Es ist jetzt mein erstes richtiges Jahr in der Bundesliga. Ich muss noch einiges lernen und verbessern, im Torabschluss kaltschnäuziger werden. Ich habe in der letzten Saison noch in der 3. Liga gespielt und komme jetzt in Nürnberg regelmäßig zum Einsatz. Die Perspektive ist sehr gut.

bundesliga.de: Nürnberg ist aber nicht Ihre erste Station in der Bundesliga. Sie haben auch von 2008 bis 2010 in Wolfsburg gespielt und sind in der Meistersaison der "Wölfe" auch zu vier Kurzeinsätzen gekommen. Was ist von der Zeit hängen geblieben?

Esswein: Das war eine tolle Zeit. Ich bin sehr froh, dass ich dabei sein konnte und das alles miterleben durfte. Ich konnte mir gerade von den beiden Topstürmern sehr viel abgucken. Edin Dzeko halte ich für einen der besten Stürmer der Welt. Er setzt sich jetzt auch bei einem Topverein wie Manchester City durch. Und Grafite hat damals fast jeden Ball im Tor untergebracht und wurde Torschützenkönig.

bundesliga.de: Wie sehr verfolgen Sie noch die Entwicklung bei Ihrem Ex-Verein Dynamo Dresden?

Esswein: Wenn ich Zeit habe, gucke ich mir die Spiele von Dynamo immer an. Ich habe noch Kontakt zu einigen Spielern und interessiere mich sehr für die Ergebnisse. Und bisher machen sie es in die 2. Bundesliga ja ganz gut.

bundesliga.de: Zurück zum Club. Am kommenden Sonntag muss Nürnberg beim Tabellennachbarn Hamburger SV antreten. Was ist beim Bundesliga-"Dino" drin?

Esswein: Wir fahren mit dem Ziel nach Hamburg, dort das Spiel zu gewinnen. Das ist die richtige Einstellung. Wenn wir aus Hamburg etwas mitnehmen, lassen wir den HSV erst einmal hinter uns. Und das wäre schon wichtig.

bundesliga.de: Und kurz vor Weihnachten steht im Pokal das Derby gegen Greuther Fürth an. Das ist ein Spiel, das einen sehr hohen Stellenwert in Franken besitzt.

Esswein: Das wissen wir. Auf das Pokalspiel freuen sich hier alle. Für uns zählt da natürlich nur ein Sieg. Wir haben ein Heimspiel und spielen gegen einen Zweitligisten. Wir wollen unbedingt eine Runde weiterkommen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski