Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen hat auch den zweiten Matchball zur Vizemeisterschaft und zu der damit verbundenen direkten Qualifikation zur Champions League vergeben. Nach einer über weite Strecken uninspirierten Vorstellung reichte es im Heimspiel gegen den Hamburger SV nur zu einem am Ende sogar schmeichelhaften 1:1-Unentschieden.

Es war angerichtet zur großen Sause, doch die Feierlichkeiten blieben aus. Dabei waren die Voraussetzungen ideal. Ein ausverkauftes Haus, prächtiges Wetter und dazu mit dem HSV ein Gegner, der zuletzt fünf Mal in Folge sieglos geblieben war und mit dem letzten Aufgebot anreiste. Doch die Werkself verpasste die Chance, enttäuschte die Fans und erntete dafür ein bitteres Pfeifkonzert. Die Party fiel aus.

Platz 2 wieder in Gefahr

So wird es doch noch einmal spannend. Der nach dem 30. Spieltag noch riesengroße Neun-Punkte-Vorsprung der Leverkusener auf Bayern München ist auf nur noch drei Zähler zusammengeschmolzen. Verlieren die Rheinländer am letzten Spieltag in Freiburg, könnte sich der Rekordmeister mit einem Heimerfolg gegen den VfB Stuttgart sogar noch Platz 2 sichern.

Es wird sicher auch eine Frage der Nerven werden am kommenden Samstag. Die Leverkusener versuchen derweil, Optimismus zu verbreiten. Den wenig berauschenden Leistungen der letzten Wochen in München (1:5), daheim gegen Hoffenheim (2:1), in Köln (0:2) und nun gegen die Hanseaten zum Trotz. Die Formkurve und der Trend sprechen im Vergleich zu den mächtig aufdrehenden Bayern nicht gerade für Bayer 04.

"Wir haben eine super Ausgangslage"

Doch die Ausgangsposition bleibt insgesamt immer noch hervorragend. Mindestens ein Remis im Breisgau bei der drittschlechtesten Rückrundenmannschaft reicht Leverkusen zur erstmaligen Champions-League-Teilnahme nach sieben Jahren Abstinenz.

"Wir haben eine super Ausgangslage und es in der eigenen Hand", sagt Bayers Mittelfeldspieler Tranquillo Barnetta: "Natürlich waren die letzten beiden Spiele nicht nach unseren Wünschen. Jetzt müssen wir den Schalter umlegen und es nächste Woche klar machen." Aber das war bereits die Marschroute in Köln und gegen den HSV. "Ich hoffe, dass aller guten Dinge nun drei sind", bemüht Außenverteidiger Michal Kadlec ein altes Sprichwort.

Denn allen in Leverkusen ist klar, dass Hohn und Spott auf die Werkskicker niederprasseln würden, wenn sie sich wieder einmal auf der Zielgeraden doch noch abfangen ließen. "So eine Ausgangslage zu verspielen, wäre schon dumm", bekennt Bayer-Stürmer Eren Derdiyok freimütig.

Viel Brisanz am letzten Spieltag

"Wir werden uns auf Freiburg top vorbereiten. Wir wollen da gewinnen", kündigt Derdiyok an: "Dafür muss man erst einmal kompakt stehen. So lange wir kompakt gestanden haben, haben wir unsere Spiele gewonnen. Das hat uns ausgemacht. Wir müssen zu Null spielen, vorne erarbeiten wir uns schon unsere Chancen."

Es steckt einige Brisanz in der letzten Saisonaufgabe. Der amtierende Trainer Jupp Heynckes sitzt letztmals auf der Bayer-Bank, bevor er ausgerechnet zum gegenwärtig härtesten Konkurrenten nach München wechselt. Und bei den Freiburgern coacht zum letzten Mal Robin Dutt sein Team, ehe er in der kommenden Spielzeit die Heynckes-Nachfolge in Leverkusen antritt. Beide Trainer können mit einem Erfolg ihre künftigen Arbeitgeber schädigen.

"Das hat überhaupt keine Bedeutung", wischt Jupp Heynckes alle Spekulationen energisch beiseite: "Für meine Mannschaft nicht und für mich persönlich auch nicht. Wir müssen auf uns schauen und am Wochenende eine andere Kollektiv- und Mannschaftsleistung zeigen als gegen den HSV. Dazu sind wir im Stande. Dann werden wir auch den notwendigen Punkt in Freiburg holen." Und dann könnten die Leverkusener die ausgefallene Party nachholen und eine unter dem Strich großartige Saison feiern.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski