München - Im Arbeitsleben gehören aussagekräftige Bewerbungen zur Bedingung für einen Jobwechsel. Den potentiellen Arbeitgeber mit seinen Stärken überzeugen - das hat auch Julian Schieber getan, als er am 30. März diesen Jahres den VfB Stuttgart zu einem spektakulären 4:4 bei Borussia Dortmund führte.

Der Stürmer erzielte am 28. Spieltag einen Doppelpack und beeindruckte damit BVB-Trainer Jürgen Klopp offenbar dermaßen, dass der ihn nun nach Dortmund holt. Am Montag folgte nach der sportmedizinischen Untersuchung die offizielle Bestätigung für den Transfer.

"Der Trainer kann begeistern und mitreißen"



Schieber ist sich sicher, dass der Wechsel zu den Borussen der richtige Schritt für ihn ist. "Der BVB ist in den letzten Jahren zum Maß aller Dinge geworden. Der Verein setzt auf junge Spieler, spielt einen tollen Fußball, will auch in Zukunft richtig was bewegen - und hat einen Trainer, der begeistern und mitreißen kann. Das spürt man auch im direkten Gespräch mit ihm. Die Dortmunder befinden sich auf einem richtig, richtig guten Weg. Und ich habe nun die Möglichkeit, ihn mitzugehen."

In der abgelaufenen Saison musste Schieber lange warten, ehe er ins Geschehen eingreifen konnte. Die Folgen eines Muskelbündelrisses, den sich der bullige Angreifer noch im Trikot des 1. FC Nürnbergs zugezogen hatte, ließen einen Einsatz erst am 15. Spieltag zu. Im Spiel gegen den 1. FC Köln kam Schieber erstmals als Joker zum Einsatz.

Schieber bekommt Planstelle von Barrios



Zum ersten Mal jubeln durfte Schieber am 22. Spieltag, als ihm beim 2:2 in Leverkusen ein Treffer nach indirektem Freistoß gelang. Ein Befreiungsschlag war das Erfolgserlebnis jedoch nicht, denn der Stürmer fand sich öfter auf der Ersatzbank, als ihm lieb war. Hinter Neuzugang Vedad Ibisevic, der sich in der Rückrunde prächtig einfand, war Schieber nur zweite Wahl im Angriff und wurde daher bei seinen (Kurz-) Einsätzen meistens auf dem linken Flügel eingesetzt.

Insgesamt gab der gebürtige Schwabe bei seinen 18 Saisoneinsätzen (zehn davon in der Startelf) nur 23 Torschüsse ab und ließ zunächst noch die Torgefahr vermissen, die ihn während seiner zeit beim "Club" ausgezeichnet hatte. In der Saison 2010/11 war Schieber an 16 Treffern beteiligt und wurde so zum Topscorer bei den Franken (sieben Tore, neun Torvorlagen). Bereits in dieser Spielzeit wurde der BVB offenbar auf ihn aufmerksam, doch erst nach dem Abgang von Lucas Barrios schlugen die Westfalen zu.

"Ich muss frecher werden"



"Es gab mehrere Anfragen von anderen Clubs, die ich alle sofort abgeblockt habe", erklärt Schieber. "Und auch als Borussia Dortmund kam, habe ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber zum derzeit besten deutschen Club wechseln zu können ist eine Chance, die man vielleicht nicht so oft in seiner Karriere bekommt. Und die will ich nutzen."

Zu Schiebers Stärken gehört die Vielseitigkeit im Abschluss. Neun Treffer mit dem linken Fuß, einen mit Rechts und drei per Kopf zählt die Statistik bei seinen Einsätzen in der Bundesliga. Darunter befinden sich drei Weitschusstore und drei Treffer nach einem Konter. "Er ist physisch stark, hat einen unheimlich guten linken Fuß und riesige Schussqualitäten", schwärmt Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. "Er passt gut rein bei uns."

Schieber selbst hat jedoch noch einige Schwachstellen ausgemacht. "Der rechte Fuß. Und ich muss frecher werden. Wenn man das Tor sieht, darf man nicht lange fackeln." 31,6 Prozent der Großchancen hat er bislang in seiner Bundesligakarriere verwertet. Wenn er vor dem gegnerischen Kasten noch abgezockter wird, dürfte die nächste Bewerbung noch aussagekräftiger werden.

Johannes Fischer